Grüssen

Der Grund, weshalb ich morgens schon zwischen 8 und 9 Uhr unterwegs bin, ist der dass es im Moment sehr heiss ist und man am Morgen am besten die Gräber auf dem Friedhof giessen kann. Die Sonne scheint da noch nicht drauf, wohingegen sie ab 10 Uhr bis zum späten Abend die Blumen richtig mit ihren Strahlen bedeckt. Da ich nun an meinen freien Tagen (Wochenende und Montag) wie gesagt so früh unterwegs bin und da in unseren Orten die Leute noch grüssen, habe ich mir angewöhnt, diese mit einem freundlichen „Guten Morgen“ zu beglücken. Nun ist mir aber aufgefallen, dass Laufen, ganz im Gegensatz zu Grellingen, wo ich aufgewachsen bin, nicht mit „Guten Morgen“ grüsst. Lasst es mich doch bitte kurz erklären:

Kaum bin ich losgezogen, begegne ich in der Nachbarschaft einer älteren Dame und sage frisch und fröhlich „Guten Morgen“. Die Dame erwidert ebenso frisch und fröhlich „Taaag“ und zwar vom oberen A eine Oktave runter zum unteren A. Interessant denke ich und gehe weiter.

Da treffe ich auf eine Dame mittleren Alters, welche ich mit „Guten Morgen“ anrede. Sie grüsst mit einem „Guten Tag“ zurück und zwar hoch-hoch-tief, mit nur 4 Tönen dazwischen, also quasi eine halbe Oktave. Ich nehme es ihr aber nicht übel, weil sie dazu ein freundliches Gesicht aufgesetzt hat.

Weiter geht es über die Brücke, wo zwei Damen am Reden sind, deshalb muss ich meinen Gruss etwas abändern in „Guten Morgen miteinander“. Die beiden legen eine kurze Pause ein und grüssen zurück, einmal mit einem Oktaven-„Taaag“ und einmal mit einem Halboktaven-„Guten Tag“.

Jetzt komme ich langsam gegen den Bahnhof und dort kommt eine Frau aus einem gelben Bus, welche ich mit „Guten Morgen“ anspreche. Die Frau sagt in einem unverkennbaren Schwarzbuben-Dialekt „Grüessech“, wobei sie das „üe“ betont und auf dem letzten „ch“ ausharrt, bis ich Angst um Ihre Kehle bekam.

Nun geht meine Wanderung Richtung Coop, wo ich zum erstenmal einer Person männlichen Geschlechts begegne und diesen mit meinem üblichen „Guten Morgen“ anspreche. Der Herr schaut etwas verblüfft in meine Richtung und sagt „Griezi“, was sich typisch schweizerisch anhört und etwas Ähnliches ist wie „Grüessech“, nur mit weniger Abnutzungserscheinungen der Halswand.

Langsam finde ich mich damit ab, dass niemand wirklich „Guten Morgen“ sagen will und versuche es mit der jungen Frau, die auf mich zukommt nochmals: „Guten Morgen“! Und sie schaut kurz von ihrem Bodenblick auf – hoffentlich stolpert sie jetzt nicht, weil ich sie aus dem Konzept gebracht habe – und sagt: „Hallo“.

Okay, ich gebe auf, komme langsam auch schon auf dem Friedhof an und suche die Spritzkanne, die sonst immer beim Brunnen steht, nur diesmal nicht. Da kommt eine Frau auf mich zu mit dem gesuchten Gegenstand in der Hand. Ich strahle sie an und sage voller Freude, dass ich nicht mehr suchen muss: „Guete Tag“ und was sagt sie? „GUTEN MORGEN“! Die kommt bestimmt aus Grellingen!

5 Gedanken zu „Grüssen“

  1. Super Struppy wie du aus einer kurzen Zeit frühmorgens eine herrliche Geschichte machst. So lustig erzählt, ich kann die Details „erfühlen“! Danke für die Unterhaltung!

    1. Struppy….. 😆 soooo gut …..ich werde es gleich wenn ich einkaufen gehe auch mal ausprobieren 😆

  2. Soooooo guet! 😀 😀 😀
    Ich kann es mir so richtig lebhaft vorstellen. Und soo gut geschrieben!
    Da hätte ich Dir noch einen Tipp für die nächste Story: geh doch mal nach der Mittagspause spazieren…. Du wirst die Schwarzbuben daran erkennen, dass sie Guten Abend sagen! 😀 😀 😀

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