Advent Advent

Mit raschen Schritten kommt er auf uns zu, der Advent. Das bemerken wir aber nur, weil unsere Nachbarin schon seit Wochen an der Weihnachtsdekoration arbeitet und schon seit Anfang November den Hausgang mit Weihnachtskugeln und künstlichem Weihnachtsstern geschmückt hat. Auf einmal ist er dann da, der erste Advent – das heisst, noch nicht ganz, denn es ist erst Samstag, als ich meinen Mann auf den Estrich jage und mich unten an der Leiter hin platziere, damit ich die ca. zehn Schachteln mit diversem Weihnachts-Material mit ausgestrecktem Selbst entgegenzunehmen versuche. Im Wohnzimmer wird erst alles in Reih und Glied hingestellt und alle Deckel entfernt. Dann beschliessen wir wie jedes Jahr: Herr Struppy hängt die Lichterketten an die Fenster, Frau Struppy dekoriert die Wohnung mit Kugeln, Sternen, künstlichen Eiszapfen etc. Kaum stehe ich auf dem Tisch (na ja, es geht nun mal nicht anders, um Sterne an den Leuchter zu hängen), da höre ich ein Rufen durchs Wohnzimmer schallen: „kannst du rasch kommen, da ist eine Feder weggespickt und ich kann sie nicht mehr finden“. Dazu muss ich sagen, dass wir (noch) selbstgehäkelte halblange Vorhänge haben und diese an einer Holzstange hängen, die von zwei Holzzäpfen mit Feder gehalten werden – leider nicht allzu gut, da sie alle, die Hölzchen wie auch die Federn, in die Jahre gekommen sind. Das ist genau der Zeitpunkt, an welchem wir jedes Jahr beschliessen: nächstes Jahr kaufen wir neue Vorhänge oder Lamellen und ein besseres System, sie aufzuhängen. Bei dieser Aussage bleibt es dann üblicherweise und der nächste Advent kommt trotzdem Jahr für Jahr.

Also, ich suche die Feder, die ja schliesslich irgendwo sein muss. Ah ja, unter dem Sofa sieht es so aus und ich mache mich klein und schlüpfe hinter dem Sofa durch und als ich da auf allen Vieren vor mich hin taste, da ruft es von oben: „bleib unten, es ist nochmals eine Feder weggespickt“. Über die restlichen Wörter die unsere Vorhangeinrichtung dabei an den Kopf geworfen bekam, möchte ich mich hier nicht wirklich äussern! Die zweite Feder war das kleinere Übel, denn die hing an meiner Frisur und da ich den „Aufprall“ live mitbekam, hatte ich sie schnell zur Hand. Die beiden Federn werden nun in die Vorrichtung gestopft und damit das gleiche nicht nochmals passiert, stelle ich mich auf einen Zweitritt (meine Körpergrösse reicht leider nicht bis ganz oben hin) und halte auf einer Seite, während mein Mann auf der anderen die Stange samt Lichterkette in die Vorrichtung reinschiebt. So, ein Fenster ist fertig und es geht ans nächste. Meine Frage „kann ich weiter Sterne aufhängen – bist du okay?“ wurde mit einem „wenn es denn sein muss“ beantwortet und wir widmen uns wieder separat den verschiedenen Arten von Schmuck.

Bald ertönen die schönen Worte: „komm mal her – du musst auf einer Seite halten“. Okay, ich lasse mich vom Tisch runtergleiten und begebe mich wieder auf meinen Zweitritt. Eigentlich hängen erst zwei Sterne, aber wir haben ja den ganzen Tag Zeit! Nachdem diese Lichterkette dort hängt, wo sie hingehört und nur der Vorhang noch ein kleines bisschen nach rechts gerückt werden muss, fällt mir mit grossem „Plupp“ die Stange entgegen und die Feder versteckt sich mit allen ihr gegebenen Fähigkeiten irgendwo im Raum. Mein Mann ist hell begeistert und schreit nach eventuellen Ersatzfedern – nein, haben wir nicht und ich versuche ihm klarzumachen, dass sie ja irgendwo sein muss, denn Federn lösen sich nur ganz selten in Luft auf. Und da ist sie auch schon, fröhlich steckt sie zwischen zwei Sofa-Kissen und grinst mir entgegen. Nachdem alles wieder montiert und zurechtgerückt ist, geht es ans Einstellen der Zeitschaltuhr, jedoch nicht ohne vorher schnell per Direkteinstecken in die Steckdose zu versuchen, ob dann auch alles schön brennen wird. O-O, das sieht aber gar nicht gut aus, zwei-drei  Kolonnen brennen wunderbar, die anderen alle nicht. Müssen wir nun wirklich jedes dieser –zig kleinen Glühbirnen aus- und wieder einstecken? Nein, das müssen wir nicht, haben wir beide in gegenseitigem Einvernehmen beschlossen, denn schliesslich hat diese Lichterkette auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und darf deshalb ruhigen Gewissens ausgewechselt werden. Na dann, alles wieder rückgängig gemacht, Stangen von den Vorrichtungen gekippt, Federchen spicken lassen, auf dem Boden herumgekrochen und danach gesucht, Lichterkette rausgefahren, Stange samt Vorhang über eine Stuhllehne gestülpt und in den Do-it-yourself gefahren um eine neue Lichterkette zu erwerben.

