Ein struppiger Morgen

Morgens muss es immer etwas zügig vorwärts gehen im Hause Struppy, da bleibt nicht viel Platz für gescheite Gedanken und daher passiert es ab und zu, dass etwas zuhause liegen bleibt oder dass ich mich an etwas Wichtiges einfach nicht mehr erinnern kann. So geschah es auch heute Morgen, doch fangen wir vorne an: Nach einem „ach-nein-das-kann-nicht-sein-dass-der-Wecker-jetzt-schon-klingelt“- und „ich-mag-aber-doch-gar-nicht-aufstehen-weil-ich-bin-doch-noch-so-müde“-Gestöhne, schlage ich trotzdem die Decke zurück, öffne die Fenster und versuche, mich unter der Dusche zu finden, oder wenigstens die Augen soweit zu öffnen, dass ich mit Suchen beginnen kann. Schliesslich fand ich zuerst mich, dann die Kleider des heutigen Tages und hechte im gestreckten Galopp (na ja, wohl eher in einem gemütlichen Trab) zur Kaffeemaschine, dem wichtigsten Gerät des frühen Morgens.

Langsam kann ich meine Geister zum Leben erwecken und esse ein paar Cornflakes zum Kaffee, na klar die gesunden dunklen, versteht sich. Sozusagen als Nachspeise darf ich mir noch drei Tablettchen einwerfen, zwei direkt zum Runterspülen und eine Lutschtablette. Die zwei Kleinen sind kein Problem, die verirren sich irgendwo im Kaffee, aber an die dritte kann ich mich erst wieder erinnern, als ich auf der Autobahn im Stau stehe. So weit sind wir jedoch noch gar nicht, denn erst werden die Mehrschweinchen gefüttert, dann wird nach heftigem Dialog mit mir selber – das wäre dann wohl eher ein Monolog – entschieden, ob Jacke, Mantel oder gar nichts und ob Sandalen oder geschlossene Schuhe. Nachdem ich mir mit Vehemenz gedroht habe, dass ich schon bald den ganzen Winter Schuhe und Mantel tragen würde, fiel die Entscheidung klar zugunsten der Sandalen aus, auch wenn ich meine Kollegin schon jetzt hören kann: „Was, du trägst noch immer Sandalen ohne Socken?“ Ich höre aber auch schon meine Antwort: „Klar, zu Sandalen trägt man keine Socken und zudem: es ist ja erst Oktober“! – „Aber es hat doch höchstens 10 Grad“! – „Ich weiss, aber am Nachmittag wird’s warm und da wärst du froh, du könntest deine Füsse (ehrlich, ich habe nicht ‚Quadratlatschen‘ gesagt) etwas auslüften.“ Ach herrjeh, jetzt bin ich schon wieder abgeschweift.

Also zurück in die Küche, aber nur kurz, denn ich verlasse nun diese offiziell, gehe die Treppe runter zur Garage, setze mich ins Auto und will dieses starten. Jedoch wo sind die Schlüssel? Wann habe ich die zum letztenmal gesehen? Soll ich jetzt auf Panik machen oder soll ich einfach suchen? Ich entscheide mich für letzteres und gehe zurück in die Küche – dort liegen sie bereit, auf dem iPhone, das auch nicht eingepackt wurde, obwohl es doch mitkommen wollte. Ich stecke beides ein und beim nächsten Versuch startet auch mein Wagen.

Dann kommt eben der erwähnte Stau, bei welchem ich feststelle, dass mein Mund die Lutschtablette gar nicht lutscht. Soll ich jetzt wenden? Ach nein, das lohnt sich nicht. Vielleicht, falls ich mich daran erinnern kann, werde ich sie am Abend zu mir nehmen. Aber Moment: wo ist bloss der USB-Stick mit meinen Text-Änderungen, die ich gestern noch geschrieben habe? Es passt mir ausnahmsweise gut, dass ich im Stau stehe, so kann ich in meinem Rucksack wühlen und nach dem Stick Ausschau halten. Gefunden habe ich ihn zwar nicht, dafür eine frankierte Karte, die ich schon vor mehreren Tagen einwerfen wollte und die Einkaufsliste, die ich gestern gesucht hatte. Beides lasse ich auf dem Beifahrersitz liegen, damit ich es nicht nochmals im Rucksack vergesse. Der Stau löst sich langsam auf und deshalb beschliesse ich, nicht nochmals zuhause vorbeizufahren, um den Stick zu holen. Es bleibt mir nur noch eines: alles nochmals schreiben, was ich gestern Abend zuhause getippt habe, um mir die Zeit im Geschäft zu sparen! Zum Glück bin ich nicht vergesslich, das ist mein einziger Trost! 😉

4 Gedanken zu „Ein struppiger Morgen“

  1. So eine Geschichte koennte ich auch geschrieben haben wenn ich so talentiert waere wie Struppy. Wenigstens fuehle ich mich nicht mehr so einsam, bin in guter Gesellschft!

  2. Super geschieben, liebe Struppy – vielen Dank!
    Ich sage ja immer, es geht nichts über eine gute Organisation.
    Ausser vielleicht eine grosse Portion Humor um das Chaos zu ertragen. 😉

Kommentare sind geschlossen.