Träum weiter….

Bestimmt kennt Ihr alle die eine oder andere Version der Geschichte vom reichen Erbonkel in Amerika, den niemand mehr kennt, der aber trotzdem die Freundlichkeit besitzt, sich nach seinem Ableben in Form eines Testamentes zu zeigen, in dem ein hübsches Sümmchen darauf wartet, von kalten und natürlich zutiefst betrauerten, in warme Hände zu wechseln.

In Wirklichkeit passiert so etwas natürlich eher selten.
Bei mir jedenfalls war der einzige tatsächlich um ein paar Ecken Verwandte und scheinbar verschollene Erblasser so verschuldet, dass der Erbschaftsbeamte, der die Sache regelte, bereits die Formulare für die Ablehnung des Erbes ausgefüllt hatte und so konnte ich mich freuen, mit einer einzigen Unterschrift eine recht grosse Summe gespart zu haben. Aber irgendwie war diese Erbonkelvariante doch nicht ganz so prickelnd. Ganz zu schweigen, dass der Typ nicht in Amerika, sondern in Gipf-Oberfrick gewohnt hatte.

Umso mehr staunte ich heute, als ich im Briefkasten ein Schreiben aus Spanien fand, in dem mir eine gewisse Mrs. A. B. L. erklärte, auf der Bank, für die sie arbeite liege seit 2006 ein Vermögen von 69,4 Millionen Dollar, das einem Menschen gehört habe, der den gleichen Nachnamen habe wie ich und tragischerweise zusammen mit seiner ganzen Familie bei einem Brand seiner Residenz in Valencia ums Leben gekommen sei.

Seither suche man nach Erben, die es aber offensichtlich nicht gebe.
Und falls man bis Ende Jahr niemanden finde, gehe das Geld an den spanischen Staat.
Die gute Frau schlug mir deshalb ein Geschäft vor. Ich solle Anspruch auf dieses Vermögen erheben – sie helfe mir dabei und besorge alle nötigen Papiere usw. und dafür bekomme ich dann 40% der Summe, 50% sei für sie und 10% würde an eine wohltätige Organisation gehen. Und natürlich solle das unter uns bleiben und ich solle sie auch nicht über die Bank anrufen, da ihr Telefon vermutlich überwacht werde (!) und sie würde mir weitere Informationen geben, sobald ich sie privat (Mail oder Telefon) kontaktieren würde.

Dennoch GARANTIERE (in Grossbuchstaben) sie mir, dass diese ganze Sache unter einem legalen und gesetzeskonformen Prozess ablaufen werde.

Den Schlusssatz des Briefes fand ich am besten. Dort betonte sie nämlich, bis sie etwas von mir höre, ruhten ihre Träume auf meinen Schultern. So etwas Poetisches hat bisher noch nie jemand zu mir gesagt,  geschweige denn jemand, der für eine Bank arbeitet.

Aber eben, Träume sind Schäume und die Masche ist leider nicht wirklich neu.
Ich habe dann die Dame gegoogelt und sie existiert tatsächlich und arbeitet im Direktorium jener Bank – und weiss garantiert nicht, was für Machenschaften da in ihrem Namen getrieben werden.
Ich habe ihr (also der Echten) zur Info einen Scan des Briefes gemailt – vielleicht will sie der Sache ja nachgehen.

Oder vielleicht bekomme ich ja sogar eine Belohnung für diese Information? Es müssen ja nicht unbedingt 40% von 69.4 Millionen Dollar sein. Ein Dankeschön genügt vollkommen. 😉

4 Gedanken zu „Träum weiter….“

  1. Liebe Esther,
    dein Beitrag ist wieder so gut formuliert, auch wenn diese „Versprechungen“ einzig dazu dienen, den Empfänger zu nerven. Jetzt bin ich aber gespannt, ob du je von der Original-Person hören wirst. Vielleicht wollte sie ja wirklich selber ein „Ding“ drehen?
    Vielen Dank für den Beitrag und liebe Grüsse
    Struppy

    1. Danke, liebe Struppy! Es geht allerdings um mehr, als blosses Nerven. Meinen Recherchen zufolge zielt diese Masche darauf ab, dass ab einem bestimmten Punkt in diesem ganzen fingierten Prozess Gebühren fällig werden (und zwar nicht geringe) für all die Papiere usw. Und die soll man dann natürlich im Voraus bezahlen.
      Mich erstaunt, dass dies offenbar von nicht wenigen Leuten gemacht wird.
      Aber offenbar löscht das Traumbild eines grossen Haufen Geldes in vielen Fällen die Vernunft so ziemlich aus.
      Ich werde auf jeden Fall berichten, falls sich etwas weiteres tut.
      Liebe Grüsse
      Esther

      1. Meine Güte….von dieser „Masche“ hatte ich bisher noch nicht gehört. Aber das mit dem „Hirn auschalten bei Aussicht auf viel Geld“ stimmt schon. Anders lässt sich nicht erklären warum Menschen sich am Telefon einreden lassen sie hätten bei einem Preisausschreiben gewonnen an dem sie gar nicht teilgenommen haben. Wie immer brilliant erzählt, Danke

  2. Tstststs…..man muss nur Ideen haben um an andere Leute Geld zu kommen….. 😀

    Also eine Belohnung wäre wirklich nicht schlecht…. das hättest Du dir bei Deiner Schreibe mehr als verdient…… 😛

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