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Faszinierende Vogelwelt
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Autor Thema: Faszinierende Vogelwelt  (Gelesen 13783 mal)
powerjulchen
Gast
« am: 18. August 2010, 23:10:44 »

Liebe Förmchen...unsere Esther hat in mühevoller Arbeit das Thema verfasst und ausführlich drüber geschrieben....das darf einfach nicht verloren gehen......





Esther


Liebe Förmchen,

in diesem Thema möchte ich einiges über Vögel schreiben, denn nicht erst seit meiner Begegnung mit den Turmfalken üben sie in ihrer Vielfalt und ihrer Lebensweise einen grossen Reiz auf mich aus und je mehr ich mich mit ihnen beschäftige, sie beobachte und über sie lese, desto grösser wird meine Faszination ihnen gegenüber.

Ihr seid natürlich herzlich eingeladen, meine Texte, die ich hier in loser Folge bringen möchte mit eurem eigenen Wissen, euren Beobachtungen und Gedanken zu kommentieren und zu ergänzen.

Da wir uns hier in Charlies Bar befinden, möchte ich mit der Urgeschichte der Vögel beginnen und der Frage nach ihrer Abstammung.

Man geht davon aus, dass sich die ersten Vögel schon vor mindestens 150 Millionen Jahren entwickelt haben, also zu einer Zeit, als es auch noch Dinosaurier gab.
Sie waren nicht die ersten Geschöpfe, die fliegen lernten, schon 200 Millionen Jahre zuvor taten dies bereits die Insekten, damals zum Teil wahre Riesen mit Flügelspannweiten von über 30 cm.
Allerdings wurden sie mit dem Aufkommen der Vögel buchstäblich überflügelt, da das Konstruktionsprinzip des Insektenkörpers nur eine bestimmte Grösse erlaubt.

Man fand Fossilien fliegender, kleiner Reptilien – Pterosaurier, die Flughäute zwischen langen, strohhalmdünnen Fingerknochen hatten – aber wohl noch keine Federn.
1861 machte man dann in einem Steinbruch in der Nähe des bayerischen Dorfes Solnhofen einen spektakulären Fund – einen 150 Millionen Jahre alten Urvogel, bei dem ganz deutlich das Gefieder zu erkennen war.





Freilich war dies ein sehr seltsamer Vogel, er besass einen langen, knöchernen Schwanz, an jeder Vorderextremität drei Finger mit je einer gekrümmten Kralle an der Spitze und keinen Schnabel, sondern knöcherne, mit Zähnen besetzte Kiefer.
Er wies also sowohl Merkmale der Reptilien, als auch der Vögel auf und wurde Archeopterix (Urflügler) genannt.
Seither sind sieben weitere Exemplare gefunden worden, so dass wir seine Anatomie sehr gut kennen, seine Lebensweise jedoch bleibt weiterhin unklar.

Einen Hinweis geben die Krallen am Bug seiner Flügel, die auch bei einigen heutigen Vögeln noch vorkommen, zB bei Schwänen, Enten und Blatthühnchen versteckt unter dem Gefieder, deutlich sichtbar bei den südamerikanischen gänseähnlichen Wehrvögeln, die sie sogar bei territorialen Streitigkeiten als Waffe einsetzen.
Noch seltsamer ist aber der im Norden Südamerikas beheimatete Hoatzin, ein Bewohner sumpfiger Wälder, der sich von Blättern ernährt und ein eher plumper und schwerfälliger Flieger ist.

Die Küken des Hoatzin schlüpfen mit zwei wohlausgebildeten Krallen an jedem Flügel, wenn sie heranwachsen, werden sie sehr abenteuerlustig und turnen mit Hilfe Ihrer Flügelkrallen in den Zweigen der Bäume herum, klettern mit ihrer Hilfe auch wieder an den Mangroven ins Nest zurück, aus dem sie sich bei drohender Gefahr ins darunterliegende Wasser haben fallen lassen.







Wenn sie erwachsen sind, verlieren sie ihre Krallen.

Es könnte sein, dass auch der Archeopterix auf Bäumen gelebt hat und seine Flügel nur benutzte, um damit von Ast zu Ast zu gleiten.
Oder war er schon zu einem kraftvollen Flug fähig?
Dagegen würde sprechen, dass man bei den ersten fossilen Exemplaren kein stark ausgebildetes Brustbein fand, welches als Ansatzpunkt für eine kräftige Flugmuskulatur nötig gewesen wäre.
Allerdings fand man später ein solches Exemplar, kleiner, mit ausgeprägtem Brustbein und als andere Art (archeopterix bavarica) klassifiziert, das wohl durchaus in der Lage gewesen sein dürfte, nicht nur zu gleiten, sondern auch aus eigener Kraft zu flattern.

Archeopterix kann aber nicht das erste Wirbeltier gewesen sein, das sich in die Lüfte erhob, denn dafür ist der Bau seiner Federn viel zu komplex, so dass er das Produkt einer Evolution über viele tausend Generationen hinweg sein muss.

Doch wodurch wurde die Entwicklung von Federn überhaupt ausgelöst? Welche Vorteile hatten Federn selbst der einfachsten Art für die Vorfahren des Archeopterix?

Darüber mehr im nächsten Teil.

Liebe Grüsse
Esther






Esther




Aber heute möchte ich erst noch einmal zurückschauen in die Urgeschichte der Vögel.



Es gibt verschiedene Theorien, weshalb die Vorfahren von Archeopterix Federn entwickelten.
Eine geht davon aus, dass sie kleine, flinke Dinosaurier waren und aktive Beutejäger.
Sie müssen ihre Körpertemperatur so weit erwärmt haben können, dass ihre Körperchemie auf hohen Touren lief, um die nötige Energie zu produzieren. Es ist aber umstritten, ob sie das wie die heutigen Eidechsen und Schlangen gemacht haben, indem sie sich in der Sonne aufwärmten, oder ob sie wie die Säugetiere schon in der Lage waren, durch Stoffwechsel ihre Körperwärme zu erzeugen.
Im zweiten Fall wäre eine isolierende Körperbedeckung ein entscheidender Vorteil gewesen, Schuppen, die sich zu langen, faserigen Gebilden entwickelten könnten solche Wärmeisolationseigenschaften gehabt haben.
Wenn ein solcher, mit Protofedern und reichlich Energie ausgestatteter kleiner Jäger sich bei der Verfolgung seiner Beute auf die Hinterbeine aufgerichtet hätte (wie man das auch bei heutigen Eidechsen zum Teil sieht) und die Vorderbeine ausgestreckt hätte, so wäre es möglich, dass er sich kurz in die Luft erheben konnte.

Aber es spricht auch einiges gegen diese Theorie: Weshalb sollte ein solches Tier während der Jagd seinen Luftwiderstand so abrupt erhöhen, in dem es die Arme ausstreckt, wo es doch auf Laufgeschwindigkeit bedacht ist?
Auch spricht einiges dagegen, dass diese Tiere tatsächlich Warmblüter waren, unter anderem die Struktur von Knochenfunden, die eher auf wechselwarme Tier hinweisen. Für wechselwarme Tiere wären aber Federn gänzlich ungeeignet, da sie die Wärmeaufnahme erschweren würden.

Es gibt jedoch eine alternative Hypothese, dass nämlich die Reptilienvorfahren der Urvögel auf Bäumen lebten.
Um sich in Bäumen fortzubewegen, ist es viel effizienter, von Ast zu Ast zu springen, als zu klettern und viele Tierarten mit einer solchen Lebensweise haben unterschiedliche Strukturen entwickelt, um ihre Sprungweite zu erhöhen.

Die Flugdrachen auf Borneo verfügen zB über stark verlängerte Rippen. In Ruhe liegen sie zusammengefaltet am Körper, beim Gleitflug werden sie aufgespannt und mit ihnen die grossen Hautsäume an den Flanken.





Auch das Flughörnchen – ebenfalls auf Borneo – verfügt an seinen Flanken über eine Hautfalte, die wie ein Fallschirm wirkt, wenn es im Sprung Arme und Beine ausstreckt.

Die ebenfalls baumbewohnenden Ruderfrösche Südostasiens haben lange, mit Spannhäuten verbundene Zehen, die ebenfalls wie Fallschirme wirken und mit denen sie bis zu fünfzehn Meter durch die Luft gleiten können.

Diese Beispiele zeigen, dass die Evolution Tieren, bei denen das Gleiten eine wertvolle Fähigkeit ist, bereitwillig zu körperlichen Anpassungen verhilft. Daher liegt es ziemlich nahe, dass die Umbildung von Schuppen zu Federn ebenfalls eine solche vorteilhafte Anpassung bedeutete und selbst die winzigste Verlängerung federartiger Schuppen bringt bereits einen aerodynamischen Gewinn.


Fortsetzung folgt...

Liebe Grüsse
Esther




Esther


Herzlichen Dank, liebe Struppy und Helia für eure Echos! Ich freue mich über euer Interesse. Smile

Nachdem wir nun Archeopterix und seine möglichen Vorfahren etwas beleuchtet haben, möchte ich noch gerne auf die weitere Vogelevolution zu sprechen kommen.

Über ein Jahrhundert lang blieben die Fossilien, die man im Kalk bei Solnhofen gefunden hatte, die einzigen Zeugnisse für die Frühgeschichte der Vögel. Doch 1995 wurden aussergewöhnliche Funde aus der nordostchinesischen Provinz Liaoning bekannt.
Es handelte sich dabei um in 120 Millionen Jahre altem Tonstein abgelagerte Fossilien einer ungefähr elsterngrossen Art, die den heutigen Vögeln viel näher kam als Archeopterix.
Sie war am ganzen Körper mit Federn bedeckt, die vorderen Gliedmassen trugen drei Krallenfinger, der Schwanz war viel kürzer und vor allem besass dieses Tier keine mit Zähnen besetzte Kiefer, sondern einen hornigen Schnabel.
Das muss für die Flugfähigkeit ein grosser Vorteil gewesen sein, nicht nur wegen der Gewichtsreduktion, sondern auch durch die damit einhergehende Verlagerung des Schwerpunktes Richtung Körpermitte.
Die Spezies wurde Confuciusornis genannt und inzwischen sind hunderte Exemplare gefunden worden, einige von ihnen so gut erhalten, dass ein schwärzlicher Schleier um die Knochen sogar die Umrisse des federntragenden Fleisches verrät.
Bei einigen ragt ein Paar extrem langer Kiele aus dem Schwanz hervor, ein Hinweis, dass es sich um ein Männchen handelt und sich inzwischen grössere Unterschiede zwischen den Geschlechtern herausgebildet hatten.




In noch jüngeren Gesteinsschichten in Australien, Spanien, Argentinien und Nordamerika wurden Fossilien höher entwickelter Arten gefunden, die eine noch grössere Annäherung an die heutigen Vogelarten zeigen: Der Schwanz zu einem kleinen knöchernen Dreieck zurückgebildet, Flügel und Beckenknochen sind hohl und bei vielen Arten trägt das Brustbein einen Kiel, an dem grosse Flugmuskeln ansetzen. Man kann daraus schliessen, dass der grosse Stamm der Vögel da schon gut entwickelt war.

Als dann vor 65 Millionen Jahren eine immer noch geheimnissvolle Katastrophe das Leben auf der Erde erschütterte und die letzten Dinosaurier zum Verschwinden brachte, starben auch viele der frühen Vogelarten aus. Einige Gruppen jedoch überlebten, so zB die Vorfahren der Enten und Gänse, der Seetaucher, der Möwen und der Watvögel wie zB Schnepfen und Regenpfeiffer.

Und sie bekamen nun – wie auch die kleinen Säugetiere – grosse Entwicklungsmöglichkeiten und entfalteten und verbreiteten sich mit erstaunlichem Tempo. Nach zehn Millionen Jahren waren alle heute formenreichen Ordnungen (bis auf die kleinen Sperlingsvögel) vertreten.
In 50 Millionen Jahre alten Tonschichten fand man Vorfahren der Kuckucke, Papageien, Eulen, Segler, Greifen, Möwen, Eisvögel, Enten und Gänse.

Einige Vogelarten nutzten auch den Umstand, dass die Dinosaurier, die den Boden zu einem gefährlichen Ort gemacht hatten, verschwunden waren aus und entwickelten sich zu Landbewohnern – und verzichteten aufs Fliegen.
Einige von ihnen wurden wahre Riesen, zB der in Südamerika beheimatete Schreckensvogel, der über zwei Meter mass und einen Kopf so gross wie der eines Pferdes hatte.

Aber auch die Säugetiere entwickelten sich und machten den flugunfähigen Vögeln bald die Herrschaft über den Boden streitig.

Man geht davon aus, dass sich die heutigen flugunfähigen Vögel allesamt aus fliegenden Vorfahren entwickelt haben, also nicht direkt von den Reptilien abstammen, das heisst, sie sind nicht auf halbem Weg zur Flugfähigkeit stehen geblieben, sondern haben diese wieder aufgegeben. Denn fliegen kostet sehr viel Energie und Vögel geben es auf, wenn andere Fortbewegungsmethoden – meist zu Land – sicher genug sind.

Mehr über Vögel, die nicht mehr fliegen können im nächsten Teil.

Liebe Grüsse
Esther




Und weiter gehts. Very Happy

Die grössten heutigen flugunfähigen Vogelarten sind der Strauss in Afrika, der Emu und die Kasuare in Australien und Neuguinea und die Nandus in Südamerika.
Es ist nicht ganz klar, ob sich diese Vögel bald nach der grossen Katastrophe vor 65 Millionen Jahren entwickelt haben – und mit den auseinanderdriftenden Kontinenten um die Welt gereist sind, so dass sie nun an weit auseinanderliegenden Orten der Erde leben, aber gemeinsame Vorfahren besassen, oder ob sie sich unabhängig voneinander erst später aus fliegenden Vorfahren entwickelten und ihre äusseren Ähnlichkeiten auf die Anpassung an ähnliche Lebensbedingungen zurückzuführen sind.
Strauss, Nandu und Emu leben in offenen Grassteppen oder Halbwüsten, in der Konkurrenz zu den Säugetieren dort haben sie überlebt, weil sie mit ihren langen Beinen sehr schnell laufen können, was eine gute Verteidigungsstrategie ist.

Strauss:


Emu:





Nandu:




Die sehr viel stämmigeren Kasuare sind hingegen Waldbewohner – sie benötigen keine langen Beine und hohe Geschwindigkeiten, denn in den tropischen Regenwäldern Nordaustraliens und Neuguineas, in denen sie leben, hat es nie grössere, räuberische Säugetiere gegeben.




Ein Beispiel dafür, wie rasch Vögel das Fliegen aufgeben sind die Kormorane auf Galapagos.
Die sehr jungen Inseln vulkanischen Ursprungs entstanden erst vor ca 5 Millionen Jahren.
Seither ist es Vögeln verschiedentlich gelungen, sie vom Festland aus fliegend zu erreichen, unter anderem einer Art der Kormorane. Nachdem sie die Inseln einmal erreicht hatten, bestand für sie kaum noch die Notwendigkeit zu fliegen, ihre Nahrung erwerben sie tauchend, wobei nicht die Flügel, sondern die Füsse für Antrieb sorgen. Geeignete Fischgründe bot das Meer und es gab keine Säugetiere, die ihnen lästig werden konnten. Und so schwanden ihre Flügel dahin.




Überhaupt scheint das Fehlen von Fressfeinden eine wichtige Vorraussetzung zu sein, dass Vögel ihre Flugfähigkeit aufgeben, weshalb zB auf Neuseeland besonders viele flugunfähige Arten vorkommen.
Pioniere unter ihnen waren die inzwischen ausgestorbenen Moas – noch vor 1000 Jahren gab es elf verschiedene Arten von ihnen, ein Vorfahre von ihnen gilt mit einem Gewicht von 250 Kilo als der grösste je lebende Vogel. Im Unterschied zu Strauss und Emu besassen diese Tiere auch keine verkümmerten Flügel mehr, nicht einmal mehr Reste des zum Fliegen umgebildeten Armskelettes waren mehr vorhanden.
Der kleinste aller Moas lebte in hochgelegenen Buschgebieten und war kaum grösser als ein stattlicher Truthahn. Dazwischen gab es auch mittere Grössen von etwa 1.20 bis 1.50 m Körperlänge, also etwas so gross wie die heutigen Kasuare.
Das Ende der Moas aber kam mit der Besiedelung Neuseelands durch Menschen, Polinesier aus dem nördlichen, tropischen Bereich des Pazifiks. Für sie waren die Moas eine ausgezeichnete Fleischquelle, später kam dann der mit der Besiedelung einhergehende Rückgang der Wälder hinzu und dreihundert Jahre nach der Ankunft der ersten Menschen auf Neuseeland waren die Moas ausgestorben.

Eine Familie ihnen ähnlicher, aber viel kleinerer Vögel dagegen überlebte – die Kiwis.




Sie bewohnen unterirdische Baue, sind fast ausschliesslich nachtaktiv und ernähren sich sehr vielseitig, sowohl pflanzlich wie auch tierisch, zeigen aber eine besondere Vorliebe für Regenwürmer und andere kleine, im Boden lebende Tiere.
Ihr Federkleid ähnelt mehr einem groben Pelz, einige der Federn am Schnabelansatz sind borstig und dienen als eine Art Schnurrhaare, mit denen sich die Tiere im Dunkeln ihren Weg ertasten können.
Auch besitzen sie einen ausgesprochen guten Geruchssinn, ihre Nasenlöcher sitzen – einmalig bei Vögeln – ganz vorne am Schnabel.

Es gibt noch weitere Beispiele flugunfähiger Vögel in Neuseeland: Der Takahe, eine Art der Purpurhühner (blässhuhnähnliche Wasservögel),





oder der nachtaktive Kakapo, die grösste existierende Papageienart. Auch er verbirgt sich wie die Kiwis tagsüber in Erdhöhlen und streift nachts durch sein Territorium, um seine pflanzliche Nahrung zu sich zu nehmen.




Doch all diese Vogelarten sind leider extrem gefährdet, denn als mit den Menschen auch Ratten, Katzen, und Wiesel nach Neuseeland kamen, hatten diesen die bodenbewohnenden Vögel nichts entgegenzusetzen. Heute sind elf Arten ausgestorben und den übrigen droht wohl das gleiche Schicksal.

Die Zukunft der gefiederten Reptilien , die sich vor 150 Millionen Jahren entwickelten, lag am Himmel. Dort wurden sie zu den unumstösslichen Herrschern, die sie noch heute sind.

Und über ihre Flugkünste berichte ich euch dann im nächsten Teil.

Liebe Grüsse
Esther





« Letzte Änderung: 20. August 2010, 10:18:35 von powerjulchen » Gespeichert
powerjulchen
Gast
« Antworten #1 am: 18. August 2010, 23:40:13 »



Wir alle haben bestimmt schon einmal davon gehört, wie ein Vogelflügel funktioniert.
Das Profil eines Flügels gleicht einem auf der Seite liegenden Komma – an der Vorderkante dick und gerundet wölbt es sich leicht nach oben und fällt dann nach hinten hin ab, wo es nicht mehr als federdick ist.
Die Luft, welche über die Oberseite des Flügels streicht, wird nach oben abgelenkt und erzeugt einen Unterdruck unmittelbar über der Flügeloberseite. Die Luft, die unter dem Flügel durchströmt, wir durch die konkave Flügelunterseite abgebremst, so dass dort der Luftdruck erhöht wird.
So erzeugen der Unterdruck über und der Überdruck unter dem Flügel eine aufwärts gerichtete Kraft, wobei dieser Auftrieb direkt proportional zur Geschwindigkeit des Luftstroms ist. Durch das Schlagen der Flügel wird diese erhöht – und entsprechend auch der Auftrieb.

Kleinere und leichtere Vögel können aus dem Stand hochfliegen, andere, wie zB der Schwan, der mit über 17 Kilo der schwerste noch flugfähige Vogel ist, müssen zum Abheben erst auf die richtige Geschwindigkeit kommen.
Ein Schwan, der bei Windstille starten will, muss etwa 14 Meter pro Sekunde zurücklegen.
Er braucht eine möglichst flache und glatte Oberfläche für seinen Start – den ruhigen Spiegel eines Sees. Sein Abflug verlangt eine ungeheure Kraftanstrengung, sicher habt ihr schon Schwäne beobachtet, die mit kräftigen Flügelschlägen übers Wasser sprinten, bis es ihnen gelingt, sich in die Luft zu erheben.





Auch der Wanderalbatross, der auf ozeanischen Inseln brütet, ist mit dem Problem konfrontiert, dass er eine genügende Anströmung seiner Schwingen erreichen muss um abzuheben.
Im Gegensatz zum Schwan startet er allerdings über Land – mitten durch seine Brutkolonien verlaufen in Richtung der vorherrschenden Winde lange, breite Startbahnen, auf denen die Vögel mit schlagenden Flügeln gegen den Wind rennen.





Herrscht – was zum Glück nur selten vorkommt – einmal Windstille auf seiner Insel, sitzt der Albatross dort fest.

Eine andere Lösung haben dagegen diese japanischen Weissgesicht-Sturmtaucher gefunden:
Sie klettern auf einen „Abflugbaum“, von dem aus sie sich hinabfallen lassen, somit kommen sie problemlos auf die erforderlichen Geschwindigkeiten.






Die meisten Sturmtaucher brüten jedoch auf Küstenfelsen und haben dort geeignete Abflugstellen in bequemer Reichweite.

