Begebenheiten eines Neueintritts

Es steht mir fern, mich zu wiederholen und über unsere Personalabteilung herzuziehen, aber diese Geschichte muss zu Papier gebracht werden, denn sie ist zu schön um sie nur für mich zu behalten. Angefangen hat das Ganze schon vor mehreren Wochen, als mir mitgeteilt wurde, dass wir einen neuen Laborleiter namens X bekommen würden. Zum klaren Verständnis erkläre ich kurz den Ablauf, was in solchen Fällen gemacht werden muss: als erstes werde ich eine neue Planstelle beantragen indem ich ein dreiseitiges Formular ausfülle und dieses durch – Öffnung eines Tickets im HR System – an die Servicestelle übermittle. Dieser Antrag muss vom Vorgesetzten von X genehmigt werden und sobald das geschehen ist, kann die Person X auf diese Planstelle gesetzt werden – Öffnung eines Tickets – auch wenn die Person physisch noch nicht da ist. Als nächstes wird eine neue Laborleiter-Nummer samt -Namen erstellt, das heisst ein neues Formular ausgefüllt und ja – Öffnung eines Tickets – denn vorher geht das nicht, weil X sonst seine eigene Planstelle hätte genehmigen müssen. Sobald dann diese Laborleiter-Position erstellt ist, kann X auf diese mutiert werden – Öffnung eines Tickets – mit der Bitte, ihm ein Hütchen aufzusetzen, damit er Vorgesetzter von weiteren Personen werden kann. Danach werde ich die Personen, die zu dieser Gruppe transferiert werden sollen durch – Öffnung eines Tickets – transferieren lassen. Das wäre also der Ablauf – bisher alles klar?

Nun zum wirklichen Geschehen von X: Der Anfang stimmt, ich habe das Formular ausgefüllt, das Ticket eröffnet, die Planstelle angefordert und der Vorgesetzte hat diese genehmigt. Als weiteres Vorgehen wäre nun die Mutation von X auf diese Stelle geplant und was sehe ich im System? Er sitzt in einer anderen Abteilung – theoretisch, denn er ist ja noch nicht da – weit weg von der unsrigen. Ich rufe das HR Team an und die wollen das abklären. Nach einem weiteren Tag rufe ich nochmals an und erfahre, dass sie bedauernswerterweise dem Herrn X die falsche Planstelle zugeordnet hätten, denn da wären zwei angefordert worden aus zwei verschiedenen Abteilungen und nun hätten sie diese beiden verwechselt. Auf meine Frage: „Können Sie dies bitte in Ordnung bringen, damit er bei uns in der Abteilung erscheint?“ bekomme ich die Antwort: „Leider geht das nicht, Sie müssen nochmals einen Antrag schicken, damit in Ihrer Abteilung wieder eine Planstelle offen ist.“ Auch wenn mir das überhaupt nicht logisch erscheint, denn es gibt doch schon eine offene Stelle, was nun aber der Dame am anderen Ende keinesfalls einleuchtet, fange ich nochmals von vorne an. Das Formular existiert ja schon, also dauert es nicht allzu lange und ich bekomme wieder eine Planstelle zugeordnet. Ganz schnell lasse ich mit dem nächsten Ticket X auf diese setzen, bevor sie wieder was verwechseln und siehe da, ein paar Tage später erscheint er im System in unserer Abteilung. Auf den ersten Blick sieht auch alles gut aus, hätte ich nicht noch einen zweiten Blick hinterher geschickt. Bei diesem entdecke ich nämlich, dass sein Standort noch bei der alten Abteilung geblieben ist, nämlich jenseits vom Väterchen Rhein und wir befinden uns doch alle diesseits. Etwas genervt habe ich ein Mail an das HR Team geschickt und sie gebeten, den Standort zu ändern. Ziemlich schnell bekomme ich ein Mail zurück mit dem Inhalt, dass sie das leider so nicht annehmen dürfen und dass ich ein Ticket eröffnen soll für einen Umzug. Das leuchtet mir ein, dass eine Person, die physisch noch gar nicht da ist, gerne einmal umziehen möchte. Immerhin haben sie nach dem Empfang dieses Tickets rasch reagiert und der Standort erscheint danach richtig im System.

