Tücken einer neuen Stelle

Als mich eines Tages im November eine Kollegin aus einer anderen Abteilung anfragte, ob ich nicht Lust hätte bei ihnen zu arbeiten, da war mein erster Gedanke „nein, das geht nicht, ich hänge doch so an unserer Abteilung“. Wir haben uns jedoch zum Mittagessen verabredet und sie hat mir erzählt, dass ihre Kollegin pensioniert wurde und dass sie nun eine neue Koordinatorin suchen. Da sie mich schon seit längerer Zeit kenne, würde sie sich freuen wenn ich mich bei ihnen bewerben würde. Die Arbeit wäre im Grossen und Ganzen genau die gleiche, die ich in meiner Abteilung auch mache und wenn ich ehrlich bin, gibt es bei uns schon ein paar Kleinig- und Grossigkeiten, die für mich nicht stimmen. Ich habe sie dann gebeten, mir ein paar Tage Zeit zum Überlegen zu geben, was sie auch gerne tat.

Nun kam die Zeit des Hin und Her, des Aufzeichnens der Vor- und Nachteile, des Ja und Nein usw. Ich machte es mir nicht leicht und notierte alles was mir zu diesem Thema einfiel. Auch die Nächte waren nicht mehr mit viel Schlaf gespickt, aber das gehört wahrscheinlich auch dazu. Einerseits identifiziere ich mich mit meiner alten Abteilung, andererseits wäre ich dann ein paar Leute los, die mir das Leben schwer machen. Einerseits sind mir unsere 150 Angestellten schon genug und dort gäbe es 350 solche, andererseits würde ich gerne mit dieser Koordinatoren-Kollegin und dem dortigen Team zusammen arbeiten, usw. Schlussendlich sprang ich über meinen Schatten und bewarb mich, kurz vor meinen Ferien, wovon ich sie natürlich in Kenntnis setzte. Mit einem komischen Gefühl im Bauch wartete ich auf das Kommende – und es kam. Ich wurde Anfang Februar zu Bewerbungsgesprächen eingeladen und zwar wurde ich an einem Nachmittag von 13 – 17 Uhr von einer Person zur anderen weitergereicht und erzählte allen in etwa die gleiche Geschichte, bloss abwechselnd einmal in deutscher und einmal in englischer Sprache. Bis zur letzten Person hatte ich ein gutes Gefühl, habe auch den Excel-Test bestanden, wo mir Fallen gestellt wurden. Dann kam eben diese letzte Person und nagte sich an der Frage fest: „was gefällt dir nicht in der jetzigen Abteilung“. Ich versuchte ihn mit dem Satz „das Klima stimmt nicht mehr für mich“ zu überzeugen, aber er wollte genau wissen, was an diesem Klima denn so falsch war. Nach langem Hin und Her sagte ich zu ihm „ich will niemanden schlecht machen, wäre aber froh um diese neue Stelle“. Da war mein Gefühl nicht mehr allzu gut und ich harrte weiter der Dinge, die nun kommen sollten. Eine Einladung von der Personalabteilung steht noch ins Haus, denn der HR-Mensch war am Bewerbungstag krank.

Immer wieder stellte ich mir die Frage: ist das auch richtig, was ich jetzt mache oder wäre nicht besser der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach? Schliesslich beruhigte ich mich mit dem Gedanken: wenn es sein muss, ist gut – ansonsten ist auch gut!

Heute bekam ich einen Telefon-Anruf von dem „zukünftigen“ Chef, in welchem er mir mitteilte, dass es in der ganzen Firma aus Budget-Gründen einen Personalstopp gibt und dass wir leider die Stelle weiterhin auf Eis legen müssen. Es wären nur noch zwei Personen im Rennen, ein Mann und ich, aber eben – bei Personalstopp geht gar nichts. Ich wusste darüber Bescheid, denn ich bearbeite unsere eigenen 5 offenen Stellen. Was ich aber nicht wusste, ist die Tatsache dass auch interne Wechsel nicht mehr möglich sind. Egal, nun denke ich dass es so sein musste, ärgere mich nicht weiter darüber und geniesse meine mit offenem Mund Nüsse kauende Kollegin vis-à-vis!

4 Gedanken zu „Tücken einer neuen Stelle“

  1. Liebe Struppy, dein Schreiben an und für sich habe ich sprachlich und sinngemäss gut verstanden… aber das Verständniss für das Vorgehen fehlt mir. Wieso eine Person herum jagen, wenn sowie so gespart werden muss. Ja und die Leute, die die Bewerbungsgespräche führten, sind sie wirklich alle dringend nötig, da wäre doch auch Sparpotenzial vorhanden…

    Was bin ich froh, dass ich das alles nicht mehr erleben muss. Ich bin mein eigener Chef… Dir liebe Stuppy wünsche ich, dass die Nüsse kauende Kollegin auch mal lernt den Mund bei Essen zuzuhalten, keine Fingernägel abbricht und dass du in deinem Job und an Team weiter Gefallen findest. Danke für das struppy-mässig gut erfasste Bericht.

    Liebe Grüsse!

  2. Liebe Struppy,

    ich denke das war für irgend etwas gut, dass Du die Abteilung momentan nicht wechseln kannst. Wer weiss was noch kommt… vielleicht ein noch besseres Angebot. So wie Du schreibst, ist es trotz der weniger guten Erfahrung, ein Genuss, das zu lesen.

    Ich wünsche dir auf deinem beruflichen Lebensweg weiterhin viele erfreuliche Erlebnisse und das die Nüssli-Kauerin bald aus deinem Blickfeld verschwinden möge.

    Liebe Grüsse

  3. Danke für Deine Schilderung, liebe Struppy!
    Das ist wirklich absurd, wie es manchmal läuft – so ein weiter Weg, von der persönlichen Entscheidfindung über die xStunden Bewerbungsgespräche – nur um dann zu erfahren, dass die Firma es sich anders überlegt hat.
    Aber man weiss ja nie, wofür es gut ist und ich wünsche dir von Herzen, dass es an deinem jetzigen Arbeitsort etwas besser wird.
    Deine Kollegin könnte ja zB. urplötzlich eine Nussallergie entwickeln? 😉

  4. Vieln Dank Struppy für deine Geschichte…ich bin auch der Meinung das alles was im Leben passiert seine Bestimmung hat….so auch das 😉
    Und das mit der Nussallergie fände ich prima 🙂

Kommentare sind geschlossen.