Vögel sind im Vergleich zu Säugetieren gleicher Grösse erstaunlich leicht, was sie verschiedenen, im Lauf ihrer Entwicklungsgeschichte erworbenen Anpassungen an das Fliegen verdanken:
Hohle, durch innere Querverstrebungen versteifte Knochen, ein Fächer von Federn mit starken Kielen statt eines knöchernen Schwanzes, ein Schnabel aus Horn statt knöcherner Kiefer mit Zähnen und schliesslich ist ein wesentlicher Teil ihres Körpers mit Luft gefüllt.
Die Luft befindet sich in Säcken, von denen die meisten Vögel neun besitzen. Sie liegen in Hals, Brust und Bauch und erstrecken sich sogar bis in die Arm- und Beinknochen hinein.
Neben der Verringerung des spezifischen Gewicht des Vogels, sind sie aber vor allem als Teil des Atemsystems wichtig, denn fliegen verlangt so viel Energie, dass der Vogel einen sehr grossen Sauerstoffbedarf hat.
Im Gegensatz zu Säugetieren, die mit ihren Lungen nur etwa 20 Prozent des Sauerstoffs der Atemluft aufnehmen können, nimmt der Vogel ihn fast vollständig auf. Die Luft jedes Atemzuges strömt nämlich erst durch die Lunge, von dort in die hinteren Luftsäcke, von dort wieder in die Lunge zurück, dann in die vorderen Luftsäcke und erst von dort aus wird sie beim Ausatmen durch die Nasenlöcher wieder in die Atmosphäre befördert.

Doch trotz all dieser Optimierungen benötigt das Flügelschlagen so viel Energie, dass es sich lohnt, so ökonomisch wie möglich zu verfahren.
Eine einfache Methode ist es, ab und zu eine Pause einzulegen.
Ein fliegender Specht etwa unterbricht seinen schnellen Flügelschlag regelmässig für einige Augenblicke und hält währenddessen die Flügel eng an den Körper gepresst. Seine Fluggeschwindigkeit lässt ihn dabei – ohne den Luftwiderstand der ausgebreiteten Flügel – noch ein Stück weit im flachen Bogen vor und abwärts schiessen, bevor seine Flügel wieder aktiv werden. Dadurch ergibt sich eine typische wellenförmige Flugbahn.

Doch nur relativ kleine Vögel können auf diese Weise Energie sparen, würde ein grösserer, schwererer Vogel das versuchen, fiele er wie ein Stein vom Himmel.

Deshalb verlegen sich grössere Vögel aufs Gleiten mit ausgestreckten Flügeln, wobei sie geschickt herrschende Winde und Luftströmungen auszunutzen wissen.

Mehr darüber und über andere Luftakrobaten im nächsten Teil.

Liebe Grüsse und schönes Wochenende
Esther


Unterschiedliche Lebensräume und verschiedene Arten des Nahrungserwerbs verlangen auch andere Flugkünste und die entsprechende körperliche Ausstattung.
So verbringt zB der Wanderalbatross den grössten Teil seines Lebens über der offenen See, wo fast ständig ein kräftiger Wind weht. Mit seinen besonders langen Flügeln (Flügelspannweite von bis zu 3.5 Meter) kann er diesen Wind besonders gut ausnutzen.





Mit weitausgebreiteten Schwingen segelt er stundenlang ohne einen einzigen Flügelschlag dahin und nutzt dabei die Energie des Windes, der in unterschiedlichen Höhenschichten in verschiedenen Geschwindigkeiten bläst, geschickt aus.
Dabei braucht er noch nichteinmal Muskelkraft um seine Flügel aufgespannt zu halten, dies besorgt eine Art Verschlussmechanismus seines Flügelskeletts. So kann der Albatross tage-, wochen-, oder sogar monatelang bei geringstem Energieaufwand über See dahinfliegen. Er braucht nichteinmal zu trinken, weil sein Wasserbedarf bereits durch die toten Fische und Tintenfische gedeckt ist, die er als Treibgut auf der Meeresoberfläche findet.

An Land wird das Aas von anderen aussergewöhnlich vollendeten Flugkünstlern aufgespürt, den Geiern.
Da an Land die kräftigen konstanten Windgeschwindigkeiten der See fehlen, machen sich diese Vögel stattdessen die über Land herrschende Thermik zunutze – Aufwinde, die sich durch die Erwärmung und das Aufsteigen erwärmter Luft bilden.




Unterschiedliche Oberflächen absorbieren die Sonneneinstrahlung verschieden stark – so nimmt eine Grasfläche die Sonnenwärme zB fast vollständig auf, während nackter Fels sie gleich wieder an die Luft abgibt. So entsteht dort eine aufsteigende Warmluftsäule, in der sich die Geier kreisend emportragen lassen, bis sie sich in etwa dreihundert Metern Höhe erschöpft hat.
Von dort aus können die Vögel dann stundenlang kreisend die Landschaft unter sich nach Nahrung absuchen.
Die Geierflügel sind nicht schmal wie beim Albatross, sondern breit, damit die grosse Flügelfläche eine optimale Ausnutzung der Thermik bei den vorherrschenden mässigen Windstärken gestattet.

Für das reine Hochgeschwindigkeitsfliegen ist wiederum eine andere Flügelform am besten geeignet. Der schnellste aller Vögel ist der Wanderfalke.
Wenn er auf seine Beute stösst – meist ein anderer Vogel – beschleunigt er zuerst durch Flügelschläge und legt dann in der Phase des Sturzfluges die Flügel halb an, so dass er die Silhouette eines Überschalljägers annimmt und Geschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometer erreicht.

Eine ganz andere Jagdweise benutzt der Turmfalke Very Happy, indem er sich gegen den Wind stellt, so dass er genügend Auftrieb erhält, um in der Luft zu bleiben.




Er schafft es, mit fein abgestimmten Ausgleichsbewegungen seiner Flügel und seines weit aufgefächerten Schwanzes seine Fluggeschwindigkeit genau der Windgeschwindigkeit anzupassen, so dass er stationär in der Luft hängt und in Ruhe nach seiner nächsten Mahlzeit Ausschau halten kann.

Die einzigen Vögel, die ohne Unterstützung durch Wind längere Zeit in der Luft "stehen" können, sind die Kolibris. Sie brauchen diese Kunst um an ihre Nektarnahrung heranzukommen, die sie mit ihren dünnen langen Schnäbeln aus Blüten schlürfen.
Ihre Flugtechnik unterscheidet sich dabei von der anderer Vögel, wie die eines Hubschraubers von der eines Flugzeugs.







Die dünnen Kolibriflügel sind nicht tragflächenförmig ausgebildet, die langen Armknochen sind reduziert, Ellbogen und Handgelenk versteift. Die paddelförmigen Flügel sind sozusagen Hände direkt am Schultergelenk.
Sie werden so geschlagen, dass ihre Spitzen die Figur einer liegenden 8 beschreiben. Die Flügel folgen dabei ihrer Vorderkante wie eine Fahne, die geschwenkt wird. Beim Schlag nach vorne liegt die Flügeloberseite oben, beim Schlag nach hinten liegt sie unten. Der Kolibri wird wie ein Hubschrauber nach oben gezogen.
Die Frequenz seiner Flügelschläge beträgt bei einem durchschnittlich grossen Kolibri funfundzwanzig Schläge pro Sekunde, die kleinste Kolibriart, die nur etwa fünf Zentimeter lange kubanische Bienenelfe muss sogar zweihundertmal pro Sekunde mit den Flügeln schlagen um sich in der Luft halten zu können.

Diese Flugtechnik kostet sehr viel Energie. Zwar ist Nektar sehr hochwertiges "Flugbenzin" - aber trotzdem müssen die kleinen Vögel bis zu zweitausendmal am Tag auftanken.
Selbst in Ruhe benötigt ihr Körper viel Brennstoff – und sei es auch nur um die Muskulatur auf Betriebswärme zu halten. Nachts jedoch lässt der Kolibri seine Körpertemperatur und die Frequenz seines Herzschlages absinken. Tagsüber schlägt sein Herz zwischen fünfhundert und zwölfhundertmal pro Minute, nachts ist der Herzschlag so verlangsamt, dass er sich kaum noch ausmachen lässt. Auch zu atmen scheint der Vogel dann nicht mehr.
Er tut somit das Gleiche wie Tiere, die einen Winterschlaf halten, bloss dass der Kolibri dreihundertfünfundsechzigmal pro Jahr in diesen Zustand verfällt.


Im nächsten Teil möchte ich dann etwas über Zugvögel berichten.

Liebe Grüsse
Esther






Ja, es ist schon erstaunlich, wie viel Energie die kleinen Kolibris benötigen. Umso verblüffender finde ich die Tatsache, dass es unter ihnen auch Arten gibt, die Zugvögel sind, so zB der Rubinkehlkolibri.





Dieser winzige Vogel macht sich aus den Wäldern Kanadas, wo er gebrütet und seine Jungen aufgezogen hat im Herbst auf und fliegt bis in den Süden Mexikos. Dabei überquert er den Golf von Mexiko – immerhin eine Strecke von 800 km, während der er nirgendwo landen und auftanken kann. Für ihn bedeutet das einen Nonstop-Flug von 18 Stunden und bringt ihn an die äussersten Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Schon ein leichter Gegenwind, der seine Fluggeschwindigkeit verringert kann ihm zum Verhängnis werden.

In Amerika ist das Bild des Vogelzuges besonders ausgeprägt – von 650 Vogelarten, die im Sommer die Landschaften Nordamerikas bevölkern, machen sich 520 im Herbst auf den Weg nach Süden.

Zugvögel haben je nach ihrem Flugvermögen unterschiedliche Zugstrategien.
Schneegänse zB müssen immer wieder Rast einlegen um sich sattzufressen, da diese relativ grossen und schweren Vögel viel Energie fürs Fliegen aufwenden müssen.
Greifvögel haben es da besser, für ihren Gleitflug benötigen sie nur etwa einen Zwanzigstel der Energie eines Schlagfluges – allerdings sind sie auf die Thermik angewiesen und können deshalb nur über Land und nur bei warmen Wetter ziehen.

Die kleinen und zierlichen Watvögel zählen zu den leistungsfähigsten Zugvögeln.






Sie führen beträchtliche Brennstoffreserven in Form von Fett mit. Auf den Watt und Schlickflächen der Küsten fressen sie mit solcher Gier, dass sich ihr Körpergewicht in einigen Wochen fast verdoppelt – wobei mit der Zunahme der Fettdepots viele ihrer inneren Organe, einschliesslich des Gehirns, an Masse abnehmen um Gewicht einzusparen und Platz für das Fett zu machen.
So ausgestattet können sie dann unglaubliche Strecken nonstop überwinden.

Der Vogelzug findet in allen Teilen der Welt statt.
Schwalben, die in Europa gebrütet haben, fliegen im Winter bis nach Südafrika, wobei sie unter anderem die sengend heisse Sahara überqueren müssen.
In Asien fliegen die Streifengänse von ihren Brutplätzen auf der tibetischen Hochebene quer über den Himalaja – in Höhen von beinahe 8000 m – um in Indien zu überwintern.
Knuts aus dem Polargebiet ziehen die Küsten Japans und Vietnams entlang nach Süden und überqueren sogar das Südchinesische Meer um an der Süd und Westküste Australiens den Winter zu verbringen.

Der Lohn für diese mühevollen und oft gefährlichen Reisen ist offensichtlich, nämlich reiche Ressourcen auch in denjenigen Teilen der Erde zu nutzen, in denen einzelne Arten nicht ständig leben können.
Aber woher wissen die Vögel überhaupt von diesen weitentfernten Ressourcen, von denen sie oft durch gewaltige Hindernisse getrennt sind?
Die Antwort darauf liegt in der Vergangenheit.
Während der beiden Eiszeiten, die in die letzten 150'000 Jahre fallen, schrumpfte der Lebensraum der Vögel auf einen schmalen Streifen beiderseits des Äquators zusammen. Mit der Wiedererwärmung dehnte sich dieses Gebiet nach Norden und nach Süden aus und wurde von den Vögeln wieder in Besitz genommen. Mit jedem Jahr wurde der Flug in die sommerlichen Nahrungsgründe etwas länger, so dass die Vögel sich auf die Änderung einstellen, ihre Zugwege lernen und ihr Orientierungsvermögen entsprechend ausbilden konnten.

Die weitesten jährlichen Reisen unternehmen die Küstenseeschwalben.





   



Dieser winzige Vogel macht sich aus den Wäldern Kanadas, wo er gebrütet und seine Jungen aufgezogen hat im Herbst auf und fliegt bis in den Süden Mexikos. Dabei überquert er den Golf von Mexiko – immerhin eine Strecke von 800 km, während der er nirgendwo landen und auftanken kann. Für ihn bedeutet das einen Nonstop-Flug von 18 Stunden und bringt ihn an die äussersten Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Schon ein leichter Gegenwind, der seine Fluggeschwindigkeit verringert kann ihm zum Verhängnis werden.

In Amerika ist das Bild des Vogelzuges besonders ausgeprägt – von 650 Vogelarten, die im Sommer die Landschaften Nordamerikas bevölkern, machen sich 520 im Herbst auf den Weg nach Süden.

Zugvögel haben je nach ihrem Flugvermögen unterschiedliche Zugstrategien.
Schneegänse zB müssen immer wieder Rast einlegen um sich sattzufressen, da diese relativ grossen und schweren Vögel viel Energie fürs Fliegen aufwenden müssen.
Greifvögel haben es da besser, für ihren Gleitflug benötigen sie nur etwa einen Zwanzigstel der Energie eines Schlagfluges – allerdings sind sie auf die Thermik angewiesen und können deshalb nur über Land und nur bei warmen Wetter ziehen.

Die kleinen und zierlichen Watvögel zählen zu den leistungsfähigsten Zugvögeln.



Sie führen beträchtliche Brennstoffreserven in Form von Fett mit. Auf den Watt und Schlickflächen der Küsten fressen sie mit solcher Gier, dass sich ihr Körpergewicht in einigen Wochen fast verdoppelt – wobei mit der Zunahme der Fettdepots viele ihrer inneren Organe, einschliesslich des Gehirns, an Masse abnehmen um Gewicht einzusparen und Platz für das Fett zu machen.
So ausgestattet können sie dann unglaubliche Strecken nonstop überwinden.

Der Vogelzug findet in allen Teilen der Welt statt.
Schwalben, die in Europa gebrütet haben, fliegen im Winter bis nach Südafrika, wobei sie unter anderem die sengend heisse Sahara überqueren müssen.
In Asien fliegen die Streifengänse von ihren Brutplätzen auf der tibetischen Hochebene quer über den Himalaja – in Höhen von beinahe 8000 m – um in Indien zu überwintern.
Knuts aus dem Polargebiet ziehen die Küsten Japans und Vietnams entlang nach Süden und überqueren sogar das Südchinesische Meer um an der Süd und Westküste Australiens den Winter zu verbringen.

Der Lohn für diese mühevollen und oft gefährlichen Reisen ist offensichtlich, nämlich reiche Ressourcen auch in denjenigen Teilen der Erde zu nutzen, in denen einzelne Arten nicht ständig leben können.
Aber woher wissen die Vögel überhaupt von diesen weitentfernten Ressourcen, von denen sie oft durch gewaltige Hindernisse getrennt sind?
Die Antwort darauf liegt in der Vergangenheit.
Während der beiden Eiszeiten, die in die letzten 150'000 Jahre fallen, schrumpfte der Lebensraum der Vögel auf einen schmalen Streifen beiderseits des Äquators zusammen. Mit der Wiedererwärmung dehnte sich dieses Gebiet nach Norden und nach Süden aus und wurde von den Vögeln wieder in Besitz genommen. Mit jedem Jahr wurde der Flug in die sommerlichen Nahrungsgründe etwas länger, so dass die Vögel sich auf die Änderung einstellen, ihre Zugwege lernen und ihr Orientierungsvermögen entsprechend ausbilden konnten.

Die weitesten jährlichen Reisen unternehmen die Küstenseeschwalben.



Sie fliegen vom hohen Norden bis in den tiefsten Süden. So erleben sie sowohl den Höhepunkt des Nordsommers, als auch den des Südsommers in denen rund um die Uhr Tageslicht herrscht. Sie sehen mehr Sonne als jedes andere Tier. Ihre jährliche Zugstrecke kann bis zu 40'000 km betragen.

Am meisten Zeit in der Luft verbringen die Mauersegler.





Ihre Beine und Füsse sind bis auf vier gekrümmte, nadeldünne Krallen zurückgebildet und ausser brüten tun sie buchstäblich so ziemlich alles in der Luft. Insekten jagen, trinken (indem sie dicht über die Wasseroberfläche gleiten und ihren Schnabel gerade eben für eine Flugstrecke von einem halben Meter ins Wasser tauchen), ihr Nistmaterial, Federn und Pflanzenteile, sammeln sie ebenfalls aus der Luft und sie schlafen sogar mehr oder weniger regelmässig in der Luft – nachdem sie auf eine Höhe von 2000 m gestiegen sind, lassen sie sich mit nur gelegentlichem leichten Flügelschlag im Wind treiben.
Mauersegler können mehr als zwanzig Jahre alt werden. Ein Tier dieses Alters muss fliegend über sechs Millionen Kilometer zurückgelegt haben. Das entspricht acht Flügen zum Mond und wieder zurück.

Und weil das alles ziemlich hungrig macht, werde ich euch im nächsten Teil dann etwas über die Ernährungsgewohnheiten der Vögel berichten.

Liebe Grüsse
Esther




Das ideale Futter für einen Flieger ist kompakt und möglichst energiereich wie zB Pflanzensamen.
Sie enthalten die Nährstoffe, welche die Pflanze braucht um Stengel und Blätter auszubilden, ausserdem sind sie reichlich und in mundgerechten Portionen vorhanden – da erstaunt es nicht, dass viele Vögel kaum etwas anderes fressen.
Aber natürlich haben die Pflanzen kein Interesse daran, dass ihre Samen in den Mägen von Vögeln zerstört werden und deshalb umgeben viele von ihnen sie mit festen Hüllen.
Die Vögel ihrerseits haben aber Strategien und Werkzeuge entwickelt, um diese wertvolle Nahrung dennoch nutzen zu können.

Da die Arme und Hände des Vogels zu Flügeln umfunktioniert sind bleibt ihm im Grunde nur sein Schnabel als Werkzeug, doch es ist erstaunlich, welche Vielfalt sich da entwickelt hat und wie weit die Anpassung in Form und Funktion an die entsprechende Nahrung dabei geht.

Bei den verschiedenen Finkenarten sieht man dies besonders schön.
Der Buchfink hat einen typischen Allzweck-Schnabel, geeignet zum Auflesen von Insekten, Spinnen, Raupen und Beeren, sowie zum Aufpicken von Samen.




Aber Samen mit derber Schutzhülle ist er nicht gewachsen, darauf hat sich zB sein Kollege Grünling spezialisiert, der einen kräftigeren Schnabel entwickelt hat.
Noch stärker ist der Schnabel des Kernbeissers, der es schafft, sogar Kirschkerne zu knacken. Die Muskeln, die den Schnabel schliessen sind ungewöhnlich gross und reichen um den ganzen Kopf herum.





Der Stieglitz dagegen hat einen besonders langen und schlanken Schnabel, so dass er zB die Samen der Karde erreicht, obwohl diese Pflanze sie mit langen scharfen Stacheln zu schützen versucht.




Kiefern schützen ihre Samen zwischen den hölzernen Schuppen ihrer Zapfen und normalerweise sind sie für Vögel erst erreichbar, wenn sie ganz ausgereift, dann aber auch hart und holzig zu Boden fallen.
Der Kreuzschnabel kann sie als einziger schon früher ernten, indem er mit zur Seite geneigtem Kopf seinen gekreuzten Schnabel zwischen die Schuppen schiebt und sie mit der aufwärts gebogenen Unterschnabelspitze auseinanderdrückt. Jetzt kann er den Samen entweder mit der Oberschnabel herauskratzen oder mit der Zunge herauslöffeln.



Die Kehrseite dieses Spezialwerkzeuges ist jedoch, dass der Kreuzschnabel damit keine Samen mehr vom Boden aufpicken kann.

Viele Bäume produzieren Samen in solcher Masse, dass kaum je alle gefressen werden können.
Ein gutes Beispiel dafür sind die Eichen, ein einziger Baum kann bis zu einer Million Samen jedes Jahr produzieren.
Wildschweine und Hirsche fressen sich im Herbst mit dieser Eichelmast Fettreserven an, Vögel hingegen müssen andere Strategien finden, dieses kurzzeitige überreiche Nahrungsangebot für sich nutzbar zu machen. Eichelhäher vergraben die Eicheln als Vorrat – wohlgemerkt jede Eichel einzeln – und prägen sich die Standorte der Verstecke ein. Manchmal deponieren sie sogar kleine Kiesel an den entsprechenden Stellen als Gedächtnisstützen.





Auch der nordamerikanische Eichelspecht mag Eicheln – wie sein Name schon vermuten lässt. Smile
Den ganzen Sommer über meisselt er kleine, trichterförmige Löcher in einen meist abgestorbenen hohen Baum. Im Spätsommer dann schleppt er eine Eichel nach der anderen dorthin und hämmert jede jeweils in ein Loch. Weder Eicheln noch Löcher sind genormt, also muss er oft mehrfach probieren, bis er das richtige Loch für die richtige Eichel findet.