Da es doch ganz verschiedene Exemplare gibt, bin ich froh mitgefahren zu sein, so kann ich doch meine Kommentare abgeben: „nein farbige kommen mir keine ins Haus, nein etwas blinkendes kommt nicht in Frage, nein dieses Licht ist viel zu bläulich-weiss, ich mag lieber gelblich-weisse“ etc. Schliesslich haben wir die richtige – okay, mit den Sternchen dran kann ich mich vielleicht mit der Zeit anfreunden, denn von weitem sieht man die ja nicht wirklich – und fahren wieder nach Hause. Jetzt probiert der beste Lichterketten-Monteur aller Zeiten erst, ob die Lichtlein auch alle brennen – tun sie – und dann wird wieder montiert. Es ist nun schon weit nach der Mittagszeit, aber das Brummeln im Magen wird nicht beachtet, denn es gibt doch noch so viel zu tun. Sternchen, Kugeln usw. werden nun an die diversen kahlen Stellen gehängt, der Adventskranz kommt aufs Tischchen bei Sofa, der Türkranz wird – wie es sein Name verlangt – an der Eingangstüre befestigt, Kläuse, Rentiere, Pinguine und Bären werden zu Dekozwecken an verschiedenen Standorten hingestellt, Schneeflocken werden an die Fenster gepeppt, mit Tannästen und Kügelchen dran wird die Aussenseite des Hauses geschmückt und alle Weihnachts-CDs werden ins Wohnzimmer geschleppt. Als die fast leeren Schachteln wieder auf dem Estrich stehen, fragen wir uns, ob wir nun zu Mittag oder zu Abend kochen sollen. Ein interessanter und aufregender Tag neigt sich nämlich schon dem Ende zu und die Lichterkette beginnt sogleich mit uns um die Wette zu strahlen.

10 Gedanken zu „Advent Advent“

  1. Liebe Struppy

    Danke für die Adventgeschichte, so spitze geschrieben….währe gerne eine kleine Maus gewesen.[img]http://up.picr.de/12843297mg.gif[/img]

  2. Ich habs ja nicht so mit der Vorweihnachtszeit…..aber nachdem ich deine Geschichte gelesen habe, finde ich tatsächlich ein breites Lächeln in meinem Gesicht!
    Danke und alles Liebe, Martina

  3. Liebi Schwuppy
    Soooowas von HERRLICH geschrieben 😀 Ich kann mir das sehr gut vorstellen und habe mich gerade gekuuuugelt wie eine Weihnachtskugel! 😀 😀
    Viiiiele Dank
    Dini Schwirbel 😉

  4. Sehr schön ge- und beschrieben Struppy. Als wäre ich mit euch in der guten Stube. Danke für die vielen Lacher 😀

    Lg halli

  5. Beschwingt wie eure Lichterketten sich inzwischen in den Vorhangstangen schaukeln erzählst du dieses heiter beschwingte Weihnachtsmärchen, liebi Struppy 🙂

    1. Struppy…..an Dir ist eine Autorin verloren gegangen……ich hab alles genau vor mir gesehen….vielleicht sollte ich euch im Herbst 2013 dran erinnern das ihr neue Vorhänge kaufen wollt 🙂

  6. Feini Story, liebi Struppy… aber wäisch was? Bin iiich froh, dass du und nöd ich mich ha müesse mit Chläus, Räntierli, Pingus, Bärlis, pickte, ähm gschpickte Fäderlis zwüsched Sofachüssis, Chugelis, Stärnlis, Iiszäpfe, nöd funktionifizierende Glüehlämplikolonne und söttigem Zügs umeschlaa… Entspannt nöd Wiehnacht fiire hät ganz klar gewüssi Vorteil, das schläckt ekäi Geiss ewäg ;-).
    Nüt deschto trotz: Fröhlichi und hoffentlich au es Bitzeli erholsami Fiirtig dir und em Thomas.

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