Als nächstes eröffne ich nun die Laborleiter-Stelle mit der Bemerkung, Herrn X ein Hütchen aufzusetzen, damit er sein eigenes Labor bekommt und Vorgesetzter werden kann. Im gleichen Antrag gebe ich auch an, welche beiden Techniker zu ihm ins Labor mutiert werden sollen. Sobald der Antrag genehmigt ist und ich die Nummer bekomme, wird X auf diese Nummer gesetzt. Aus früheren Fällen weiss ich, dass ich ab und zu nachschauen muss, ob es erledigt wurde oder noch offen ist und das tue ich deshalb von Zeit zu Zeit. Endlich, X erscheint unter seinem Laborleiter-Namen mit seiner Laborleiter-Nummer – aber oh Schreck – er ist nicht mehr „Senior Investigator II“ sondern nur noch „Investigator I“, was heisst, er ist drei Stufen auf seiner Karriereleiter runtergepurzelt, wohlgemerkt immer noch bevor er angefangen hat zu arbeiten. Ein weiterer Anruf meinerseits soll mich darüber aufklären wie der Fehler passieren konnte. Okay, ich will gar nicht erst versuchen, aus den Erklärungen schlau zu werden, denn sie haben weder Hand noch Fuss – irgendwie ging bei dem vielen Hin und Her der Senior den Bach runter. Ich glaube, Ihr wisst inzwischen, dass dies nicht repariert werden kann und dass ich nochmals einen Antrag stellen muss, was ich zwar sofort in die Hand nehme, aber inzwischen ist die Zeit der Einstellungsphase abgelaufen und Herr X hat seine Arbeit aufgenommen. Er hat sich nicht beschwert, dass er einen falschen Titel hat, nein, er hat nur ganz nett angefragt, warum dem so sei und ich habe ihm ganz nett versucht zu erklären, dass dieser Irrtum in Wirklichkeit nicht zu erklären sei und dass es sich bestimmt nur noch um einige wenige Tage handeln würde, dann sei der ganze Spuk vorbei und er hätte seinen „Senior“ wieder, was dann auch wirklich der Fall war!

Jedoch ist dies noch nicht ganz das Ende des Dramas, denn beim Wiederfinden des Seniors wurde vergessen, dass die beiden Techniker zu X mutiert werden sollten. Erst nach ein paar Tagen, als er die Jahreszielsetzung mit ihnen durchgehen wollte, bemerkte er, dass er keinen Zugriff zu den beiden Personen hatte. Ganz freundlich fragt er bei mir an und ganz freundlich gebe ich seine Frage an HR weiter. Die erklären mir auch ganz freundlich, dass ich dies per neues Ticket erledigen soll. Nicht mehr ganz so freundlich, sondern extrem bestimmt mache ich dem lieben Team klar, dass ich dies keinesfalls zu tun gedenke, weil nämlich dieses ausgefüllte Formular schon bei ihnen läge und dass sie dieses bitte verwenden sollen. Es ist kaum zu glauben, aber genau das haben sie danach getan und jetzt scheint tatsächlich alles seine Richtigkeit zu haben, nach nur mal zwei Monaten.

9 Gedanken zu „Begebenheiten eines Neueintritts“

  1. ❓ ❓ ❓

    Mir schwirrt der Kopf vor lauter Tickets….. 😯

    Aber wenn das einer schafft dann Du…… 😉

    Du solltest vielleicht vom Ticketverkäufer umsatteln als Buchautor….. 😀
    wieder einmal super geschrieben…. 😛

  2. Jesses Maria, wenn mal etwas nicht rund läuft, ist der Teufel drinn 🙂
    Deine Geduld Struppy, ist bewundernswert 🙂

  3. Meine Güte, liebe Struppy, ein echter bürokratischer Alptraum ist das!
    Meine Bewunderung, dass du da nicht schon längst durchgedreht bist – und meinen herzlichen Dank für diesen wie immer tollen Text!
    Liebs Grüessli

  4. Ohhhhh Schreck lass nach!!! Wir suchen für unsere Abteilung gerade eine neue Putzfrau….was wenn die nun mutiert?? Brauchen wir ein Hütchen für sie?? Wo kriegen wir das Ticket für den Umzug her…wo wir doch noch gar nicht wissen wo sie wohnt und erst recht nicht wer sie ist?!!!! 🙂 Liebe Struppy, ich glaube das kannst wirklich nur du schaffen! Was? Na das ich mich über etwas totlache von dem ich mir nicht ganz sicher bin wieviel ich davon überhaupt verstanden habe. Toller Text, herrlich geschrieben, Vielen Dank!

  5. Irgendwie ein ‚interner Marsch durch die Institutionen.“ Hab mich eben kringelig gelacht (aber keineswegs gewundert…) und wünsch dir entspannte, ticket- und HRfreie Träume. Klasse-Glosse!

  6. Jetzt habe ich mich kringelig gelacht und staubig gewundert! 🙂
    Das ist ja UNGLAUBLICH!!! Wie wär’s, wenn Du DIR ein Hütchen aufsetzt und vor dem Gebäude Tickets verkaufst? Dann wüsstest Du wenigstens, weshalb Du so viele Tickets hast! 😉
    SUPER geschrieben!

Kommentare sind geschlossen.