Mit diesem einmaligen Bestücken des Vorratsbaumes ist es aber noch nicht getan, denn die Eicheln trocknen langsam und schrumpfen, so dass sie vielleicht umgelagert werden müssen.
Ein grosse Vorrat kann aus mehr als 50'000 Eicheln bestehen. Eine solche Sammlung zu betreuen und vor Dieben zu schützen übersteigt die Leistungsfähigkeit eines einzelnen Vogels oder Paares bei weitem – deshalb hilft die ganze Spechtfamilie mit.

(Fortsetzung folgt...)

Liebe Grüsse
Esther



Manche Pflanzen schützen ihre Samen nicht nur durch dicke Schalen oder Stacheln sondern durch Gift. Eines der wirksamsten natürlichen Gifte ist das Strychnin, welches in den Samen einer südamerikanischen Liane enthalten ist.
Andere Samen, unter anderem die einiger Regenwaldbäume sind zwar gewöhnlich nicht tödlich, aber in ihren Wirkungen doch so unerfreulich, dass die meisten Vögel auf ihren Verzehr verzichten.

Aras und andere Papageienarten lassen sich davon jedoch nicht abschrecken, denn sie haben ein wirkungsvolles Mittel dagegen gefunden: Nach dem Verzehr giftiger Samen fliegen sie zu einem Flussufer und fressen dort grosse Mengen Ton. Dieser absorbiert die Giftstoffe, so dass die Vögel die nahrhaften Bestandteile ihrer Mahlzeit ohne Magenbeschwerden verdauen können.




Einige Vögel haben sich darauf spezialisiert, den Saft der Pflanzen zu trinken.
Der Saftlecker ist eine Spechtart und bohrt tiefe, bis in die Gefässe unter der Borke reichende Löcher in die Stämme lebender Bäume. Diese Löcher sind leicht nach unten geneigt, so dass sich auf ihrem Grund etwas Saft ansammeln kann, den der Vogel dann mit seiner borstenbedeckten, fast pinselartigen Zunge aufleckt.
Der Saft zieht auch zahlreiche Insekten an – eine willkommene Ergänzung der Zuckerdiät der Vögel mit etwas Protein.




Es gibt aber auch Vögel, die nicht von Samen oder Saft, sondern von Blättern leben, obwohl diese Nahrung für einen Flieger im Grunde nicht besonders geeignet ist.
Blätter enthalten im Verhältnis zu ihrem Gewicht relativ wenig Nährstoffe, weshalb ja blattfressende Säugetiere ein ausgeklügeltes Verdauungssystem besitzen um die Nährstoffe darin möglichst gut herauszuholen.
Vögel, die ganz auf Leichtigkeit angelegt sind, können sich jedoch keine grossen Mägen leisten, in denen die Nahrung einer besonders langen und gründlichen Behandlung mit Verdauungssäften unterzogen wird, sie können sie mit ihren Schnäbeln ja nicht einmal kauen – geschweige denn wiederkäuen.

Gänse lösen das Problem, indem sie einfach fast ununterbrochen fressen – und zwar das, was am leichtesten und schnellsten seine Nährstoffe hergibt – die zarten Spitzen von Grashalmen.
Eine Gans kann in einer Minute die Spitzen von hundert Grashalmen abweiden – und so schnell wie sie frisst und verdaut, scheidet sie die Reste auch wieder aus.

Der Hoatzin, dessen Küken ich im ersten Beitrag schon erwähnt habe, versucht die Nährstoffe seiner Blattnahrung besser auszunutzen.






Den Vormittag verbringt er damit, seinen grossen, muskulösen Kropf bis beinahe zum Bersten mit Blättern zu füllen. Dann quält er sich in die Luft und schleppt sich zu seinem Ansitz, auf dem er sich niederlässt – mit der aufgeblähten Brust zwischen den Füssen. Während nun Bakterien in seinem Kropf die Blätter fermentieren, quetschen und walken dessen muskulöse Wände die Masse durch, bis die Blätter nur noch ein fettiger, stinkender Brei sind.
Achtundvierzig Stunden später gibt er die Überreste der Mahlzeit von sich, die – sehr ungewöhnlich für Vogelkot – nach Kuhfladen riechen.
Einer der einheimischen Namen des Hoatzins bedeutet übrigens „Stinkvogel“. Wink

Alle Vögel die Samen, Saft oder Blätter von Pflanzen fressen, fügen ihnen damit einen gewissen Schaden zu. Es gibt aber auch Nutzverhältnisse zwischen Pflanzen und Vögeln.
So ist das Nektarschlürfen in den Tropen, wo die Pflanzen das ganze Jahr über blühen besonders beliebt.
Die Pflanzen locken die Nektarvögel und Kolibris mit süssem und nahrhaften Nektar an, den sie tief in ihren Blütenkelchen verbergen, so dass die Vögel unwillkürlich auch etwas Pollen abbekommen.
Sie übernehmen damit für die Pflanzen die Funktion, welche bei uns die Bienen erfüllen.

Eine andere Dienstleistung, welche Vögel für Pflanzen übernehmen, ist das Verbreiten von Samen.
Der südamerikanische Quetzal und der Avocadobaum stehen in einem für beide Seiten vorteilhaften "Arbeitsverhältnis".




Der Avocadobaum präsentiert seine nahrhaften Früchte an dünnen Stengeln. Der Quetzal erreicht sie nur, indem er sie im Flug mit weitaufgerissenem Schnabel schnappt und mit seinem Gewicht abreisst. Die Früchte sind so gross, dass er sie gerade noch mit knapper Not als ganzes schlucken kann. In seinem Kropf wird dann das Fruchtfleisch abgelöst und vorverdaut – den grossen, harten Stein würgt der Quetzal nach einer Weile wieder aus – er ist viel zu schwer um ihn lange mit sich herumzuschleppen.

Andere Pflanzen bieten Früchte mit kleineren Samen an, die nach dem Verzehr unversehrt über den Kot der Vögel ausgeschieden werden.

Pflanzliche Nahrung ist natürlich nicht nur bei Vögeln beliebt, sondern bei vielen anderen Tieren auch. Keine Pflanze bleibt von Insekten verschont, die an ihr fressen, saugen, nagen und bohren.
Und all diese Insekten dienen ihrerseits den Vögeln als Nahrung.

Mehr über Insektenfresser gibt’s dann im nächsten Teil.


Liebe Grüsse
Esther








Insekten kommen überall vor. Am Boden zwischen dem Laub, wo sie zB der Zaunkönig aufpickt, oder an Bäumen, wo sie zur Beute für den Waldbaumläufer werden.



Er beginnt seine Suche nach Ohrenkneifern, Schaben, Fliegen, Käfern, Raupen und Larven, die auf und unter Baumrinde leben, systematisch unten am Stamm, stochert mit seinem feinen, gebogenen Schnabel in und unter der Rinde und klettert dabei in einer Spirale um den Stamm herum aufwärts – seine Beine sind dabei meist weit gespreizt und mit den steifen, spitzen Federn seines Schwanzes stützt er sich gegen die Borke ab.

Die Spechte jagen unter der Borke und selbst im darunterliegenden Holz nach Insekten, welche die Baumläufer nicht erreichen können.
Ihr Werkzeug ist nicht die Pinzette, sondern der Meissel. Der Schlag eines Spechtschnabels trifft mit 40 km/h auf das Holz – mit solcher Wucht, dass die beiden Schnabelhälften auseinandergerissen würden, wenn sie nicht ein spezieller Verschluss während des Schlages zusammenhielte.
Die Erschütterung durch den Schlag würde ungedämpft zu sofortiger Bewusstlosigkeit führen, damit dies nicht geschieht, liegt das Gehirn des Spechtes deutlich oberhalb des Schnabels. Ausserdem gibt es Muskeln an der Schnabelbasis, die als Stossdämpfer fungieren.
Hat der Specht den Bohrgang eines Insekts freigelegt, zieht er es mit seiner klebrigen, behaarten Zunge heraus. Diese Zunge ist bis viermal so lang wie der Schnabel. In Ruhestellung steckt sie in einer Scheide, die sich vom Rachen aus den Hinterkopf hoch bis vorne in die Stirn erstreckt.




Auf den Galapagosinseln gibt es keine Spechte, aber ebenfalls Insektenlarven, die sich durch das Holz der Bäume fressen.
Die Finken lassen diese Futterquelle nicht ungenutzt oder warten darauf, bis ihnen die Evolution einen Meisselschnabel beschert – deshalb improvisieren sie.
Der Specht- oder Stocherfink bohrt mit einem Schnabel, der kaum spitzer oder kräftiger ist als der eines gewöhnlichen Haussperlings, ein Loch ins Holz, wenn er hört, dass darin eine nagende Käferlarve zugange ist. Danach sucht er einen Kaktusstachel und stochert damit im Loch herum, bis er die Larve aufgespiesst und aus ihrem Gang herausgezogen hat.





Doch der Stocherfink ist nicht der einzige Werkzeugmacher unter den Vögeln.
Auch eine Krähenart aus Neukaledonien beherrscht diese Kunst und stellt für ihren Bedarf sogar drei verschiedene Werkzeuge her.






Das einfachste ist ein vielleicht zehn Zentimeter langer, spitzer Blattstiel, mit dem sie ähnlich wie der Stocherfink nach Larven stochert.
Das zweite ist eine Art Haken – ebenfalls um Maden damit zu angeln – der Vogel sucht sich dafür einen Ast mit gebogenem Ende, entfernt die Rinde und vergrössert dann die Krümmung am Ende des Hakens mit seinem Schnabel.
Das dritte Werkzeug ist eine Harpune, die er aus den langen, steifen Blättern des Schraubenbaumes fertigt. Diese Blätter haben am Rand eine Reihe zum Blattstiel weisender Dornen. Die Krähe reisst davon einen Randstreifen ab, hält ihn so im Schnabel, dass die Dornen nach hinten zeigen und stösst damit nach Maden, so dass sich die Dornen als Widerhaken in die weiche Haut der Maden bohren.

Fliegende Insekten werden von Schwalben und Mauerseglern in der Luft gejagt, wobei Schwalben jedes einzelne verfolgen, während Mauersegler einfach mit weitaufgerissenem Rachen durch Schwärme kleiner Mücken und Moskitos fliegen.

Aber völlig wehrlos sind die Insekten nicht. Einige verfügen über Stachel, andere sind giftig.
Doch auch hier gibt es Vögel, die damit klarkommen und gerade solche wehrhaften Insekten bevorzugen, da sie durch diese Spezialisierung weniger Nahrungskonkurrenten haben.
Der afrikanische Bienenfresser ist ein solcher Spezialist und jagt mit Vorliebe Bienen, Wespen und Hornissen. Er packt sie im Flug mit seinem langen, schlanken Schnabel, wobei er darauf achtet, das Insekt quer um die Mitte zu fassen. Dann bringt er es zu seinem Ansitz, wo er es tötet, indem er es gegen einen Ast schlägt. Danach reibt er das Hinterteil des Insekts so lange über den Ast, bis sein Stachel entfernt und sein Gift ganz ausgedrückt ist. Jetzt kann er es gefahrlos hinunterschlucken.

Der Louisianawürger, ein Vetter des europäischen Raubwürgers, wird mit einer sehr giftigen nordamerikanischen Heuschrecke fertig. Er fängt die Heuschrecke und spiesst sie an den Dornen seines Vorratsbaumes auf. Er frisst sie frühestens einen Tag später – bis dahin hat sich das Gift der toten Heuschrecke zersetzt und seine Wirksamkeit eingebüsst.






Manche Insektenfresser werden von anderen Tieren bei ihrer Jagd unterstützt.
Nachtschwalben folgen gerne Ziegen und Rinderherden, sie fangen Käfer und Nachtfalter, welche durch die Wiederkäuer aufgescheucht werden.
Früher war die Landbevölkerung davon überzeugt, die Schwalben hätten es auf die Milch der Tiere abgesehen, weshalb sie ihnen den völlig irreführenden Namen Ziegenmelker gaben.

Die Kuhreiher in Afrika folgen grasenden Antilopen, Elefanten oder Nashörnern und sammeln die von ihren Füssen freigelegten Insekten, die sonst im Gras und unter der Erde verborgen für sie unerreichbar sind.





Eine noch engere Beziehung zu ihren tierischen Partnern gehen die Madenhacker ein. Sie finden ihre Nahrung auf und unter der Haut grosser Wildtiere wie Antilopen, Büffel, Giraffen und Nashörner. Sie befreien sie von Zecken, Läusen und Maden. Die Tiere können diese Parasiten unmöglich selbst loswerden, deshalb lassen sie die Madenhacker gewähren.
Allerdings zeigen neuere Studien, dass sich die Vögel keineswegs darauf beschränken, die Parasiten zu fressen. Sie mögen auch das Blut ihrer Wirtstiere, das sie einerseits indirekt über die damit vollgesogenen Zecken bekommen, aber auch direkt, indem sie die Wunden ihrer Wirte immer wieder aufpicken um das Blut aufzulecken.
Damit machen sie im Grunde ihre Dienstleistung wieder zunichte – da das Infektionsrisiko für die Tiere dadurch steigt.





Doch Fleisch und Blut von Säugetieren ist eben die wertvollste Nahrung, die ein Vogel zu sich nehmen kann.
Und über die Fleischfresser berichte ich euch dann im nächsten Teil.

Liebe Grüsse
Esther
« Letzte Änderung: 20. August 2010, 10:36:00 von powerjulchen » Gespeichert
powerjulchen
Gast
« Antworten #2 am: 19. August 2010, 10:26:39 »

Hier nun also der versprochene Text zu den Greifvögeln:

Fleisch ist eine sehr viel gehaltvollere Nahrung als Pflanzen oder Insekten.
Deshalb muss ein fleischfressender Vogel auch viel weniger Zeit für seine Nahrungsaufnahme aufwenden. Andererseits kann für ihn der Nahrungserwerb zu einem grossen Problem werden, denn kein lebendes Tier gibt sein Fleisch so bereitwillig her, wie zB eine Pflanze ihre Früchte.

Ein Raubvogel muss also sehr gut ausgestattet sein für seine Jagd und über erfolgversprechende Jagdtechniken verfügen.
Wichtig für Greifvögel sind gute Sinnesorgane – in erster Linie die Augen, aber auch ein gutes Hörvermögen ist wichtig, besonders für Eulen.

Eulen haben ein überaus empfindliches Gehör, obwohl sein Frequenzumfang nicht grösser als der des Menschen ist. Ihre Ohröffnungen sind im Gegensatz zu den meisten anderen Vögel nicht rund, sondern schlitzförmig und fast so lang, wie der ganze Kopf hoch ist.
Zudem sind sie nicht symmetrisch angeordnet, die rechte Ohröffnung liegt bei allen Eulen ein wenig höher. Bewegliche Ohrläppchen vor und hinter der Ohröffnung sind mit kurzen, harten Federn ausgestattet und unterstützen die Geräuschortung. Ebenfalls die Geräuschortung unterstützend ist der im Vergleich zu anderen Vogelarten breitere Schädel. Ein seitliches Geräusch wird dadurch von einem Ohr den Bruchteil einer Sekunde früher wahrgenommen.
Auf diese Weise kann die Eule ein Geräusch mit sehr grosser Genauigkeit orten, auch ohne zu sehen.

Wenn der Bartkauz das Geräusch einer nagenden Wühlmaus hört, lässt er sich elegant von seiner Sitzwarte gleiten. Sein Flug ist praktisch geräuschlos, da die Vorderkanten seiner Handschwingen kammartig ausgefranst sind, so dass sie kein Sausen in der Luft verursachen.
Während seines Anfluges vernimmt er ständig die Fressgeräusche der Maus, hat er sie genau unter sich geortet, rüttelt er kurz und stösst dann auf sie herab – das funktioniert sogar wenn die Maus unter Laub oder Schnee verborgen ist.




Einige wenige Mäuse pro Nacht genügen dem Bartkauz um satt zu werden, den Rest der Nacht und den ganzen darauffolgenden Tag kann er unbeweglich auf seinem Ansitz verbringen.

Natürlich verfügen Eulen auch über hervorragende Augen – wie alle Greifvögel. Im Gegensatz zu Tageslichtjägern nehmen sie aber ihre Umwelt hauptsächlich einfarbig wahr, dafür können sie jedoch Bewegungen auch bei geringster Beleuchtung noch wahrnehmen.

Tageslichtjäger wie Adler, Falken oder Bussarde verfügen über eine ausgezeichnete Sehschärfe.
Menschen mit sehr guten Augen können vielleicht noch aus hundert Metern Entfernung erkennen, wenn ein Kaninchen mit dem Ohr wackelt, ein Mäusebussard sieht das aus drei Kilometer Entfernung.
Turmfalken sehen neben dem normalen Farbenspektrum auch noch ultraviolettes Licht, was sehr nützlich ist, da der Urin von Wühlmäusen, den diese überall verspritzen um ihr Revier zu markieren, ultraviolettes Licht reflektiert. So findet der in der Luft rüttelnde Vogel heraus, wo es sich lohnt nach verräterischen Bewegungen Ausschau zu halten.

Die Jagdwaffen der Beutegreifer sind einfach und tödlich.
Während die Allesfresser unter den Vögeln tierische Beute mit Schnabelhieben töten, erledigen die spezialisierten Jäger das mit ihren Krallen. Diese sind lang, scharf und so stark gekrümmt, dass es aus ihrem Griff kein Entkommen gibt.

Jeder Jäger setzt seine Waffen anders ein. Ein Steinadler, der auf Kaninchen aus ist, wird kaum Erfolg haben, wenn er aus grosser Höhe direkt auf sein Opfer stösst. Das Kaninchen wird ihn herankommen sehen und sich in seinen Bau in Sicherheit bringen. Also beginnt er es anders:
Wenn er aus grosser Höhe das Kaninchen erspäht hat, entfernt er sich und verliert dabei langsam an Höhe. Dann fliegt er zurück, dicht über dem Boden und erscheint wie aus dem Nichts über dem Kaninchen, für das es jetzt keine Rettung mehr gibt.
Der Wanderfalke dagegen schlägt Vögel in der Luft. Er ist dabei so schnell, dass das menschliche Auge ihm dabei nicht mehr folgen kann. Erst im Zeitlupenfilm sehen wir, wie er dabei vorgeht:
Der seine Beute verfolgende Wanderfalke stösst im Sturzflug auf sie herab, bremst im allerletzten Augenblick leicht abwobei er einen Sekundenbruchteil vor dem Aufprall seine Beine und Klauen nach vorne bringt. Er reisst mit dem Krallen seinem Opfer von hinten nach vorn bis zum Nacken den Rücken auf, bricht ihm vielleicht dabei sogar das Rückgrat, so dass es hilflos zu Boden fällt.
Der Wanderfalke muss dann seine Beute nur noch aufsammeln.





Wanderfalke mit geschlagener Taube


Manche Greifvögel haben sich auf besonders gefährliche Beutetiere spezialisiert.
Der europäische Schlangenadler bevorzugt Schlangen.





Er nimmt den Kampf mit ausgebreiteten Flügeln auf, die er auf ähnliche Weise einsetzt wie ein Stierkämpfer sein Cape – um nämlich den Gegner darüber zu täuschen, wo sich sein Rumpf und Kopf wirklich befindet und von wo er vielleicht einen Angriff zu erwarten hat. Die Schlange attackiert immer wieder das, was sie sieht, während der Vogel vor ihr herumtänzelt, erwischt dabei aber immer nur Federn und verschwendet damit ihr Gift wirkungslos.
Dann stösst der Adler blitzartig mit den Krallen zu und trennt der Schlange mit einem einzigen Schnabelbiss das Rückgrat gleich hinter dem Kopf durch.

Zwei andere Vögel haben ihre Fertigkeit bei der Schlangenjagd so vervollkommnet, dass sie das Fliegen grösstenteils aufgegeben haben.
Der Seriema, ein südamerikanischer Verwandter der Kraniche, ergreift die Schlange mit dem Schnabel am Schwanz und tötet sie, indem er ihren Kopf mehrfach auf den Boden schlägt.
Der afrikanische Sekretär, der alle möglichen am Boden lebende Tiere frisst, angefangen von Insekten bis hin zu Ratten, tötet seine Opfer, indem er auf ihnen herumtrampelt.






Sekretär

Aber nicht alle Fleischfresser töten ihre Beute selber. Sie können auch zum Ziel kommen, wenn sie am Tisch der Jäger warten.

Mehr über Aasfresser im nächsten Teil.


Hier nun gibts die nächste Portion Lesefutter:

Es gibt verschiedene Vogelarten unter den Fleischfressern, welche Aas nicht verschmähen, wenn sie es finden. In Afrika warten die Marabus darauf, dass die Löwen ihre Mahlzeit beenden und sie sich ein paar Fleischstücke schnappen können.




In der Antarktis flitzen Seisenschnäbel durch die Pinguinkolonien und halten nach verendeten Küken oder dem Eigelb eines zerbrochenen Eis Ausschau.





Auf den Falklandinseln, wo die Versorgung mit anderer Nahrung oft sehr knapp ist, reissen sogar die Spitzschwanzenten Fleischstücke aus den Kadavern am Strand gefundener Robben.

Die Experten unter den Aasfressern sind aber die Geier.
Aufgrund gleicher Lebensweise haben die Geier Afrikas und Südamerikas viele Ähnlichkeiten miteinander entwickelt, obwohl sie nicht miteinander verwandt sind.
Die afrikanischen Geier, die Altweltgeier, sind spezialisierte Verwandte der Habichte und Adler. Die Neuweltgeier Südamerikas dagegen sind Störchen näher verwandt.
Doch beide Arten besitzen breite Schwingen mit denen sie die warmen Aufwinde ihres Lebensraumes gut ausnützen können und kahle Köpfe – Federn am Kopf würden zu schnell verschmutzen und zu einer üblen Infektionsquelle werden.

Der amerikanische Truthahngeier erscheint oft wie herbeigezaubert, wenn irgendwo Aas oder Fleischreste herumliegen. Wie entdeckt er solche Nahrungsquellen? Sieht er sie oder riecht er sie?




Zu dieser Frage entbrannte im 19. Jahrhundert eine seltsame Fehde.
1825 veröffentlichte Charles Waterton eine Zusammenfassung seiner Beobachtungen in den Wäldern von Guyana. Er schrieb darin, die Truthahngeier würden vom Geruch des Aases herbeigelockt.
Dem widersprach jedoch Jean-Jacques Audubon, ein anderer Naturkundler – er bestritt „die allgemein geläufige Auffassung vom ausserordentlich leistungsfähigen Geruchssinn dieses Vogels“ in einem Vortrag.
Waterton nahm die Herausforderung an und veröffentlichte einen Brief, worin er Audubons Argumente als „in fast jedem einzelnen Punkt jämmerlich falsch“ bezeichnete.

Beide Parteien erhielten reichlich Zulauf. In Amerika gaben Professoren und Dozenten eine gemeinsame Ehrenerklärung für Audubon heraus. Einer seiner Anhänger führte ein Experiment in seinem Garten durch: Er präsentierte einem Geier das Bild eines Schafkadavers und eine Karre voller Fleischabfälle. Der Vogel ging auf das Bild los und ignorierte das Fleisch und bewies damit, dass er sich von seinem Gesichts- und nicht von seinem Geruchssinn leiten liess.
Waterton erklärte derweil, dass man Audubon für seine „grotesken Übertreibungen und Irrtümer in der Ornithologie“ am besten auspeitschen lassen sollte.
Unglaublicherweise wurde die Kontroverse bis über das Ende des Jahrhunderts fortgesetzt – aus heutiger Sicht entstand sie jedoch aus der Tatsache, dass man nicht auf die Idee gekommen war, dass so nahe Verwandte wie Truthahn- und Rabengeier über unterschiedlich empfindliche Sinnesorgane verfügen könnten.

Während sich die Theoretiker stritten, kamen die Praktiker zu ihren eigenen Schlussfolgerungen.
In den 1930er Jahren bereitete es einigen Technikern in Kalifornien Kopfzerbrechen, wie sie Lecks in Gasleitungen finden sollten, die durch unwegsames Gelände führten.
Irgendwer behauptete, Truthahngeier würden durch Mercaptan angezogen, welches dem ansonsten geruchlosen Gas wegen seines stechenden Geruchs zugefügt wurde.
Darauf setzte man dem Gas, das durch die problematische Leitung geführt wurde deutlich mehr Mercaptan zu, und siehe da, ganze Scharen von Geiern versammelten sich an den Stellen, wo es Lecks in den Leitungen gab und zeigten den Ingenieuren genau, wo Reparaturen nötig waren.

Dessen ungeachtet stellt der Truthahngeier unter den Geiern damit eine Ausnahme dar, tatsächlich scheint der sehr ähnliche Rabengeier über keinerlei Geruchssinn zu verfügen.
Infolgedessen erscheinen immer zuerst die Truthahngeier beim Aas und fressen so schnell sie können – die kurz darauf erscheinenden Rabengeier werden in erster Linie durch die Aktivität der Truthahngeier angelockt. Sie sind so aggressiv, dass sie die Truthahngeier verdrängen können.

Überhaupt besteht unter den verschiedenen Geierarten eine Art Rangfolge, auch bei den Altweltgeiern Afrikas. Sperber und Weissrückengeier finden sich normalerweise als erste an einem Kadaver ein. Der grösste der afrikanischen Geier, der Ohrengeier, erscheint gewöhnlich nicht, bevor die Mahlzeit begonnen hat, aber er ist so gross und kräftig, dass die anderen Arten ihm weichen müssen. Er stolziert mit übertrieben grossen Schritten in die Runde und stellt seine Kraft und Angriffslust zur Schau.





Die Kappen- und die Schmutzgeier als die kleinsten in der Runde warten am Rande, bis sich die grösseren Vögel sattgefressen haben und sorgen am Ende dafür, dass nichts mehr übrig bleibt.

Der Bartgeier frisst lieber Knochen als Fleisch, vor allem die langen Röhrenknochen, die das sehr nährstoffreiche Mark enthalten.
Allerdings verfügt er über kein Werkzeug zum Aufbrechen dieser Knochen, dazu wären kräftige Kiefer nötig, wie sie etwa Hyänen, die ebenfalls Knochen bevorzugen, besitzen.
Er löst dieses Problem indem er mit einem Knochen über nacktem Fels in die Höhe steigt und ihn dann fallen lässt, und zwar so lange, bis der Knochen genau richtig aufschlägt und zerbricht.
Dann nimmt er die einzelnen Teile auf und lässt sie wie ein Schwertschlucker in seinem Schlund verschwinden. Die besonders scharfen Verdauungssäfte des Magens lösen das untere Ende des Knochenstückes schon auf, während das obere vielleicht noch aus dem Schnabel herausragt.
Für den Verzehr und die Verdauung der Wirbelsäule eines Rindes braucht der Bartgeier zwei Tage.





Vögel haben sich fast jede denkbare Nahrungsquelle erschlossen. An Land – aber auch im Wasser.
Und über die Fischliebhaber unter den Vögeln werde ich euch dann im nächsten Teil berichten.


Nun hier endlich der längst fällige Beitrag zu den Fischliebhabern:

Der grösste Teil der Erdoberfläche wird von Gewässern bedeckt, die teilweise nahrungsreicher sind als vergleichbar grosse Landflächen. Es überrascht deshalb nicht, dass auch Tiere, die sich an Land entwickelt haben, ihre Nahrung im Wasser suchen.
Die grösste Gruppe dieser Tiere stellen die Vögel.

Der Eisvogel sitzt auf einem Zweig über einem Bach mit klarem Wasser. Sobald er einen kleinen Fisch erspäht, steigt er von seinem Ansitz aus in die Höhe, stürzt sich dann mit einigen schnellen Flügelschlägen hinab und taucht Kopf voran mit angezogenen Flügeln ins Wasser. Bis zu einem Meter tief kann der kleine Vogel tauchen um sich mit seinem dolchartigen Schnabel das Fischchen zu schnappen. Dann beginnt er schon unter Wasser mit den Flügeln zu schlagen und bricht pfeilschnell wieder durch die Wasseroberfläche und fliegt zurück zu seinem Ansitz, wo er den Fisch tötet, indem er ihn ein paarmal kräftig gegen einen Ast schlägt und ihn dann hinunterschlingt.
Das ganze dauert nur wenige Sekunden.




Reiher fischen in der Uferzone. Dabei bewegen sie sich ausserordentlich vorsichtig. Sobald sie im Wasser die kleinste Bewegung wahrnehmen, die auf einen Fisch hinweist, erstarren sie zu völliger Bewegungslosigkeit und warten, bis der Fisch in ihre Reichweite schwimmt um dann blitzschnell nach ihm zu schnappen.
Der kleine, in Afrika beheimatete Glockenreiher breitet seine Flügel wie einen Schirm rings um seinen Kopf aus und steht so minutenlang da um auf Beute zu lauern.




Für sein Verhalten gibt es mehrere Erklärungen. Vielleicht schattet er seinen Augen vor der Sonne ab, vielleicht geht es darum, störende Reflexionen von der Wasseroberfläche auszuschliessen.
Möglicherweise hat die Sache aber auch nichts mit seiner Sicht zu tun sondern damit, dass Fische gerne beschattete Teile eines Gewässers aufsuchen und der Vogel versucht, sie in seinen Schattenkreis zu locken.

Jedenfalls sind Reiher sehr erfinderische Fischer.
In Japan haben Mangrovenreiher, welche dort auch in Parks gehalten werden, beobachtet wie Zierfische von Menschen gefüttert werden. Sie begannen daraufhin Nahrungsbrocken, die sie fanden aufzupicken. Jedoch nicht um sie selber zu fressen, sondern sie lassen sie ins Wasser fallen um sich den dadurch angelockten Fisch zu schnappen.
Der Seidenreiher braucht nichteinmal Nahrung als Köder. Er stellt sich auf einem Bein ins flache Wasser und lässt den anderen Fuss auf der Wasseroberfläche zittern um so neugierige Fische anzulocken.

Auch der in Afrika und Nordamerika lebende Scherenschnabel profitiert von der Neugier der Fische. Er beitzt einen sehr merkwürdigen Schnabel – sein Unterschnabel ist nämlich fast doppelt so lang wie sein Oberschnabel. Zum Fischfang fliegt er mit geöffnetem Schnabel dicht über der Wasseroberfläche, so dass der verlängerte Unterschnabel eine Furche durchs Wasser zieht.
Mit etwas Glück stösst er so auf einen Fisch, der sich dicht unter der Wasseroberfläche aufhält, jedoch kommt das recht selten vor. Aber am Ende der Strecke macht er kehrt und fliegt den gleichen Weg zurück, ebenfalls mit geöffnetem Schnabel. Die Wellen, die er beim Hinflug verursacht hat, haben inzwischen neugierige Fische angelockt – deshalb ist sein Rückflug dann meistens erfolgreicher.





Andere Vögel, wie zB die Wasseramsel oder der Schlangenhalsvogel tauchen zum Fischen ganz unter Wasser.
Die Wasseramsel hat ein besonders dichtes, pelzdaunenreiches Gefieder, das sie gut vom Wärmeverlust unter Wasser schützt. Der Nachteil dieser Wärmeisolierung mittels Luftpolster ist jedoch deren Auftrieb, weshalb die Wasseramsel stets in schnell fliessenden Gewässern taucht, wo sie sich von der Strömung nach unten drücken lassen kann.





Der Schlangenhalsvogel, der in wärmeren Zonen lebt, verzichtet ganz auf eine solche Isolierung – er wird beim Tauchen zwar sofort nass bis auf die Haut, doch der geringe Auftrieb macht sich für ihn bezahlt. Er kann problemlos bis zum Grund eines Sees tauchen und dort, ähnlich wie die Reiher, beinahe bewegungslos auf Fische lauern. Nach dem Tauchgang setzt er sich dann einfach an die Sonne und lässt sein Gefieder mit ausgestreckten Flügeln trocknen.





Ein reichhaltiges Nahrungsangebot bieten die Watt und Schlickflächen der Meere, welche im Rhythmus des Gezeitenwechsels überspült und wieder freigelegt werden.
Bei Ebbe finden unzählige Vogelarten hier Würmer, Schnecken, Krebse und Muscheln.

Die Austernfischer suchen nach Würmern und Muscheln. Um Würmer zu jagen braucht es vor allem Schnelligkeit – den Wurm u erwischen, bevor er den Kopf in sein Loch zurückzieht ist gar nicht so einfach.
Gemütlicher kann man da die Muschelsuche angehen – allerdings muss man lernen, die Muscheln zu öffnen um an ihr Fleisch zu kommen. Erwachsene Austernfischer geben dieses Wissen an ihre Jungen weiter und helfen ihnen bis zu einem Jahr lang geduldig bei der Nahrungssuche.




Noch reichhaltiger an Nahrung als die Gezeitenzonen ist das unmittelbar daran angrenzende tiefere Wasser. Durch die von den Flüssen eingetragenen Nährstoffe gibt es hier Unmengen von im Wasser schwebenden Algen, von denen sich kleine Fische ernähren, die wiederum auf dem Speiseplan grösserer Fische stehen.

Die Tölpel wenden die gleiche Jagdtechnik wie die Eisvögel an – kopfüber stürzen sie sich von oben ins Wasser – wobei ihnen die Angewohnheit der Fische, grosse Schwärme zu bilden zugute kommt. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 100km/h treffen die Vögel auf die Wasseroberfläche und tauchen mehrere Meter tief nach unten, mitten hinein in einen Fischschwarm. Die Fische schnappen sie sich dann erst auf dem Weg nach oben und schlucken sie normalerweise noch unter Wasser hinunter.





Auch Pelikane stürzen sich aus der Luft ins Wasser. Da sie grösser als die Tölpel sind und dadurch mehr Auftrieb haben, können sie jedoch nur etwa einen Meter tief tauchen. Doch dafür ist die Jagd dank ihres Kehlsacks auch besonders effektiv.





All diese Vögel sind im Grunde keine besonders guten Schwimmer. Der Kompromiss zwischen Flug und Tauchfähigkeit ist schwierig, je besser die Anpassung an eine Fortbewegung unter Wasser – wie zB bei den Trottellummen, Papageientauchern und Tordalken – desto mühsamerwird für sie dadurch das Fliegen.
Denn diese Vögel treiben sich unter Wasser nicht alleine durch die Schwimmfüsse an, sondern mit Hilfe ihrer Flügel und erreichen dadurch beachtliche Tiefen. Doch wegen der grösseren Dichte des Wassers müssen ihre Flügel kürzer und gedrungener sein, was in der Luft jedoch ein grosser Nachteil ist, da sie enorm schnell geschlagen werden müssen, um für den nötigen Auftrieb zu sorgen.

Die Pinguine – die besten Taucher unter den Vögeln – haben deshalb ihre Flugfähigkeit ganz aufgegeben und sich auf ein Leben unter Wasser spezialisiert.
Da sie nicht mehr fliegen müssen, können sie sich auch eine wärmeisolierende Fettschicht leisten, zudem haben sie keine hohlen Knochen wie alle übrigen Vögel und dadurch auch weniger Auftrieb.
Die grösste Pinguinart, der Kaiserpinguin, kann bis zu 15 Minuten tauchen und Tiefen von 500 Metern erreichen.

So, ihr lieben, interessierten Förmchen – bevor ich mich nach diesem ohnehin schon viel zu langen Beitrag jetzt noch in schwärmerischen Schilderungen über die überaus faszinierenden Pinguine und ihre Lebensweise verliere, möchte ich nun hier das grosse Kapitel der verschiedenen Ernährungsweise der Vögel abschliessen.

Im nächsten Beitrag werde ich euch dann etwas über die Vogelkommunikation berichten.


Kaum ein anderes Tier – ausser uns selber – benutzt seine Stimme mit solcher Ausdruckskraft wie die Vögel. Bei uns werden die Stimmlaute im Kehlkopf erzeugt. Die Vögel besitzen ebenfalls einen Kehlkopf am oberen Ende der Luftröhre, er dient jedoch nicht der Lautbildung, sondern nur als Verschluss der Luftröhre gegen Nahrung und Wasser. Die Lautbildung erfolgt in einem zweiten, dem so genannten unteren Kehlkopf oder Stimmkopf (Syrinx), der am Ende der Luftröhre an der Verzweigung der beiden Bronchien liegt. Dieses Organ besitzen nur die Vögel.

Aber wie funktioniert die Lautbildung durch den Stimmkopf?
Beide Bronchien sind unabhängig voneinander durch den Stimmkopf verschliessbar – die Verschlüsse bestehen aus den so genannten Paukenhäuten und einer Stimmlippe. Sie können, ebenfalls unabhängig voneinander, in Tonschwingungen versetzt werden. Die Höhe des Tones wird dabei wahrscheinlich durch unterschiedliche Muskelspannung des Verschlusses bestimmt.
Die Länge der Luftröhre spielt für die Tonqualität eine grosse Rolle. Lange Luftröhren sind besonders für tiefe Töne gut geeignet. Die Luftröhren der Kraniche mit ihren posaunenähnlichen Rufen ringeln sich in Schleifen am Kiel des Brustbeines entlang.
Einige Vögel können ihre Luftröhre willkürlich verkürzen. Die Luftröhre besteht aus von Muskeln verbundenen Knorpelringen, die mehr oder weniger eng zusammengezogen werden können.
Die Luftröhren der Pinguine sind längs zweigeteilt, so dass der Brillenpinguin wenn er schreit, zwei unterschiedliche Töne zugleich hervorbringt.

Durch die unabhängige Verschliessbarkeit der beiden Bronchien kann ein Vogel minutenlang ohne Unterbruch singen – die Luft aus der einen Bronchie kann er zur Stimmerzeugung benutzen, die der anderen zum Atmen.
Er kann aber auch die tiefen Töne auf der einen Seite erzeugen und dann für die hohen zur anderen wechseln – oder sogar beide separat erzeugten Laute vermischen – auf diese Weise können manche Papageien menschliche Stimmen sehr genau imitieren.

Die Vögel kommunizieren jedoch nicht nur mit Hilfe akustischer, sondern auch optischer Signale.
Dabei spielen die Farben ihres Gefieders natürlich eine grosse Rolle, aber auch die Möglichkeit, die Federn aufzurichten oder aufzufächern und dadurch eine Botschaft zu übermitteln oder, sollte das zu gefährlich sein, jedes Signal zu vermeiden und sich zu verbergen.
Da die Vögel ihr Gefieder regelmässig erneuern, kann es je nach Lebensabschnitt oder Jahreszeit auch ganz unterschiedliche Botschaften übermitteln.

Die Vögel kommunizieren sowohl akustisch als auch optisch mit ihren Partnern, mit ihnen bekannten und unbekannten Artgenossen, mit Vögeln anderer Spezies und selbst mit völlig andersartigen Tieren.
Die Kommunikation mit einem andersartigen Lebewesen, das die Welt auf eine ganz andere Weise wahrnimmt als man selber, muss ein gewaltiges Problem sein – dennoch gibt es Vögel, welche diese Art der Kommunikation so gut beherrschen, dass sie sogar ihren Nahrungserwerb darauf gründen können, zB die Honiganzeiger.





Diese kleinen, entfernt mit den Spechten verwandten Vögel leben in Asien und in Afrika und sind Insektenfresser, haben aber auch eine grosse Vorliebe nicht sosehr für den Honig, als für die Larven und das Wachs der Bienen. Tatsächlich sind sie im ganzen Tierreich die einzigen, von denen bekannt ist, dass sie Wachs verdauen können.
Nun ist es nicht ganz einfach, an Wildbienennester heranzukommen – vor allem die afrikanischen Wildbienen bevorzugen geschützte Plätze, Löcher in Bäumen oder Felsspalten. Um sie zu erreichen braucht der Honiganzeiger Hilfe.
Diese Hilfe findet er im Honigdachs, einem Nomaden, der auf der Suche nach Nahrung weite Wanderungen unternimmt und eine besondere Leidenschaft für Honig und Bienenlarven hat.




Gelangt ein Honigdachs ins Revier eines Honiganzeigers, kommt dieser bald angeflogen, setzt sich auf einen Strauch und stösst einen speziellen, schnarrenden Ruf aus. Der Honigdachs antwortet mit Grunzlauten und läuft dem Honiganzeiger entgegen. Der Vogel fliegt auf und der Dachs folgt ihm. Ab und zu hält der Vogel inne, lässt wieder seinen Lockruf hören und fächert seinen Schwanz auf. Schliesslich flattert er in die Bäume und lässt einen anderen Ruf hören: Bienennest erreicht. Der Honigdachs sucht das Nest, findet es und macht sich daran, es freizulegen. Mit speziellen Drüsen unter seinem Schwanz scheidet der Dachs ein ein faulig riechendes Sekret aus, welches die Bienen in Scharen ihr Nest verlassen und das Weite suchen lässt, so dass der Honigdachs weitgehend unbelästigt das Nest plündern und sich mit den von Honig triefenden Waben davonmachen kann.
Darauf hat der Honiganzeiger gewartet – denn nun kann er sich in aller Ruhe über die Reste des zerstörten Nestes hermachen.
Der Nutzen dieser Arbeitsgemeinschaft für beide Partner ist offensichtlich – der Honiganzeiger kennt die Standorte der Bienennester in seinem Revier, der Dachs verfügt über die nötige Kraft und das Geschick, sie freizulegen. Doch die Vorraussetzung für diese Partnerschaft ist die Fähigkeit des Vogels, über die Artgrenze hinaus zu kommunizieren.

Allerdings treten andere Arten öfter als Feinde denn als Partner der Vögel auf und die Botschaften der Vögel an ihre Feinde sind meist einfach und direkt.
Die Sonnenralle benutzt zu ihrer Vermittlung optische Signale. Sie lebt in sumpfigen Gebieten der südamerikanischen Regenwälder und ist mit ihrem braunen, fein wellenförmig grau, weiss und oliv gebänderten Gefieder kaum zu entdecken.
Wird sie dennoch entdeckt, so spreizt sie unvermittelt ihre Flügel und ihren Schwanz auf und zeigt dem Störenfried eine Zeichnung, die wie ein riesiges Augenpaar aussieht.




Weicht er nicht, erhebt sich der Vogel und stolziert mit ausgebreiteten Schwingen auf ihn zu. Der Effekt ist so beängstigend und der Vogel zeigt ein solches Selbstvertrauen, dass man instinktiv glaubt, ein sehr gefährliches Wesen vor sich zu haben. Zweifellos genau die Botschaft, welche die Sonnenralle übermitteln möchte – auch wenn sie natürlich nichts als eine dicke, fette Lüge ist!

(Fortsetzung folgt)



Hier nun also der versprochene zweite Teil zum Thema Vogelkommunikation:

Ebenso wie die Sonnenralle geben auch die Nestlinge der Schleiereulen vor, viel gefährlicher zu sein, als sie in Wirklichkeit sind, indem sie, falls sie auf ihrem Nest entdeckt werden, die Flügel spreizen und ihr Gefieder aufplustern. Zusätzlich reissen sie den Schnabel auf und schütteln ihren Kopf – was ziemlich beeindruckend wirkt und einen Feind in der Regel das Weite suchen lässt.

Die überzeugendsten aller Vogellügen lauten jedoch nicht: „Hier bin ich, und ich bin gefährlich!“, sondern: „Ich bin nicht hier – ich bin etwas anderes.“
Sehr viele Vögel besitzen in ihrem Gefieder eine natürliche Tarnung. Eine Waldschnepfe, die inmitten abgestorbenen Farnes im Wald bewegungslos auf ihrem Bodennest sitzt, ist praktisch unsichtbar. Ebenso wie die Weissbauch-Nachtschwalbe, eine brasilianische Verwandte der Ziegenmelker, die den grössten Teil des Tages zusammengekauert am Boden im offenen Grasland verbringt. Ihre Tarnung beruht darauf, dass sie in dieser Haltung auf verblüffende Weise einem Kuhfladen ähnelt.
Die ebenfalls in Südamerika beheimateten Tagschläfer – mit bis zu einem halben Meter Länge die grössten Nachtschwalbenverwandten – helfen ihrer Tarnung durch langsame Bewegungen nach.
Tagsüber sitzt dieser Vogel auf einem abgestorbenen Baumstrunk, wobei sein feinmarmoriertes Gefieder die gleiche Farbe wie die Borke besitzt. Nähert man sich ihm, bewegt er sich langsam, um noch besser mit dem Baumstumpf zu verschmelzen. Ganz sachte senkt er den Schwanz und drückt ihn gegen die Borke des Stammes, ebenso langsam hebt er den Kopf, bis die Schnabelspitze nach oben zeigt und schliesst die Augen – so dass er tatsächlich als Teil der Baumstammes erscheint.





Auch die Kommunikation zwischen verschiedenen Vogelarten kann sich als notwendig erweisen.
Bei heckenbewohnenden Vögeln herrscht grösste Not, wenn ein Sperber erscheint. Der erste, der ihn erblickt, gibt Alarm. Ein kurzes „Siet“ - weich, hoch und vom Sperber schwer zu orten - bringt alle Vögel dazu, sich sofort im Blattwerk zu verstecken. Dieses „Siet“ ist je nach Art etwas unterschiedlich akzentuiert, wird aber von jeder anderen Art sofort verstanden.

Auf der Bodenschicht der Amazonas-Regenwaldes lebt ebenfalls eine solch gemischte Vogelgesellschaft, die am Boden nach Insekten jagt. Und auch hier werden alle durch solche „Siet“-Rufe gewarnt, falls ein Feind in der Nähe ist. Allerdings wurde dabei beobachtet, dass die Vögel dabei nicht immer bei der Wahrheit bleiben – mancher stösst einen Warnruf aus, wenn er ein besonders fettes Insekt erblickt hat, bloss um die anderen dazu zu bringen in Deckung zu gehen und sogleich die Beute für sich alleine zu sichern.

Die Wachholderdrosseln, gesellige Koloniebrüter, stossen nicht bloss Warnrufe aus, wenn sich ein Nesträuber, wie zB eine Elster nähert. Nach einem ersten Warnruf stimmen die anderen darin ein - so lassen sie die Elster ihren Unmut spüren. Zieht diese sich dann nicht zurück, wird ein regelrechter Schlachtgesang angestimmt, welcher die Truppen zusammenruft. Schliesslich erheben sich die Drosseln zeternd in die Luft, stossen auf die Elster hinab – und lassen dabei Kotbomben auf den Eindringling fallen. Viele dieser Geschosse sind so gut gezielt, dass sie die Elster tatsächlich treffen und in kürzester Zeit ihr Gefieder so stark verschmutzen, dass sie zu Boden trudelt und davonhüpfen muss um sich zu reinigen.

Jede Form von sozialem Leben unter Vögeln gleicher Art setzt den Austausch nicht nur von Alarm und Kriegsrufen, sondern auch eine Vielzahl anderer Botschaften voraus. Die wichtigste dabei ist wohl die Antwort auf die Frage: „Wer bist du?“
Gehört eine Zufallsbegegnung der gleichen Art an? Wenn nicht, ist sie ein Feind oder kann man sie ignorieren? Wenn ja, ist sie ein Konkurrent um die gleiche Mahlzeit, den gleichen Brutplatz, das gleiche Revier oder das gleiche Weibchen?
Die Vögel identifizieren sich gegenseitig aufgrund ihrer Gefiederfärbung, die bei jeder Art charakteristische Merkmale aufweist.






Doch neben diesen allgemeinen artspezifischen Merkmalen, etwa der roten Brust des Rotkehlchens oder den schwarzen Kopffedern der Mönchsgrasmücken – erkennen die Vögel auch die Ranghöhe ihres Gegenübers am Gefieder.
So tragen zB alle Männchen des Haussperlings ein schwarzes Lätzchen auf der Brust – es ist jedoch von Tier zu Tier unterschiedlich gross. Je höher der Rang, desto grösser das Lätzchen – und wenn zwei Männchen um den gleichen Futterhappen konkurrieren, so wird gewöhnlich das rangniedere Tier dem ranghöheren nachgeben – ohne seine Kraft erst in einem Kampf zu messen.

Optische Signale haben jedoch den grossen Nachteil, dass sie nur auf Sichtdistanz wirken, weshalb die meisten Vögel daneben auf akustische Signale setzen, die über sehr weite Distanzen zu vernehmen sind.
An anderer Stelle habe ich bereits beschrieben, dass Spechte Trommelsignale aussenden, wobei jede Art ihre eigenen Rhythmen und Frequenzen hat.
Der Ara-Kakadu in Australien benutzt gar einen Stock um zu trommeln.



Die afrikanische Baumklapperlerche klatscht ihre Flügel zusammen, während sie sich aus grosser Höhe bis auf fünf Meter über dem Boden herabfallen lässt. Der Leierschwanz-Honiganzeiger lässt im Sturzflug die Luft durch Schlitze in seinen Flügeln strömen, dass es nur so pfeift, die Berkassine „meckert“, indem sie sich mit aufgefächerten Schwanzfedern und extra abgespreizten äusseren Steuerfedern nach unten stürzt.

Doch die meisten Vögel verlassen sich bei ihren akustischen Signalen auf ihre Stimme.
Singvögel erkennen sich an ihren Liedern – streift ein Rotkehlchen singend durch sein Revier, erkennt es die Melodien seiner Nachbarn – hört es eine ihm unbekannte Melodie, lässt die auf einen neuen Konkurrenten schliessen und der eigene Gesang wird intensiviert – es entsteht eine Art Gesangsduell, in dem man die Kräfte des anderen abschätzt.

Das Stimmrepertoire eines einzelnen Vogels ist zum Teil ererbt, zum Teil von den Eltern erlernt. Dies hat man festgestellt, indem man Buchfinken in völliger Stille aufgezogen hat – sie brachten es als Erwachsene nur auf eine sehr vereinfachte, armselige Variante des typischen Buchfinkengesangs.
Singvögel entwickeln infolge dieses Lernens von ihren Eltern auch ihre ganz eigenen, regionalen „Dialekte“.

Könnt ihr euch einen Frühlingsmorgen vorstellen, an dem die Luft nicht von Vogelgesang erfüllt ist?
Doch weshalb singen sie gerade frühmorgens so intensiv – und alle gleichzeitig? Wäre es nicht effektiver, wenn die Sänger ihre Aktivitäten auf verschiedene Tageszeiten verteilten?
Vielleicht bietet sich die Morgendämmerung zum Gesang an, weil es dann im ersten Licht des Tages noch nicht hell genug ist, um auf Insektenjagd zu gehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Morgendämmerung meist relativ windstill ist, so dass die Lieder der Sänger nicht ungehört im Wind verwehen. Oder weil sich der Schall am frühen Morgen besonders weit ausbreitet. Die aufgehende Sonne erwärmt die Luft, bevor sie die Erde erreichen und erwärmen kann, so dass eine einige Meter dicke Schicht kalter Luft sich zwischen dem Boden und den bereits erwärmten Luftschichten darüber befindet. In solchen kalten Luftschichten werden die Schallwellen reflektiert; dadurch vergrössert sich deren Reichweite in Bodennähe enorm.

Doch wie auch immer – der Grund, aus dem die Männchen in dieser Jahreszeit aus voller Kehle singen steht fest. Ihr Gesang enthält die wichtigste Botschaft ihres Lebens. Sie richtet sich an die Weibchen und lautet: „Komm, sei mein Schatz!“



Drosselrohrsänger

Und über das grosse Kapitel der Partnerwahl werde ich euch dann im nächsten Beitrag etwas erzählen.



Die Partnersuche ist zwar ein Muss, doch die Auswahl sollte mit Bedacht getroffen werden.
Die Qual der Wahl hat gewöhnlich das Weibchen, es entscheidet, welcher Bewerber ihm am geeignetsten erscheint.
Zuerst ist es natürlich am wichtigsten festzustellen, ob das Männchen der gleichen Art angehört. Dies stellt meistens kein grosses Problem dar, da es sich in der Regel meist schon seinen Rivalen ausgiebig vorgestellt hat, mit eindeutigen Signalen, was die Artzugehörigkeit betrifft.

Bei naheliegenden Verwechslungsmöglichkeiten sorgt das Männchen gewöhnlich dafür, dass es eindeutig erkannt wird.
Der Blaufusstölpel brütet an der Westküste Südamerikas und auf den Galapagosinseln an manchen Stellen mit dem Rotfusstölpel an gemeinsamen Brutplätzen. Die beiden Arten gleichen sich sehr stark bis – wie ihre Namen vermuten lassen – auf die Farbe ihrer Füsse.
Wenn ein Blaufusstölpel um ein Weibchen wirbt, so macht er deshalb eindeutig klar, was er ist, indem er einen seltsamen Tanz aufführt, bei welchem er seine ultramarinblauen Füsse präsentiert.






Als nächstes muss sich das Weibchen vergewissern, ob ein angehender Partner in der Lage ist, ihm die Hilfe zu gewähren, welche es zur Aufzucht seiner Jungen benötigt.
Oft erwarten die Weibchen, dass ihnen die Männchen ein Nest zur Verfügung stellen.
Das Zaunkönigmännchen bauen bis zu einem Dutzend Nester in unterschiedlichen Grössen, bis eines dabei ist, welches ihrer Zukünftigen geeignet scheint.
Das gleiche gilt für die Webervögel, welche in grossen Kolonien brüten.
Die Männchen flechten kunstvoll ein Nest, welches von der Spitze eines hohen Astest herabbaumelt und natürlich möglichst stabil sein soll. Sind sie damit fertig, hängen sie sich flatternd unter ihr Bauwerk und machen vorbeifliegende Weibchen darauf aufmerksam. Die Weibchen besichtigen die Nester – wenn ihnen eines zusagt, lassen sie sich mit dem Baumeister ein.
Junge und unerfahrene Männchen scheitern jedoch oft – es braucht viel Übung um ein wirklich gutes Nest zu bauen und damit eine Partnerin zu finden. Deshalb trennen sie oft nach einer gewissen Zeit und vielen Zurückweisungen ihr Nest wieder auf und starten an der gleichen Stelle einen neuen Versuch, wobei sie bereits aus ihren Fehlern gelernt haben. Dennoch bleiben viele während ihrer ersten Brutsaison noch ohne Partnerin.

Pinguine beschränken sich beim Nestbau auf das äusserste Minimum.
Der Eselspinguin, der ebenfalls in grossen Kolonien lebt, bescheidet sich mit einer flachen Mulde auf einer Kiesfläche in der Antarktis. Aber auf einen Kranz kleiner Kiesel rings um die Nistmulde legen beide Partner grossen Wert. Der Freier präsentiert der Umworbenen ein Musterstück – wie um ihr zu sagen, dass sie mit solch feinen Steinen rechnen könne, wenn ihre Wahl auf ihn fiele. Das Endergebnis seiner Bemühungen ist dann ansehnlicher, als man vermuten könnte, da er tatsächlich einander in Grösse und Form sehr ähnliche Steinchen sucht und fein säuberlich aufreiht.




Viele Weibchen erwarten, dass Männchen während der Bebrütung der Eier sie, und nach dem Schlüpfen dann die Jungen mit Nahrung versorgen. Wir konnten dies sehr schön direkt bei unseren Turmfalken beobachten – doch auch viele andere Arten pflegen diese Balzfütterungen.
Neben dem zeremoniellen Zweck solcher „Hochzeitsgeschenke“ des Männchens leisten sie ausserdem einen wertvollen Beitrag zur Ernährung des Weibchens, solange es seine körperlichen Reserven für die Eier aufbaut.

Wanderfalkenweibchen wollen sich vor allem vergewissern, dass ihr zukünftiger Partner ein ausgezeichneter Flieger ist, da nur ein solcher auch die Versorgung der Familie gewährleisten kann.
So führt das Männchen eine grandiose Flugschau vor, steigt in Spiralen hoch hinauf und stürzt sich dann in rasendem Tempo herab. Der Sturzflug wird in einem schönen Bogen abgefangen, manchmal rollt das Tier dabei von einer Seite auf die andere, manchmal fliegt es sogar mit halbgeschlossenen Schwingen einen Looping.
Vielleicht beteiligt sich das Weibchen auch an der Vorführung. Dabei kommen sich die Beiden manchmal im Hochgeschwindigkeitsflug so nahe, dass sich Brüste und Schnäbel berühren.

Leider fand ich kein Bild vom Balzflug der Wanderfalken, deshalb hier eines von Balzflug der Grauweihen in Chil



Wir sind immer noch bei der Partnersuche:

Über die spezifischen Qualifikationen der Männchen – Geschick beim Nestbau, beim Fischen oder Jagen – hinaus, versuchen die Weibchen vieler Arten sich ein Bild zu machen, ob sich ihr zukünftiger Partner guter Gesundheit erfreut und mit einiger Wahrscheinlichkeit auch kräftige und gesunde Nachkommen zeugen wird.
Ein Anzeichen für gute Gesundheit sind die verschiedenen Gesangsdarbietungen der Männchen, denn Singen verlangt einen hohen Energieaufwand und setzt den Sänger der Aufmerksamkeit möglicher Feinde aus, was sich für schwächliche Männchen als fatal erweisen könnte. Wer viel singt, muss auch im Überfluss zu fressen haben und ist allein schon aus diesem Grund ein begehrenswerter Partner.
Auch die Färbung des Gefieders sind ein wichtiges Anzeichen guter Gesundheit, je intensiver die Farben leuchten, desto kräftiger das Männchen.

Bei Arten, in denen Männchen und Weibchen ähnlich oder gleich aussehen, finden oft gemeinsame Balztänze zur Partnerwahl statt, zum Beispiel bei den Kranichen. Sie versammeln sich zu etwa einem Dutzend oder mehr Tieren und beginnen ihren Tanz mit Verbeugungen und Sprüngen, schlagen die Flügel und legen zwischen den Luftsprüngen kurze, schnelle Läufe ein.




Balzende Saruskraniche in Nordindien

Die Lappentaucher führen auf ihren Brutgewässern eine lange Reihe ritualisierter Tänze vor. Meist beginnt die Balz eines Haubentaucherpaares damit, dass beide Tiere aufeinander zuschwimmen, bis sie sich Brust an Brust im Wasser gegenüberliegen. Dann schütteln sie – Kragen und Haube gesträubt – schweigend die Köpfe. Im Laufe des Tages folgen weitere Zeremonien. Das Weibchen ruft zB mit flach ausgestrecktem Hals und dicht über dem Wasser gehaltenem Schnabel, als suche sie das Männchen. Das Männchen schwimmt knapp unter der Wasseroberfläche auf das Weibchen zu, taucht genau vor ihr auf, erhebt sich senkrecht aus dem Wasser und hält den Schnabel nach unten gerichtet. Auch das Weibchen nimmt eine spezielle Pose an, die ihm eine gewisse Ähnlichkeit mit der ausladenden Erscheinung eines Samurai im No-Theater gibt. Wenn sich im Laufe der nächsten Tage die Paarbeziehung festigt, kommt der Pinguintanz an die Reihe. Die Partner schwimmen auseinander und tauchen langsam unter. Nach einigen Sekunden tauchen sie mit etwas Pflanzenmaterial im Schnabel wieder auf und schwimmen feierlich aufeinander zu, bis sie sich fast berühren, dann recken sie sich Brust an Brust fast ganz aus dem Wasser und schütteln die Köpfe.





Haubentaucherpaar in England

Der Renntaucher aus dem Westen der USA krönt seine Balz mit einem noch spektakuläreren Höhepunkt. Statt sich gegenseitig Pflanzenmaterial zu präsentieren, hebt sich das Paar aus dem Wasser und legt dann mit einem einzigen Wirbel der Schwimmfüsse einen wilden Lauf über die Wasseroberfläche hin um am Ende unvermittelt gleichzeitig abzutauchen.



Die Balz macht aus Männchen und Weibchen Paare. Manche Vögel suchen sich Jahr für Jahr einen anderen Partner, andere, wie etwa Schwäne und Albatrosse, verpaaren sich für ihr ganzes Leben.
Manche Paare teilen sich die Aufgaben des Nestbaus und der Jungenaufzucht zu etwa gleichen Teilen, andere gehen schon wieder auseinander, sobald die Bebrütung der Eier beginnt. Es gibt sowohl polygame Männchen als auch Weibchen. Aber neunzig Prozent aller Vogelarten sind zumindest saisonal monogam.
Bei den restlichen zehn Prozent finden wir im Extremfall Arten, bei denen sich die Paarbeziehung auf die wenigen Sekunden der Kopulation beschränkt. Solche Verhältnisse sind aber nur möglich, wenn der Brutplatz über soviel leicht verfügbares Futter enthält, dass das Weibchen seine Jungen ganz allein grossziehen kann. Spezielle Fähigkeiten beim Nestbau oder der Futtersuche spielen bei diesen Arten bei der Partnerwahl dann überhaupt keine Rolle mehr, es zählt allein ein guter Allgemeinzustand, der günstige Erbanlagen verspricht – die Pracht des Gefieders und die Art, wie es präsentiert wird tritt hier darum ganz in den Vordergrund.

Und diese Tatsache hat ganz erstaunliche Formen hervorgebracht. Die Paradiesvögel.

Doch über sie werde ich euch im nächsten Teil berichten.
« Letzte Änderung: 20. August 2010, 10:49:51 von powerjulchen » Gespeichert
powerjulchen
Gast
« Antworten #3 am: 19. August 2010, 10:46:01 »

Nun also wie versprochen mein Text zu den Paradiesvögeln.

Wie oben erwähnt hängen die Kriterien, nach denen sich weibliche Vögel ihren Partner aussuchen, ganz stark davon ab, ob die Umweltbedingungen es ermöglichen, die Jungen alleine aufzuziehen, oder ob die tatkräftige Unterstützung des Männchens dabei unabdingbar ist.
Ist letzteres der Fall, wird das Männchen vor allem beweisen müssen, ob es etwas vom Nestbau und/oder der Nahrungsbeschaffung versteht, ist jedoch reichlich leicht verfügbares Futter vorhanden und fehlt es zudem an Feinden, so entfällt die Rolle des Männchens als Ernährer und Beschützer und es zählt alleine das Äussere, an dem das Weibchen erkennt, ob sein Auserwählter fit genug ist, um gesunden Nachwuchs zu zeugen.

Diese „natürliche Zuchtwahl“ der Weibchen – nur die schönsten Männchen dürfen ihre Gene weitergeben – hat besonders bei den Paradiesvögeln in Neuguinea im Laufe der Evolution zu spektakulären Ergebnissen geführt.

Die Paradiesvögel sind relativ nahe mit den Krähen verwandt und je nach Art etwa rotkehlchen- bis elsterngross. Weibchen und junge Männchen aller Arten sehen sich bemerkenswert ähnlich. Die meisten haben einen bräunlichen Rücken und eine blassgefärbte Brust. Die geschlechtsreifen Männchen jedoch unterscheiden sich von Art zu Art durch ihren extravaganten Schmuck. Manche tragen Schmuckfedern an den Seiten, andere an den Schultern, am Kinn oder an der Stirn. Einen ziert eine Tiara aus sechs Federschäften, die jeweils in einem schwarzen Scheibchen enden. Ein anderer ist kahl, aber seine Kopfhaut leuchtet in einem grellen blau. Die Vielfalt ihres Schmucks übertrifft jede Phantasie.
Um ihre Schönheit auch möglichst gut in Szene zu setzen, hat jede Art ihre besondere Form des Balztanzes.
Der Breitschwanz-Sichelkopf ist vollkommen schwarz, trägt aber beidseits auf der Brust einen Fächer aus Federn, deren Ränder blau schillern. Zur Balz setzt er sich auf einen Ast im Zentrum seines Reviers und stellt die Fächer auf, so dass sie seinen Kopf völlig umrahmen. Gleichzeitig breitet er seinen langen, schwarzen Schwanz aus beginnt sich hin und her zu wiegen und neigt sich dabei seitwärts bis fast in die Horizontale.




Breitschwanzsichelkopf

Die kleinste Art, der Königsparadiesvogel, hängt sich zum Balzen kopfunter an einen Ast und schaukelt wie ein Pendel hin und her, so dass die beiden langen, mit schillernden grünen Scheiben verzierten Federschäfte, welche unter seinem Schwanz hervorschauen, von einer Seite zur anderen schwingen.

Doch auch am Boden wird gebalzt, das stellt in dieser Umgebung kein besonderes Risiko dar.
Die Männchen räumen zu diesem Zweck auf dem Waldboden eine Tanzfläche frei.
Der Nacktkopfparadiesvogel klammert sich bei der Balz an das senkrechte Stämmchen einer jungen Pflanze und bläht die Federn seines Brustgefieders zu einem glänzend grünen Schild auf, der im rechten Winkel zu seinem Körper aufgestellt wird.




Nacktkopfparadiesvogel

Der Vogel mit der Tiara, der Strahlenparadiesvogel, scheint auf den ersten Blick zu den nüchterneren Familienmitgliedern zu zählen, denn bis auf eine weisse Marke auf der Stirn ist sein Federkleid ganz schwarz. Aber er zeigt die vielleicht theatralischste Aufführung. Bevor er beginnt, inspiziert er mit grosser Sorgfalt seine Balzarena und entfernt jeden Blattschnipsel und jedes Zweiglein, das dort nicht hingehört. Dann läuft er einige Male unter schrillem Rufen blitzschnell über seine Balzfläche. Damit kündigt er seine Vorstellung an und gewöhnlich erscheinen innerhalb weniger Minuten einige unscheinbar gefärbte Weibchen als Publikum und lassen sich auf einem waagerechten Zweig mit guter Aussicht auf die Arena nieder. Dann beginnt sein Tanz. Er stellt sich gewissermassen auf die Zehen und hält seine langen Schmuckfedern so, dass sie ihn zusammen mit den Schwingen wie eine Art Reifrock umgeben. Er sträubt die Brustfedern, wodurch sich das Licht in ihnen bricht – jetzt sieht man, dass sie doch nicht einfach schwarz sind, sondern in allen möglichen Farben schillern und wie ein glänzender Schild erscheinen, teilweise grünlichblau, teilweise golden. Seinem Publikum zugewandt wiegt er sich von einer Seite auf die andere. Plötzlich hält er inne und erstarrt für einen Augenblick. Dann dreht er den Kopf so wild hin und her, dass die langen Strahlen seiner Tiara sich in einen verschwommenen Schleier auflösen. Mit einem Mal macht er einen gewaltigen Luftsprung, landet auf dem Rücken eines Weibchens aus dem Publikum und begattet es.




Strahlenparadiesvogel

Die Paradiesvogelweibchen besuchen die Vorstellungen einer Reihe von Männchen, vergleichen diese vermutlich miteinander und entscheiden sich schliesslich für den Vogel, der sie am meisten beeindruckt. Als menschlicher Beobachter kann man sich nicht ganz von dem Eindruck freimachen, dass für das Urteil der Weibchen nicht allein praktische Gesichtspunkte – Tanzathletik und Gefiederpracht als genaue Hinweise auf die Kraft und genetische Überlegenheit des Männchens -, sondern auch ästhetische Aspekte eine Rolle spielen.

Eine andere Gruppe auf Neuguinea beheimateter Vögel lässt diese Vorstellung noch plausibler erscheinen: Die Laubenvögel.
Im Gegensatz zu den Paradiesvögeln sind sie eher schlicht gefärbt und tragen keine auffälligen Schmuckfedern, betreiben aber eine nicht weniger aufwändige Balz als diese. Doch statt die eigene Schönheit ins Licht zu rücken, legen sie Sammlungen von leuchtendfarbigen Schätzen an, wie etwa Beeren, Schalen, Blütenblätter oder schillernde Käferflügel.
Diese stellen sie dann in eigens dafür errichteten Lauben aus. Je nach Art sind die mehr oder weniger aufwändig gebaut.
Der Seidenlaubenvogel richtet eine einen Meter lange Strasse her, die beidseitig von Wänden aus Zweigen begrenzt wird. An jedem Ende legt das Männchen eine Kollektion von Schalen, Knochen und Beeren aus.





Seidenlaubenvogel

Der Goldlaubengärtner wählt sich ein schlankes, aufrecht wachsendes junges Bäumchen und schichtet darum herum Zweige zu einem Turm auf, der bis zu drei Meter hoch sein kann. Rings um den Turm räumt er einen Rundgang frei, den er mit einem niedrigen, moosverkleideten Wall begrenzt. Dann ruft er mit langen, hellklingenden Rufen Weibchen herbei. Erscheint eines, nimmt er eine Blüte in den Schnabel, tanzt auf dem Gang rings um den Turm herum und schaut neckisch erst von der einen, dann von der anderen Seite hinter der Mittelsäule hervor.

Die komplexeste Laube und sicherlich überhaupt der bemerkenswerteste Bau eines Vogels ist die Hütte des Hüttengärtners. Sie kann zum Teil so gross sein, dass sie fast wie für einen Menschen gemacht scheint und hat ein kegelförmiges Dach, das mit getrockneten Blüten oder Blattstielen gedeckt ist.
Auf dem mit Moos bedeckten Vorplatz und in der Laube selber präsentiert der Hüttengärtner seine Schätze, die er fein säuberlich nach Farben sortiert und arrangiert. Dabei räumt er sie immer wieder um, bringt neue Schätze herbei, sucht nach noch effektvolleren Kompositionen.
Die Laubenvogel-Weibchen besuchen die verschiedenen Ausstellungen der Männchen, vergleichen sie und paaren sich schliesslich mit demjenigen, welcher in ihren Augen die beste Leistung vollbracht hat.

Bei einer Reihe von Paradiesvogelarten wird dem Weibchen die Wahl des Partners durch eine Gruppenbalz mit der Möglichkeit zum direkten Vergleich der Männchen erleichtert.
Bis zu zehn Männchen versammeln sich zu diesem Zweck in einem hohen Baum. Zu ihrem Balzritual gehört Flügelschlagen, schrilles Rufen und das Aufplustern ihrer herrlichen Schmuckfedern; so geht es – immer wieder von Pausen unterbrochen – den ganzen Tag lang.
Die Ankunft eines Weibchens allerdings versetzt die Gesellschaft in eine geradezu ekstatische Raserei. Alle senken den Kopf und richten die Schmuckfedern über ihrem Rücken zu einer wahren Farbfontäne auf. Aber jeder Vogel bleibt dabei auf seinem eigenen, ihm angestammten Ast des Baumes, den er jeden Tag benutzt. Das Weibchen gesellt sich schliesslich einem der Wettbewerber hinzu.



Raggiparadiesvogel vor einem Weibchen

All diese Vogelmännchen sind natürlich ausgesprochene Polygamisten – Treue zur Partnerin macht keinerlei Sinn, wenn sie die Jungen ohne weiteres alleine grossziehen kann.
Doch wusstet ihr, dass es auch einige wenige Vogelarten gibt, bei denen die Weibchen polygam sind?

Mehr darüber im nächsten Teil!


Es ist eine noch ungeklärte Frage, weshalb sich bei einigen wenigen Vogelarten das typische Rollenmuster zwischen Weibchen und Männchen umgekehrt hat.
Ein gutes Beispiel dafür ist das Odinshühnchen, ein kleiner Schnepfenvogel und Bodenbrüter der arktischen Tundra. Nach der Paarung und Eiablage verlässt das Weibchen das Männchen, welches die Bebrütung und Aufzucht der Jungen übernimmt und sucht sich einen neuen Partner, mit dem es dann ebenso verfährt. So kann es pro Brutsaison bis zu vier Männchen mit Eiern versorgen.
Da eine gute Tarnung für jeden brütenden Vogel wichtig ist, überrascht es nicht, dass man beim Männchen des Odinshühnchen trübe Farben findet. Das Weibchen ist grösser, hat einen schön leuchtend roten Hals, balzt und zeigt Revierverhalten, spielt also ganz die Rolle, die sonst den Männchen zukommt.

Auch die Weibchen der amerikanischen Jassanas halten es so.
Sie beanspruchen auf den Seen und Tümpeln ihres Lebensraumes jeweils grosse Reviere für sich und haben bis zu drei Männchen, von denen jedes innerhalb ihres Reviers ein Nest baut. Das Weibchen verbringt mit jedem Männchen einige Tage, macht ihm den Hof, bevor es ihn mit einem Gelege versorgt und ihn danach möglicherweise nie mehr wieder aufsucht. Allerdings wacht die Vogeldame weiterhin eifersüchtig über ihr Revier und vertreibt alle Eindringlinge.

Bei beiden Arten kann das Männchen sich ziemlich sicher sein, dass es selbst der Vater der Jungen ist und möglicherweise nimmt es auch deshalb gerne in Kauf, sie alleine aufzuziehen.

Andere Vogelarten sind da wesentlich misstrauischer, denn die Kopulation mit dem Weibchen bedeutet noch lange nicht, dass die Küken, die dann später ausschlüpfen auch wirklich die eigenen sind, falls sich das Weibchen noch mit einem Nebenbuhler eingelassen hat. Daher versuchen viele Männchen dafür zu sorgen, dass keiner ihrer Rivalen sich mit ihrem Weibchen einlassen kann, nachdem sie es begattet haben. Ein altes englisches Sprichwort besagt, dass man im Frühjahr nie eine Elster alleine sieht. Sieht man eine, dann ist stets auch eine andere in der Nähe – und vielleicht sogar eine dritte. Das Elsternmännchen hält sich nach der Kopulation dicht bei seinem Weibchen und viele andere Vögel verhalten sich ebenso. Nähert sich dem Paar ein anderes Männchen, wird der Ehegatte sein bestes tun, um es zu vertreiben.

Bei den Heckenbraunellen werden die ehelichen Verhältnisse flexibel gehandhabt.
Ist genug Futter vorhanden, so dass ein Weibchen die Jungen ohne Hilfe aufziehen kann, hält sich ein kräftiges Männchen vielleicht zwei oder drei Weibchen, denen es jeweils ein ein eigenes Nest baut.
Herrscht dagegen Nahrungsmangel im Revier, benötigt ein Weibchen vielleicht mehr Hilfe bei der Aufzucht ihrer Jungen, als ein Männchen alleine ihr bieten kann. In diesem Falle gelingt es ihr vielleicht, sich der Hilfe eines zweiten Männchens zu versichern. Der Senior, der das Revier ursprünglich für sich abgesteckt hat, tritt nach aussen weiterhin als Ehegatte in Erscheinung, verteidigt seine Reviergrenzen durch auffälligen Gesang und paart sich häufig öffentlich mit dem Weibchen. Das zweite Männchen ist sehr viel zurückhaltender. Der Revierinhaber duldet es, weil es hilft, die Jungen zu ernähren, aber das Weibchen belohnt es auf seine Weise. Wenn es der Bewachung durch das ältere Männchen entgehen kann, paart es sich in den Büschen heimlich mit dem jüngeren.





Heckenbraunellen

Die Untreue zwischen verpaarten Männchen und Weibchen erreicht bei den farbenfrohsten Vögeln Australiens, den Prachtstaffelschwänzen, ein noch viel extremeres Ausmass.
In der Buschsteppe, dem Lebensraum der Staffelschwänze, ist nicht nur das Nahrungsangebot dürftig, sondern es mangelt auch an geeigneten Nistplätzen, so dass die Jungvögel meist dort bleiben, wo sie grossgezogen wurden und beim Tod eines ihrer Elterntiere deren Nistplatz übernehmen. Daher sind die Paare fast immer nahe verwandt – Vater und Tochter, Bruder und Schwester, Mutter und Sohn und es drohen Inzucht und die Gefahr genetischer Verarmung.
Diese Gefahr wird jedoch dadurch verringert, dass die Vögel ihre Paarbindung sehr locker handhaben. Sowohl das Männchen wie auch das Weibchen kopulieren meist ebenfalls mit anderen Partnern. Ein tatenlustiges Männchen besucht regelmässig andere Reviere, balzt dort und zeigt sein leuchtendes Gefieder. Manchmal nimmt es auch noch eine Blume in den Schnabel, um seine Attraktivität zu steigern. Aber solche Blumengeschenke erhalten nur die fremden Weibchen, niemals seine Partnerin, mit der er zusammen ein Nest unterhält. Bis zu zehn verschiedene Weibchen in einer Brutsaison kann er auf diese Weise beglücken – seine Partnerin hält es ebenso und hat bis zu sechs verschiedene Freier. Von ihrem Brutpartner lässt sie sich nur so oft begatten, wie es nötig ist, damit er bei der Stange bleibt und für die Versorgung der Jungen im Nest sorgt. Von denen ist aber vielleicht in Wirklichkeit kein einziges sein eigenes.
Bei den Staffelschwänzen ist aus der Partnerbindung eine Art sozialer Konvention geworden.





Prachtstaffelschwanz

Im nächsten Teil werde ich über die anspruchsvolle Aufgabe berichten, welche den Vögeln nun bevorsteht: Dafür zu sorgen, dass aus den Eiern auch wirklich gesunde Junge schlüpfen können.


Eier zu legen ist eigentlich eine gute Idee. Vor allem für ein Tier, welches seine Flugfähigkeit bewahren muss. Man gibt dem Embryo alles mit, was er braucht um sich zu entwickeln und lässt ihn ausserhalb des Körpers heranreifen, so dass die eigene Beweglichkeit erhalten bleibt.

Allerdings sind Vogeleier im höchsten Masse gefährdet, denn da sie sehr nährstoffreich sind, üben sie eine grosse Anziehungskraft auf hungrige Diebe aus. Zudem sind sie sehr zerbrechlich, denn ihre Schale darf nicht allzu fest sein, denn das Küken muss sie ja selbst aufschlagen können. Und porös muss sie auch sein, damit das Küken im Ei Sauerstoff ein- und Kohlendioxid ausatmen kann.

Die verschiedenen Vogelarten haben die unterschiedlichsten Strategien entwickelt, um ihre Eier zu schützen. Wobei diese Strategien eng damit zusammenhängen, welche Möglichkeiten der Lebensraum bietet.
So hat der Flussregenpfeifer zB keine andere Wahl, als seine Eier ungeschützt auf einen Kiesstrand zu legen, denn dort findet er sein Futter, jedoch kaum geschützte Stellen, wo er seine Eier verstecken kann. Allerdings hat er einen Ausweg gefunden, denn seine Eier sind so gefärbt, dass ein Räuber sie nicht als Eier erkennen kann, selbst wenn er sie sieht. Sie sind braun mit dunkleren Punkten und Klecksen und ebenso gut den Farben der Umgebung angepasst wie die Vögel selber, so dass auch die brütenden Elterntiere praktisch unsichtbar sind.





Flussregenpfeifer

Die grösste Gefahr für die Regenpfeifereier ist folglich nicht die Entdeckung durch Diebe, sondern das Zertretenwerden durch jemanden, der sie nicht entdeckt hat.

Auch die Russseeschwalben legen ihre Eier auf freie Flächen, ihre Strategie besteht jedoch nicht in einer guten Tarnung, sondern darin, dass sie in grossen Kolonien brüten. Nähert sich ein Feind, wird er gemeinsam in die Flucht geschlagen.



Russseeschwalbenkolonie

Die Feenseeschwalbe wagt es nicht, ihr einziges Ei auf die nackte Erde zu legen. Sie bebrütet es auf einem Baum, tut dies aber ebenfalls, ohne ein Nest zu bauen. Ihre Fähigkeit, auf ihrem Ei zu sitzen, ohne es hinunterzustossen, grenzt dabei an ein Wunder.



Feenseeschwalbe mit Ei

Steile Uferfelsen können ebenso guten Schutz vor Landraubtieren bieten, wie kleine Inseln. Die gewaltigen, bis 300 m hohen Felskliffs der Äusseren Hebriden und der Orkneyinseln werden von Millionen von Seevögeln bewohnt, die auf den schmalen Kanten und Simsen ihre Eier legen.
Die Eier der Trottellummen und Tordalken sind ausgeprägt birnenförmig, so dass sie nie weit rollen, wenn sie angestossen werden, sondern bloss kurze, kreisförmige Bahnen beschreiben, was angesichts des prekären Brutplatzes sicher ein grosser Vorteil ist, zumal beide Arten nur je ein Ei bebrüten.





Tordalk mit Ei

Dennoch besteht immer die Gefahr, dass die Eier zur Beute von hungrigen Möwen oder anderen Räubern werden, vor allem wenn ein Elterntier die Nerven verliert und verängstigt das Weite sucht.

Ein ganz besonderer Felsstandort scheint allerdings nicht einmal aus der Luft erreichbar zu sein. Wie sollte ein Vogel die senkrechte Felswand hinter dem dichten Vorhang eines Wasserfalls anfliegen können? Der südamerikanische Russsegler ist so klein und schnell, dass er genau dieses Kunststück fertig bringt und somit hinter dem Wasserfall in völliger Sicherheit brüten kann. Jeder andere Vogel, der das versuchen würde, würde von den herabstürzenden Wassermassen gnadenlos aus der Luft gehämmert.



Russsegler hinter Wasserfall

Allerdings haben es die Segler schwer, geeignetes Nistmaterial zu finden, da sie niemals freiwillig auf dem Boden landen. Sie fangen aus der Luft Federchen, trockene Grasfasern und anderes geeignetes Treibgut, das sie mit ihrem klebrigen Speichel festkleistern um ihr kleines, napfförmiges Nest zu bauen.

Löcher sind offensichtlich gute Plätze, um Eier in Sicherheit zu bringen.
Spechte meisseln mit der gleichen Technik Löcher ins Holz, mit der sie auch Insektenlarven freilegen. Eisvögel hacken mit ihren dolchartigen Schnäbeln Löcher in den Lehm von Steilufern und Papageien können mit ihren Krummschnäbeln verfaultes Holz herausreissen. Sogar Bienenfresser mit ihren zerbrechlich wirkenden Schnäbeln hacken und graben Höhlen in ein sandiges Kliff.






Bienenfresser

Tukane und Nashornvögel hingegen, mit ihren riesigen Schnäbeln scheinbar besonders geeignet um Löcher in Baumstämme zu hacken, sind auf natürliche oder von anderen angelegte Höhlen angewiesen, denn ihren Schnäbeln fehlt es an Härte und Festigkeit.
Hat ein Nashornvogelpaar eine geeignete Höhle gefunden, macht es sich sogleich daran, sie zu verbessern, indem es alle Spalten und Löcher darin zukleistert. Dazu wird je nach Art Lehm, Harz, Baumrinde oder eine Mischung aus Sägemehl und wiederausgewürgter Nahrung verwendet.
Danach versiegelt das Weibchen von innen heraus den Eingang der Höhle – wobei es vom Männchen mir Nahrung und Baumaterial versorgt wird – bis auf einen schmalen Schlitz, durch den es selbst nicht mehr heraus, aber auch kein Räuber hineingelangen kann.






Rhinozerosvogel

In ihrem selbstgebauten Gefängnis harren die Nashornvogelweibchen über drei Monate lang aus, bis die Jungen geschlüpft und flügge geworden sind, erst dann brechen sie den zugemauerten Höhleneingang auf, manchmal mit Hilfe des Männchens und verlassen den Brutplatz.



Es braucht keine besondere Kunstfertigkeit, eine Mulde im Sand oder Kies zu scharren oder eine Höhle zu graben. Aus Zweigen, Haaren, Blättern oder Seide eine Wiege zu bauen erfordert hingegen sehr viel Geschick und Feingefühl und es grenzt an ein Wunder, dass Vögel, Wesen ohne Hände oder Finger, dieses Kunststück fertig bringen. Selbst der Bau einer einfachen Nestgrundlage verlangt beachtliches Urteilsvermögen hinsichtlich der Platzierung der einzelnen Zweige. Das merkt man schnell, wenn man es einmal selbst auf einem Ast oder in dem Gewirr einer Hecke versucht. Und doch muss der Vogel dies mit einer Art Zange als einzigem Werkzeug zuwege bringen.

Die Saatkrähe fügt einige hundert Zweige zusammen und bildet daraus einen tiefen Napf, den sie mit Gras, Blättern und Haaren auskleidet. Der Teichrohrsänger flicht einen kleinen Napf aus Gras und von Schilfrohr abgerissenen Streifen. Adler benutzen den gleichen Horst wieder und wieder, packen aber jedes Jahr neue Lagen von Ästen und Zweigen auf die alten, so dass ein Horst schliesslich meterhoch sein kann.

Der braune, in Afrika heimische Hammerkopf baut eines der grössten Einzelnester der Vogelwelt. Es wiegt bis zu einem Zentner, misst von der Basis bis zu dem gewölbten Dach zwei Meter und besteht aus etwa 8000 Einzelteilen. Man könnte das Nest wohl eher als Baumhaus bezeichnen, ist es doch so stabil, dass es einen Erwachsenen Menschen tragen könnte. Als Baumaterial dient alles, was sich nicht mehr bewegt und was Herr und Frau Hammerkopf gerade noch schleppen können – von dicken Knüppeln, Zweigen, Ried, Blättern, Federn, bis hin zu Knochen, Fell und Plastikfetzen.
Der Eingangstunnel und die Nestkammer werden zudem von innen mit Lehm verputzt




Doch so imposant das Nest des Hammerkopfs auch sein mag, das Aufeinanderschichten und Ineinanderstecken von Ästen ist durchaus nicht die ausgefeilteste Baumethode in der Vogelwelt. Die Kolibris verwenden zum Bau ihrer winzigen Nester die klebrigen Seidenfäden von Spinnweben; manchmal fliegen sie mit einem solchen Faden im Schnabel immer wieder um ihr halbfertiges Nest und wickeln es damit ein.






Manche Vögel bauen mit Lehm. Ihr Baumaterial beschaffen sie sich an den Rändern von Tümpeln und vermischen es manchmal wohlbedacht mit ein wenig Stroh, manchmal mit ihrem eigenen Speichel.
Rauchschwalben beherrschen diese Kunst besonders gut, wenn sie an Wänden und unter Dachtraufen ihre Nester bauen, die sie nur mit einigen Federchen und etwas trockenem Gras auskleiden.
Der geschickteste Lehmbaumeister ist jedoch der in Paraguay und Argentinien beheimatete Rosttöpfer. Er verbringt mehrere Monate damit, eine überdachte Kammer zu bauen, die unter der südamerikanischen Sonne steinhart wird, so dass kein Schnabel und keine Kralle die Wände seines Baus durchdringen kann. Auch hineingreifen kann niemand, denn dem Eingang direkt gegeüber verläuft immer eine zusätzliche Wand, die sich über die halbe Breite der Nestkammer erstreckt. Sie stellt nicht nur für Diebe ein Hindernis dar, sondern dämmt möglicherweise auch den Windzug.


Für den Schneidervogel in Indien ist der Schnabel eine Nadel. Als Faden dienen ihm Spinnenseide, Baumwolle und Fasern aus Rinde. Damit näht er Zwei hochhängende Blätter zusammen, so dass ein Becher entsteht, den er mit Gras füllt.



Die elegantesten Nester sind aber sicher die gewebten.
In Südamerika haben sich diese Kunst die Trupiale, Stirnvögel und Kassiken angeeignet und bei ihnen sind es vor allem die Weibchen, welche sich mit dem Nestbau befassen. In Afrika gehören die hervorragendsten Webkünstler alle zur Unterfamilie Weber der Familie Webervögel – bei ihnen bauen meist die Männchen.

Ein Vogel, der ein Nest webt muss sich die Form des fertigen Nestes vorstellen können, damit er weiss, wo die Wände einwärts gebogen und wo sie nach aussen ausgebuchtet werden sollen. Zudem muss er es verstehen, Knoten zu machen – einige Webervögel beherrschen ein halbes Dutzend verschiedene Knoten, die sie je nach Bedarf anwenden.




Weissstirnweber beim Nestbau

Die Siedelweber sind in den Wüsten Südwestafrikas beheimatet. Ihre gigantische Nestanlage ist das ganze Jahr hindurch von bis zu hundert Familien bewohnt. Ihre Wohnanlage besteht aus soliden Massen von grobem, trockenen Gras – eigentlich mehr dicht ineinandergesteckt als gewoben, und kann bis zu einem Jahrhundert alt werden und mehrere Tonnen wiegen. Alle Vögel beteiligen sich gemeinschaftlich an der Erweiterung und Ausbesserung des Bauwerkes, welches ja auch allen zugute kommt.




Ganz gleich wie kunstfertig gebaut, wie kühn entworfen oder wie sorgfältig an den dünnen Ast eines hohen Baums gehängt – kaum ein Nest schützt völlig vor dem Zugriff aller Räuber.

Über raffinierte Methoden, das Nest noch besser zu schützen und über Strategien, sich vom Brüten zu drücken berichte ich euch dann im nächsten Teil.
« Letzte Änderung: 20. August 2010, 10:57:36 von powerjulchen » Gespeichert
powerjulchen
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« Antworten #4 am: 19. August 2010, 11:00:21 »

Zuletzt schrieb ich über die verschiedenen Nestbaumethoden und nun geht es weiter mit Schutz und Brutstrategien:

Vögel habe im Laufe ihrer Entwicklung die unterschiedlichsten Strategien entwickelt, ihre Eier vor dem Zugriff von Nesträubern zu schützen. Ein gutes und für andere möglichst unzugängliches Nest ist dabei sicher sehr erfolgversprechend und naheliegend, ebenso wie die Methode, sich mit anderen zusammen zu tun um gemeinsam für grösstmögliche Sicherheit zu sorgen.

Die Stirnvögel gehen noch einen Schritt weiter. Sie bauen ihre Nester in unmittelbarer Nachbarschaft von Wespennestern. Anfangs werden sie dabei selbst von den Wespen angegriffen, aber nach einem Tag haben sich die Insekten an ihre neuen Nachbarn gewöhnt und sie als ungefährlich eingestuft und lassen sie in Ruhe. (Evtl. hilfreich dabei könnte auch der starke, muffige Geruch der Stirnvögel und anderer Arten, die diese Strategie anwenden, sein. Dieser Geruch kommt sonst in der Vogelwelt nicht vor.) Die Wespen greifen jedoch jeden Räuber – zB. Schlangen und Oppossums – der sich ihrem Nest nähert mit grösster Vehemenz an und schützen damit auch das Nest ihrer Nachbarn.
Die Insekten ziehen aber möglicherweise auch selbst einen Nutzen aus dieses Nachbarschaft, denn die Stirnvögel greifen ihrerseits Karakaras (aus der Familie der Falken) oder kleine Ameisenbären an, die regelmässig Wespennester heimsuchen und helfen somit ihren eigenen Helfern.

Weiniger freundschaftlich geht der in den Wüsten Australiens beheimatete Haubengudilang mit Insekten um, die er zum Schutz seines Nestes einsetzt. Er umgibt dessen Rand mit einem Kranz stachelbewehrter Raupen, welche er mit einem kräftigen Biss lähmt. Wenn die Jungen dann geschlüpft sind, werden sie mit diesen Raupen gefüttert.

Andere Vögel benutzen ein Täuschungsmanöver um ihr Nest zu schützen.
Der Gelbbürzel-Dornschnabel schützt seine Brut vor räuberischen Würgerkrähen, indem er eine Nestatrappe auf das eigentliche Nest baut. Kommt eine Würgerkrähe vorbei, sieht sie das offensichtlich leere Nest und zieht weiter.






Die australische Regenbogenpitta tarnt ihr Nest gegen ihren Hauptfeind – Baumschlangen – indem sie es geruchlich mit Kängurukot tarnt.

Das verbreiteste Täuschungsmanöver in der Vogelwelt besteht jedoch darin, dass sich ein Altvogel selbst als Köder anbietet und den Räuber so vom Nest ablenkt. Sehr beliebt vor allem bei Bodenbrütern wie den Regenpfeifern ist die Pantomime „der gebrochene Flügel“. Dabei tut der Vogel so, als sei er schwer verletzt und eine leichte Beute, lässt den Feind nahe herankommen, schleppt sich dabei jedoch immer wieder ein Stück weiter vom Nest weg, bis er sich schliesslich vollkommen unverletzt in die Luft erhebt und einen verdutzen Feind zurücklässt, der kaum eine Chance hat, das gut getarnte Nest wiederzufinden.






Eine andere Pantomime gibt der Strandläufer in der arktischen Tundra für den Polarfuchs, den er als Eierdieb fürchtet. Er läuft geduckt mit gesträubtem Rückengefieder, weit gefächertem und auf den Boden gedrückten Schwanz und hängenden Flügeln in einem Zickzackkurs herum. Seine Ähnlichkeit mit einem Lemming oder anderen kleinen Nager ist bemerkenswert. Da diese den Grundstock der Nahrung des Polarfuchses stellen, ist es klar, dass er sich ziemlich leicht vom Nest ablenken lässt und dann ebenfalls verblüfft feststellt, dass der Nager plötzlich fliegen kann.

Eier müssen nicht nur bewacht, sondern auch bebrütet werden. Ein Temperatursturz von einigen Grad kann für den sich entwickelnden Embryo tödlich sein. Für Vögel, die in kalten Teilen der Welt brüten ist diese Aufgabe besonders schwierig.

Die arktische Schneeeule hat ein sehr dickes, dichtes Gefieder, welches sie selbst natürlich wunderbar vor Kälte schützt, gleichzeitig steht es aber der Abgabe von Wärme an die Eier im Weg. Dehalb fallen dem Weibchen unmittelbar vor der Ablage des ersten Eis auf einem Hautflecken des Bauches alle Dunenfedern aus. Zusätzlich bilden sich an dieser Stelle mehr Adern um eine gute Durchblutung zu gewährleisten, so dass die Eule mit diesem Brutflecken die nötige Temperatur an die Eier abgeben kann.

Die Grossfusshühner bauen sich eine Art Brutkasten. Mehrere Tiere arbeiten zusammen und werfen einen gewaltigen Haufen aus Laub und anderem Pflanzenmaterial auf. Wenn es sich zersetzt, steigt die Temperatur im Hügel an. Die Weibchen graben nun Löcher hinein und deponieren jeweils ein Ei in einem dieser Löcher, zum Teil mehr als einen Meter tief.
Die Löcher werden aufgefüllt und die Eier sich selbst überlassen. Sechs bis neun Wochen später schlüpfen dann die Jungen, die bereits sehr grosse Füsse haben und bahnen sich damit ihren Weg durch den Bruthügel ans Licht.

Zwei Arten, das Buschhuhn und das Thermometerhuhn, überlassen ihren Bruthügel nicht sich selbst, sondern prüfen regelmässig die Temperatur im Innern. Der Thermometerhahn steckt den Kopf in den Hügel und kontrolliert die Temperatur mit der Zunge, der Buschhahn benutzt dazu seinen ganzen Kopf und Hals. Ist die Temperatur zu niedrig, wird zusätzliches Pflanzenmaterial auf den Hügel gepackt, ist sie zu hoch, wird die oberste Schicht heruntergescharrt.




Buschhuhn auf seinem Bruthügel

Aber nicht alle Vögel habe Lust, sich selbst um das Ausbrüten und Aufwachsen ihres Nachwuchses zu kümmern.
Sprichwörtlich ist der Brutparasitismus des Kuckucks.
Über ihn gibt’s mehr im nächsten Teil. (der sehr bald folgen wird - versprochen! Wink)




Paka hat folgendes geschrieben:

Aber was passiert mit den Küken der Grossfusshühner wenn die geschlüpft sind? Sind sie von Anfang an sich selbst überlassen oder wissen die Eltern ungefähr wann sie schlüpfen und stehen dann parat ?


Danke für die interessante Frage!

Die Grossfusshühner sind auch in dieser Hinsicht etwas ganz Besonderes.
Mit 60-80 Tagen ist die Brutzeit sehr lange und die Eier sind mit einer grosszügigen Menge Eidotter ausgestattet, von welchem das Küken, wenn es mitten in seinem Bruthügel schlüpft, eine grosse Portion im Magen hat.
Nach dem Schlüpfen legt sich das Küken auf den Rücken und scharrt sich mit seinen grossen Füssen nach oben, wobei es immer wieder längere Ruhepausen einlegen muss. In dieser Zeit ernährt es sich vom Dottervorrat in seinem Magen. Es braucht mehrere Tage, bis es auf diese Weise ans Licht gelangt, aber bis dahin hat es seine Entwicklung zu einem völlig selbständigen Individuum abgeschlossen. Auch sein Federkleid ist komplett und es kann sofort losfliegen!



Nachdem wir nun gesehen haben, welch aufwändige Arbeit es für Vogeleltern bedeutet, ihre Jungen sicher auszubrüten, verwundert es nicht, dass einige Arten sich davor drücken wollen, wenn dies ohne allzu grosse Gefahr für das Überleben ihres Nachwuchses möglich ist.

Bei der amerikanischen Rotkopfente sind die Männchen polygam und die Weibchen deshalb zwangsläufig alleinerziehend. Diese Plackerei versuchen sie dadurch etwas zu mindern, indem sie drei Viertel ihrer Eier in die Nester von Nachbarinnen legen, wenn diese sich mal kurz von ihrem Gelege entfernen. Dabei sind sie nicht wählerisch, ob es sich bei den unfreiwilligen Adoptivmüttern um Artgenossinnen handelt oder zB. um in der gleichen Gegend brütende Tafelenten – letztere werden sogar ganz dreist von der Rotkopfente von ihren Nestern geschubst, damit sie ihr eigenes Ei deponieren kann.
Doch während die eine Ente ihr Ei in ein fremdes Gelege schmuggelt und ihr eigenes Nest aus den Augen lässt, nutzt eine andere die Gelegenheit, genau das Gleiche zu tun, so dass schliesslich praktisch jede Rotkopfente nicht nur den eigenen, sondern auch fremden Nachwuchs aufzieht.
Dies scheint auf den ersten Blick unsinnig, wenn man jedoch bedenkt, dass viele Gelege von Waschbären und anderen Dieben geplündert werden, hat diese Methode, den eigenen Nachwuchs auf möglichst viele Nester zu verteilen, vielleicht doch auch etwas Gutes, verringert sich doch dadurch die Gefahr eines Totalverlustes der eigenen Nachkommenschaft beträchtlich.

Bei den Beutelmeisen versuchen sich beide Partner möglichst vor dem Brutgeschäft zu drücken.
In der Regel legt das Weibchen sechs Eier und sobald alle im Nest liegen, macht sich das Männchen aus dem Staub um mit einem anderen Weibchen eine zweite Familie zu gründen.
Die Gegenstrategie des Weibchens besteht darin, die ersten beiden Eier unter einer dicken Polsterschicht vor dem Männchen zu verbergen, dann wieder zwei Eier zu legen und sie wiederum zu verstecken. Sobald dann Nummer fünf und sechs gelegt sind, macht sie sich davon und dem Männchen bleibt nichts anderes übrig, als sich selbst um die Eier zu kümmern, da sonst seine ganze Investition in Nestbau und Paarung umsonst gewesen ist.
Das Weibchen kann derweil ein anderes Männchen mit einem Gelege beglücken.


Beutelmeise am Nest

Die Familie der Kuckucke ist zweifellos am bekanntesten dafür, ihren Nachwuchs anderen Vögeln unterzuschieben.
Es gibt weltweit 136 verschiedene Kuckuckarten, 45 davon sind Brutparasiten, die Eier in die Nester fremder Arten legen.
Dabei sind manche Vögel wahrhaft leicht zu betrügen.
Der australische Graufächerschwanz ist ein kleiner Insektenfresser, dessen Weibchen zwei kleine Eier in das ordentliche, napfförmige Nest legt. Sie sind blassgelbbraun mit rötlichen Flecken. Der Bronzekuckuck hat im Nu sein eigenes dazugelegt, wenn das Fächerschwanzweibchen nur kurz auf Futtersuche geht. Das fremde Ei ist viel grösser als die eigenen und auch ganz anders gefärbt und man würde denken, dass es vom Fächerschwanzweibchen auf den ersten Blick entdeckt und aus dem Nest geworfen werden müsste. Dem ist aber nicht so.

Vielleicht gehören die Fächerschwänze noch nicht genug lange zu den Wirtsvögeln der Kuckucke, um ihrem Gelege die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Dies könnte sich jedoch bald ändern, denn die jungen Kuckucke sind so fordernd und gefrässig, dass der Nachwuchs der Fächerschwänze deren Gesellschaft nur selten überlebt. Nur diejenigen Fächerschwänze, die den Betrug irgendwann erkennen und Abwehrmassnahmen ergreifen, werden es noch schaffen, die eigenen Jungen grosszuziehen und somit werden diese Vögel ihr Misstrauen weitervererben und es wird sich verbreiten, weil sie höhere Fortpflanzungsraten haben werden als die „Gutgläubigen“.
Und wenn die Kuckucke dann weiter bei dieser Art parasitieren wollen, müssen sie in Zukunft grössere Raffinesse an den Tag legen.

Diese Verfeinerung ihrer Taktik wird wahrscheinlich in der Tarnung ihrer Eier bestehen. Der afrikanische Goldkuckuck hat dieses Stadium bereits erreicht.


Goldkuckuck

Die gleiche Populationsdynamik, welche die Abwehrstrategie verbreitet, verhilft auch der verfeinerten Angriffstaktik zum Durchbruch und bringt Kuckucke hervor, deren Eier denen ihrer Wirte immer ähnlicher sehen. Bei den Goldkuckucken haben sich dabei Spezialisierungen auf jeweils einen bestimmten Wirtsvogel herausgebildet, denn jedes Kuckuckweibchen kann nur Eier einer bestimmten Färbung legen. So werden verschiedene Vogelarten von unterschiedlichen Stämmen der Goldkuckucke parasitiert – eine Art jedoch, der Maskenweber, hat seine Abwehrstrategie wiederum aufgerüstet und perfektioniert.

Die Maskenweber brüten in kleinen Kolonien von vielleicht einem Dutzend Tieren. Aber die Weibchen legen nicht genau gleichfarbige Eier. Bei manchen sind sie blau, bei anderen tragen sie verschiedene Flecken. Die kugelförmigen Webernester haben nur einen schmalen, seitlichen Eingang, so dass der Kuckuck die Farbe der Eier nicht erkennen kann und die Mannigfaltigkeit der Eier in einer Kolonie ist so gross, dass die Wahrscheinlichkeit, ein Nest mit genau passenden Eiern zu erwischen, für ein Kuckucksweibchen stark vermindert ist.

Sich um die elterlichen Pflichten zu drücken mag uns aus menschlicher Sicht verwerflich vorkommen – doch haben menschlich-moralische Wertmassstäbe keine Berechtigung, wenn wir das Verhalten von Tieren begreifen wollen.

Sehr wohl begreiflich wird es jedoch, wenn wir uns bewusst machen, dass mit dem Schlüpfen der Jungen im Leben der Eltern die härteste und anstrengendste Zeit beginnt.

Doch darüber mehr im nächsten Teil.


So langsam nähern wir uns dem Ende dieser Vogelwelt-Texte, es folgt nun noch das lange und spannende Kapitel (in mehreren Teilen) zur Jungenaufzucht - und dann habt ihr es geschafft. Wink

Also dann:

Wenn sich für ein Wachtelküken die Zeit des Schlüpfens nähert, steckt es seinen Schnabel in die Luftkammer am stumpfen Ende seines Eis und nimmt seine ersten Atemzüge. Gleichzeitig beginnt es mit seinen Geschwistern in den anderen Eiern im Nest zu kommunizieren, indem es leise, sehr rasche Klicklaute ausstösst – über hundert pro Sekunde.




Diese Klicklaute werden von den anderen wahrgenommen. Diejenigen von ihnen, die schon weiter entwickelt sind und kurz vor dem Schlüpfen stehen, drosseln nun ihr Entwicklungstempo. Sie klicken selbst auch, aber langsamer, nur etwa sechzig mal pro Sekunde oder weniger. Die Küken, die bisher das Schlusslicht bildeten, werden zu einer Beschleunigung ihrer Entwicklung veranlasst.
Sinn dieser Eiergespräche ist also eine Angleichung der Entwicklung der Küken, so dass alle schliesslich etwa gleichzeitig schlüpfen, obwohl die Wachtel ihre bis zu einem Dutzend Eier im Abstand von jeweils vierundzwanzig Stunden über einen Zeitraum von zwei Wochen gelegt hat.
Das macht für einen bodenbrütende Art natürlich sehr viel Sinn, denn die mit dem Schlüpfen verbundenen Unruhe im Nest kann leicht die Aufmerksamkeit eines Räubers erregen und wäre viel zu gefährlich, würde sie sich über mehrere Tage hinziehen.

Es ist nicht leicht, aus dem Ei herauszukommen. Der gerade erst gebildete Schnabel ist weich und die Verhältnisse im Ei sind so beengt, dass er vom Küken nicht als Hammer eingesetzt werden kann. Es kann nichts anderes tun, als ihn fest gegen die Schale zu pressen. Hilfreich dabei ist ein besonderer, nur zu diesem Zweck gebildeter Nackenmuskel und ein kleiner Eizahn auf der Oberseite der Schnabelspitze. Er ist leicht nach hinten gebogen und wenn das Küken ihn an die Schale presst und seinen Kopf nach hinten zieht, wird es schliesslich mit einem Riss in der Schale belohnt, bevor diese ganz zerbricht und das Küken freigibt.

Wachteleier enthalten wie die Eier aller Bodenbrüter eine grosszügig bemessene Portion Eigelb. Mit dieser Nahrungsreserve kann das Küken bereits im Ei seine Entwicklung fast vollständig abschliessen. Die Eier wurden entsprechend lange bebrütet und die Kleinen sind alles andere als hilflos, wenn sie aus der Schale kriechen.
Ihre Augen haben sich bereits geöffnet, sie tragen ein vollständiges Federkleid aus Nestdunen, das nur noch trocknen muss um sie warm zu halten, sie können ihre Körpertemperatur selbständig regulieren und ihre Beine sind kräftig genug um damit schon rennen zu können. Einzig die Brustmuskulatur und das Fluggefieder sind noch zu wenig entwickelt, so dass die Wachtelküken ihre erste Zeit als Fussgänger verbringen müssen.
Sie werden jetzt auch noch von ihren Eltern betreut – jedoch nicht im Nest, sondern die ganze Truppe macht sich bereits eine Stunde nach dem Schlüpfen des letzten Geschwisters gemeinsam auf den Weg in die Umgebung auf um nach Nahrung zu suchen.
Die Kleinen lernen von ihrer Mutter, was essbar ist und wie man danach scharrt. Sie legt ihnen Häppchen vor, füttert sie jedoch nicht direkt, sondern lässt sie selbst danach picken. Bei Bedarf, etwa bei Regen oder zu starker Sonne oder wenn ein Feind in der Nähe ist, finden die Kleinen Schutz unter den Fittichen ihrer Eltern.

Auch Wasservögel verlassen mit ihren Jungen so bald wie möglich die Nester.
Die Jassanas stecken sich die frisch geschlüpften Küken unter die Flügel – manchmal schauen noch einige herabbaumelnde Beinpaare heraus – und stolzieren über die Schwimmblätter der Wasserpflanzen davon, auf der Suche nach guten Futterplätzen mit reichem Insektenangebot.





Jassanaküken auf Seerosenblatt

Die Lappentaucher transportieren ihre Jungen auf dem Rücken – dort werden sie in der ersten Zeit auch gefüttert.


Die Zwergbinsenralle verfügt über ein in der Vogelwelt einmaliges Transportsystem für ihre Jungen: Das Männchen besitzt unter jedem Flügel eine satteltaschenähnliche Hautfalte. Nachdem die Jungen in einem erstaunlich frühen Entwicklungsstadium – blind und praktisch nackt – nach nur etwa elf Tagen Brutdauer geschlüpft sind, bewältigen sie irgendwie (genaueres dazu ist leider nicht bekannt) den schwierigen Weg in die Flankentaschen ihres Vaters. Dieser kann mit seiner lebenden Fracht sogar fliegen!

(Fortsetzung folgt....)

Hier nun die versprochene Fortsetzung zum Kapitel Jungenaufzucht:


Enten und Gänseküken sind sehr selbständig.
Nonnengänse brüten in Grönland auf hohen Felsplateaus, wo sie vor Füchsen sicher sind. Kaum sind die Jungen geschlüpft, fliegen die Eltern zum Fuss des Felsens und locken sie.
Es beginnt ein halsbrecherisches Rutschen, Überschlagen und senkrechte Abstürze Hinabfallen, bis die Kleinen – wundersamer Weise völlig unverletzt – bei ihren Eltern angekommen sind und hinter ihnen zum nächsten Wasserlauf eilen.

Scheinbar noch selbstmörderischer geht es bei den Sturzbachenten in den Anden zu.





Die winzigen Flauschbällchen stürzen sich einfach aus dem Nest und tauchen sofort in die reissende Strömung ein. Innerhalb von Sekunden schnellen sie wieder an die Oberfläche und paddeln mit äusserster Kraft mit den kleinen Schwimmfüsschen. Durch ihr Wasser abstossendes Dunenkleid sind sie so gut wie unsinkbar und schaffen es irgendwie, nicht stromabwärts abgetrieben zu werden.

Trotz ihrer Selbständigkeit müssen die jungen Wasservögel von ihren Eltern vor Feinden geschützt werden und es ist wichtig, dass sie immer in ihrer Nähe bleiben und sofort kommen, wenn die Mutter nach ihnen ruft.
Die Mutter-Kind-Bindung formt sich schon früh, bereits im Ei vernehmen die Kleinen die Stimme der Mutter und prägen sie sich ein. Nach dem Schlüpfen festigt sich diese Prägung auf die Stimme und die äussere Gestalt der Eltern noch mehr und hält ein Leben lang an, was sich auch bei einer späteren Partnerwahl dann wieder zeigt.

Besonders wichtig ist diese Prägung auch bei den Königspinguinen, die in riesigen Kolonien brüten. Die Kleinen können sich nicht, wie etwa bei den Gänsen, schon selbst mit Futter versorgen, sondern müssen von ihren Eltern noch gefüttert werden. Es scheint nach menschlichen Ermessen unmöglich, dass die Alttiere ihre Jungen in der Kolonie wiederfinden, wenn sie mit gut gefülltem Kropf zurückkommen, aber es ist tatsächlich so, dass es ihnen keinerlei Schwierigkeiten zu bereiten scheint.

Straussenküken werden von den Alttieren zu grossen Herden zusammengefasst, aber unter ganz anderen Vorzeichen.




Die Straussen scheinen alle auf eine möglichst grosse Kinderschar erpicht zu sein. Wenn zwei Paare mit Nachwuchs aufeinander treffen, bricht darüber meist Streit aus und schliesslich vertreibt ein Paar das andere und integriert dessen Junge in die eigene Herde. Die selbstbewusstesten Paare kommen auf diese Weise zu Herden von bis zu einigen hundert Jungtieren.

Baum- und Höhlenbrüter haben es nicht nötig, ihre Nester so überstürzt zu verlassen wie die Bodenbrüter. Ihre Kinderstube befindet sich ja meist an einem relativ geschützen Ort und entsprechend können ihre Küken in einem viel früheren Entwicklungsstadium schlüpfen und sich mehr Zeit lassen, selbständig zu werden.
Die meisten sind beim Schlüpfen noch nackt und blind und können auch noch nicht auf den eigenen Beinen stehen. Weiter entwickelt sind einzig der Darm, der Kaumagen und die Leber, denn das Wichtigste ist nun Futter aufzunehmen und zu verarbeiten. Mit der Nahrung, die ihnen die Eltern füttern, wachsen sie ab nun viel rascher, als die selbständigen Jungen der Bodenbrüter.

Manche Eltern versorgen ihre Nestlinge mit speziell vorverdautem Futter, etwa der Pelikan oder der Sturmtaucher.





Die Tauben – und zwar sowohl die Weibchen als auch die Männchen – sondern in ihrem Kropf die so genannte Kropfmilch ab, eine käsige Masse aus abgelösten, stark fett- und eiweisshaltigen Zellen der jetzt stark wuchernden Kropfwände. Diese wird den Jungen zusammen mit dem eingeweichten Kropfinhalt verfüttert.

Auch die Flamingos haben ein solches Kropfsekret, aber die meisten Vögel versorgen ihre Jungen mit der gleichen Nahrung, die sie selbst zu sich nehmen.

Alle Jungen betteln nach Futter. Sobald Mutter oder Vater sich mit Nahrung dem Nest nähern, sperren sie die Schnäbel weit auf, spätestens wenn der Schnabelrand von einem Altvogel berührt wir, setzt dieser Sperrreflex auch bei den noch blinden Küken ein.
Der Rachen der Kleinen ist in diesem Entwicklungsstadium kräftig gefärbt, je nach Art gelb oder rot, und animiert die Eltern zum füttern.




Bluthänflingsmännchen füttert seine Jungen

Die Rachenfärbung gibt aber auch einen Hinweis darauf, welches ihrer Jungen gerade erst gefüttert wurde und welches schon länger auf einen Happen wartet. Denn die Färbung ist bei den Hungrigsten am intensivsten, während diejenigen, die schon mit verdauen beschäftigt sind, eine blasse Färbung zeigen, da bei ihnen der Rachen zugunsten des gefüllten Magen und Darmes weniger stark durchblutet ist. Dadurch wird bei vielen Vogelarten eine gleichmässige Fütterung des Nachwuchses gewährleistet.

Allerdings verzichten manche Arten bewusst darauf – doch darüber schreibe ich euch mehr im nächsten Teil.


Manche Arten legen keinen Wert auf eine gleichmässige Fütterung der Jungen.
Sie ziehen es vor, das kräftigste Jungtier zu füttern und bringen die Schwächsten nur dann durch, wenn wirklich genügend Futter für alle da ist.
Diese Strategie der differenzierten Fütterung haben sich in der Vogelwelt sehr unterschiedliche Typen von Vögeln zu eigen gemacht. Alle Tölpel verfahren zB. danach. Aus den zwei bis drei Eiern des Blaufusstölpels schlüpfen die Küken in etwa vier Tagen Abstand und es herrschen deutliche Grössenunterschiede. In Jahren mit gutem Fischvorkommen können die Eltern alle drei sattbekommen, aber wenn Futter knapp ist kommt das Jüngste zu kurz. Die Älteren werden immer kräftiger und das Jüngste schwächer, bis es schliesslich aus dem Nest gedrängt wird und zugrunde geht.



Dies scheint unnötig grausam zu sein – doch die Tölpel haben zum Zeitpunkt der Eiablage keinen Anhaltspunkt, wie der Fischbestand beim Schlüpfen der Jungen sein wird. Legten sie nur ein oder zwei Eier und wäre dann genug Fisch vorhanden um drei Junge grosszuziehen, so wäre diese Chance vertan. Ein zweites oder drittes Ei ist daran gemessen kein zu hoher Einsatz.

Die meisten Greifvögel legen ebenfalls mehr Eier, als sie Junge grossziehen können und füttern bevorzugt den ältesten Nestling. Sie lassen zu, dass dieser seinem jüngeren Geschwister so erbarmungslos zusetzt, dass es stirbt. Der Sieger frisst dann für gewöhnlich den Unterlegenen auf, womit die Nahrung, welche die Eltern ins zweite Ei und den zweiten Nestling investiert haben, nicht ganz verloren ist.

Der Goldschopfpinguin praktiziert eine merkwürdige Variante dieses Verfahrens. Er legt zwei Eier, aber das erste ist kleiner als das zweite, das Küken daraus schlüpft später und überlebt nur selten. Vielleicht liegt das daran, dass die Gelege der Goldschopfpinguine zu Anfang der Brutsaison, wenn die Kolonie sich noch im Aufbau befindet, grösseren Gefahren ausgesetzt sind. Es kommt dann oft zu Streitereien zwischen den Alttieren und die ständig um die Kolonie streichenden Skuas haben beste Möglichkeiten, Eier zu erbeuten. So geht etwa die Hälfte der erstgelegten Eier verloren.

Auch wo die Küken mehr oder weniger gleichzeitig schlüpfen, kämpfen sie untereinander ums Überleben. Die Nestlinge des Malaienspints verfügen dafür sogar über eine spezielle Waffe, einen scharfen, nach unten gebogenen Haken an der Schnabelspitze, mit dem sie im Dunkel der Nisthöhle aufeinander einhacken. Das Gemetzel dauert etwa zwei Wochen und von den ursprünglich bis zu 17 Nestlingen überleben höchstens zwei oder drei. Sobald sie dann Federn bekommen, die sie vor Verletzungen durch ihre Geschwister schützen, sitzen die Überlebenden in bester Freundschaft beieinander.

Die Hauptgefahr droht den meisten Nestlingen aber nicht von ihren Geschwistern, sondern von Fressfeinden.
In Europa sind es vor allem die Elstern, die als Nesträuber berüchtigt sind, in Südamerika sind die Tukane jederzeit erpicht, ihre Fruchtdiät mit einem kleinen, wehrlosen Vogel zu bereichern. In Afrika verfügt die Höhlenweihe sogar über spezielle Anpassungen an die Nesträuberei: Ihre Beine sind ungewöhnlich lang und im Gelenk zum Unterschenkel nach hinten beweglich, so dass sie recht tief auch in gut geschützte Nester greifen kann.






Schlangen, Ratten, Hermeline, Katzen, Eichhörnchen, Füchse und Waschbären – sie alle finden Vogelküken eine lohnende Beute. Deshalb ist es ganz wichtig, dass die Vögel ihre Nester so versteckt wie nur möglich anlegen.

Ebenfalls wichtig ist es, dass die Kotspuren der Jungen den Standort des Nestes nicht verraten, deshalb legen viele Küken ihren Kot in Ballen ab, der von den Eltern fortgetragen wird.




Andere spritzen ihren Kot möglichst weit aus dem Nest – was auch aus hygienischen Gründen sinnvoll ist.

Je älter die Küken werden, um so grössere Anforderungen stellen sie auch an ihre Eltern.
Schatten, Wasser, Wärme und natürlich vor allem Futter, Futter und noch mehr Futter – eine Kohlmeise zB. liefert ca. 900 mal pro Tag eine Schnabelfüllung Insekten am Nest ab.

Die Fütterung der Jungen ist jedoch keine erdrückende Last, wenn sich beide Elterntiere daran beteiligen – bei sehr günstigen Umständen mit reichlich Futter in der Umgebung und wenigen Feinden schafft das sogar ein Elternteil, meistens die Mutter, alleine.

Doch nicht alle Vögel leben im Überfluss, wie zB. die Paradiesvögel, bei denen sich die Männchen nicht um den Nachwuchs zu kümmern brauchen und sich lieber der Balz widmen. Bei manchen ist der Lebensraum so karg, dass die Eltern auf zusätzliche Hilfe angewiesen sind um den Nachwuchs durchzufüttern. Oft besteht diese Hilfe aus den Nachkommen früherer Bruten, wobei diese Onkel und Tanten dies nicht aus reiner Selbstlosigkeit tun. Oft fehlt es schlicht am Platz, um ein eigenes Revier abzustecken und eine eigene Familie zu gründen, und falls man es doch versucht, muss man mit erbittertem Widerstand der Alttiere rechnen. Da bleibt man lieber gleich zuhause, wo man gern gesehen wird und trägt auf diese Weise zum überleben der eigenen Gene bei. Und wenn dann irgendwann eins der Alttiere stirbt, kommt man vielleicht doch noch selbst zum Zug und kann seinen Platz einnehmen.

Irgendwann ist die Nestlingszeit vorbei, die Jungen sind ausgewachsen, ihr Fluggefieder ist voll entwickelt – und im Nest ist es inzwischen so eng geworden, dass die meisten Vögel gerne aus dieser Enge entfliehen möchten.



Liegen die Nester nicht allzu hoch über dem Boden und gehören die Jungen zu einer Art, die ihre Nahrung vorwiegend im Erdreich oder im Laub suchen muss, wie zB. rotkehlchen oder Amsel, flattern die Jungen mit ihrem noch unerprobten Fluggefieder einfach schwerfällig auf den Boden, oder auf einen nahen Baum, wo sie weiterhin die Eltern anbetteln. Dies ist eine besonders gefährliche Zeit für die unsicheren Neuflieger, denn ihre Ungeschicklichkeit und Langsamkeit macht sie zu einer leichten Beute.




Drosselkrähe mit gerade flügge gewordenem Jungvogel

Liegen die Nistplätze hoch in Bäumen oder auf Felsen, müssen die Jungvögel jedoch halbwegs ausgebildete Flugfähigkeiten aufweisen, soll ihr erster Schritt in die Selbständigkeit nicht in einer Katastrophe enden.
Deshalb werden gegen Ende der Nestlingszeit jeden Tag mehrere Stunden darauf verwendet, die Flügel zu schlagen und die Brustmuskulatur zu trainieren, sicher auch, um ein gewisses Gefühl fürs Fliegen zu entwickeln.

Manche Jungvögel sind so zögerlich, dass sie zum Abflug „überredet“ werden müssen.
Sturmtauchereltern stellen einfach die bis dahin grosszügige Fütterung ein. Nach sechs Tagen ohne Nahrung, in denen sie von ihren Fettreserven zehren mussten, beginnen die Jungen dann endlich, vor die Bruthöhle zu treten und den Gebrauch der Schwingen zu trainieren, doch erst nach zwölf Fastentagen haben die Jungen dann genug Selbstbewusstsein – oder genug Hunger – um den Abflug auch wirklich zu wagen.

Wanderfalkeneltern setzen eher auf Zuckerbrot als auf Peitsche: Sie locken die Jungen, indem sie frisch geschlagene Beute nicht mehr zum Horst bringen, sondern sich damit auf einen nahen Baum setzen und die Jungen rufen. Hat das Elterntier – meist die Mutter – die Aufmerksamkeit seiner Kinder geweckt, fliegt es unter ständigem Rufen mit der Beute von Baum zu Baum, bis sich schliesslich eines der Jungen waghalsig aus dem Nest stürzt und noch etwas unbeholfen hinterher flattert. Dann wird es mit der Beute belohnt.
Die nächste Lektion besteht dann darin, dass jedes Junge eine eigene Sitzwarte bezieht, auf der es gefüttert wird. Und ganz allmählich steigert die Mutter nun den Schwierigkeitsgrad für die Jungen – erst müssen sie lernen, die Beute im Flug aus den Klauen der Mutter zu übernehmen, danach lässt das Alttier die Beute einfach fallen, so dass die Jungen lernen, sie aufzufangen, bevor sie den Boden erreicht.

So erlangen schliesslich die Jungen aller Vogelarten ihre Selbständigkeit. Alle Mühe der Eltern bei der Partnerwahl, dem Nestbau und den schier endlosen Tagen des brütens und Fütterns sind am Ende belohnt worden.

Eine neue Vogelgeneration hat sich in die Lüfte erhoben.


*ENDE*


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So, ihr Lieben, das wars jetzt mal mit der faszinierenden Vogelwelt.
Ich hoffe, ihr fandet die Beiträge unterhaltsam und danke allen, die bis zum Schluss durchgehalten haben für das Interesse.

Falls irgendjemand interessiert ist, diese Texte irgendwann wiedermal in Ruhe und evtl. auf Papier zu lesen, habe ich alle Texte und Bilder als PDF -Datei zusammengestellt (60 Seiten Haare) - wenn ihr möchtet, schicke ich sie euch gerne per Mail - schreibt mir einfach (meine Mailadresse findet ihr im Impressum), dann bekommt ihr sie. Very Happy

Liebe Grüsse
Esther



« Letzte Änderung: 20. August 2010, 11:04:22 von powerjulchen » Gespeichert
pispezi
Gast
« Antworten #5 am: 19. August 2010, 17:45:05 »

Liebs Julchään,

dis war total optimal! 

Pi...
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Esther
Förmchen-Glucke
Administrator
beflügelt
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Offline Offline

Beiträge: 6073



WWW
« Antworten #6 am: 20. August 2010, 12:54:59 »

Möchte mich auch ganz herzlich bei dir bedanken, liebes Julchen, dass du dir diese Riesenarbeit gemacht hast, die faszinierende Vogelwelt hierher zu kopieren!

 

Du bist 

Liebe Grüsse 
deine dankbare Glucke
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Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg,
was sie nicht sein können,
und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.

(Albert Camus)
helia
Gast
« Antworten #7 am: 04. September 2010, 20:03:27 »



Liebes Julchen,

das hast Du MEGASUPERPRIMAFEIN gemacht    vielen Dank

helia

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Anne
Gast
« Antworten #8 am: 04. September 2010, 20:12:29 »


Danke Julchen, dass ist sehr lieb von Dir, … ich muss  zugeben ich habe noch nicht alles gelesen, werde ich aber sicher in den nächsten Tagen noch nachholen.
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traudel
Gast
« Antworten #9 am: 04. September 2010, 20:28:46 »

Danke Julchen , hast Du toll gemacht!!
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Weisser Bussard
Gast
« Antworten #10 am: 04. September 2010, 21:05:16 »

Liebes Julchen...
...das ist ja unbeschreiblich gut.

Danke auch an Helia, Anne und Traudel, daß sie das entdeckt haben und vorgeholt, denn wenn da nichr fett "heute" hinten gestanden hätte, wäre mir das völlig entgangen
...da ich ja noch ein Förmchenfrischling bin, hatte ich das bisher noch nie gesehen und in Charlies Bar war ich bisher noch nie drin...vielleicht hat mich der Türsteher abgeschreckt bisher

VG Alex
...das ist ja Stoff für zig Winterabende, wenn ich warten muß bis der Bullerjan (kanadischer Holzofen...) durchgebrannt ist.
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powerjulchen
Gast
« Antworten #11 am: 04. September 2010, 21:17:53 »

Das ist ja sehr lieb von euch mir zu danken...aber der Dank gehört ausnahmslos der Glucke....Sie hat das alles geschrieben...........


Ich habs nur hier rübergeholt...weil dieses Meisterwerk nicht verschütt gehen darf....!!!
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Weisser Bussard
Gast
« Antworten #12 am: 04. September 2010, 21:22:09 »

Dannnnnn....

Glucke!
Putt putt putt...
...komm doch einmal her...komm.
 

VG Alex
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eisvogel
Gast
« Antworten #13 am: 06. September 2010, 08:20:27 »

soooooo spannend vielen vielen Dank

Eisvogel
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eisvogel
Gast
« Antworten #14 am: 15. Oktober 2010, 22:32:48 »

Bereits trauern meine Gedanken dem vergangenen Sommer nach, und dabei ist mir eine (wahre) Geschichte in den Sinn gekommen.

Ich wohne ja in der Nähe eines riesigen und wunderschönen Vogel- und Naturschutzgebietes. In diesem Frühling weilte plötzlich ein Flamingo unter den vielen anderen einheimischen Vögel. Was war geschehen, wie kam er hierher? Der Vogel war beringt, liess sich aber natürlich nicht einfangen.

Es wurde viel spekuliert, viele Fachleute gaben ihre Meinung ab, er war auch mehrmals im Fernsehen zu sehen.
Anscheinend ging es ihm gut, er machte keinen schwächlichen Eindruck und (fast) alle hatten ihre Freude an ihm. Jeden Tag kamen viele Leute um ihn zu sehen.

Rundherum wurden die verschiedenen Tierparks angefragt, ob bei ihnen ein Flamingo ausgebüxt war.
Auch der Zürcher Zoo zählt seine Flamingos. Es fehlte nirgendwo ein Flamingo. Grinsend Grinsend
Ueber Nacht wurde der Flamingo von einem eifrigen Jäger, der aber eine offizielle Abschussbewilligung hatte erschossen.
Kurz darauf "bemerkte" der Zürcher Zoo, dass ihnen eben doch ein Flamingo fehlte, aber es war leider bereits zu spät.

Alle Leute waren entsetzt, wie schnell die Behörden hier völlig unsinnig gehandelt haben, und wollten eine Erklärung. Auch ich habe nachgefragt.
Die Begründung war, dass keine nicht heimischen Vögel geduldet würden und er wäre eh an Hunger gestorben.

Eine Obduktion ergab aber, dass der Flamingo bei bester Gesundheit war, und es wohl hier noch lange ausgehalten hätte.
Es hat mich sehr traurig gemacht, wie überschnell die Behörden hier gehandelt haben und die ganze Geschichte ist mir heute eben wieder in den Sinn gekommen.

gute Nacht
eisvogel


« Letzte Änderung: 15. Oktober 2010, 22:36:10 von eisvogel » Gespeichert
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