Wir füttern Möwen

Es waren einmal zwei Tierliebhaberinnen, eine Geflügel- und eine Nagerhalterin, die beschlossen eines schönen Tages – nämlich heute – Möwen füttern zu gehen.

Dafür musste aber zuerst das harte Brot der Nagerhalterin gefügig gemacht werden, weshalb die Geflügelhalterin schnellentschlossen nach einem grossen Hammer griff und damit wie wild auf das arme Brot eindrosch! Der Erfolg war durchschlagend: das Brot wurde zu zwei Dritteln in Form von kleinen Stückchen und zu einem Drittel als Paniermehl in eine Tasche gepackt und auf ging es mit der Beute: hungrige Möwenschnäbel warteten auf die Beiden.

Aber zuerst fuhren die Beiden in den Erlenpark, wo sich aber schon eine Menschenmenge befand, die alle Parkplätze besetzten. Die Zwei entschlossen sich deshalb, auf einem ca. 5 Meter breiten Trottoir hinter bereits parkierten Autos ihr Gefährt zur Ruhe zu setzen. Natürlich hatten die Tierhalterinnen die Berechtigung, schon rein aus der Tatsache heraus, dass es die armen Möwen vor dem Hungertod zu bewahren galt.

An der Wiese warteten sie auf uns… gut, zu allererst nicht. Aber das lag bestimmt nur daran, dass schon viele Frühlingsverspürende an dem Flüsschen picknickten, oder gar eine Wurst über dem Feuer schwitzen liessen. Ja, daaas mögen Möwen ja schliesslich gaar nicht, und deshalb mussten sie sich ein bisschen weiter Richtung Rhein verschieben. Die Geflügel- und die Nagerhalterin marschierten also schwatzend Richtung Rhein und nur ab und zu registrierten sie, dass eigentlich nicht nur keine Möwen, sondern nicht mal eine müde Ente zu sehen war. Mit der Zeit zweifelten sie etwas an ihrer Überzeugung, dass die Wasservögel schon Stunden auf sie warteten, schlimmer noch: wahrscheinlich wollten sie einfach das Brot der Nagerhalterin üüüberhaupt nicht essen, weil sie aus weiter Ferne schon spürten, wiiie trocken man ihnen dies servieren wollte.

DA! Schrie eine der Beiden! Da vorne sind drei Möwen! Der Schritt wurde um einen Gang erhöht, aber es nützte nichts: als die Beiden die Stelle mit den drei Möwen erreichten, hatte die schon lange das Weite gesucht!

Musste ein Versehen möwenseits gewesen sein und überhaupt: weiter vorne wurden mindestens acht Wasserenten entdeckt, die konnten schliesslich auch mit den brotigen Leckerbissen verwöhnt werden. Zur Freude der Beiden flüchteten die Enten tatsächlich nicht, – mussten sie ja auch nicht! Denn sie befanden sich ausgerechnet an DER Stelle, die soweit vom Weglein entfernt war, dass die beiden Bebroteten sie mit ihren Geschossen unmöglich erreichen konnten.

Ok, das leichte Grinsen auf den Schnäbeln der Gefiederten ignorierten die Wohltäter und gingen weiter, Richtung Rhein.

Aber das war noch nicht alles, das die zwei an Demütigungen zu ertragen hatten: eine neue Gruppe Möwen, die angesteuert wurde, drehte im letzten Moment noch ab und flogen mit Hochgeschwindigkeit Richtung Frankreich! Wahrscheinlich wollten sie sich vor den Beiden gerade noch über die Grenze in Sicherheit bringen, um dann dans la Grande Nation um Asyl zu bitten.

Ein starkes Stück! Undankbares Gefiedervolk! Jawoll!

Mit Plattfüssen erreichten die zwei Unverwüstlichen dann doch noch eine sich opfernde Gruppe Möwen, und die wurden reichlich mit den vorgefertigten Brotmöckchen beworfen, ob es ihnen gefiel oder nicht! Aber eigentlich schien es ihnen recht gut zu schmecken. Beflügelt und überwältigt von Glücksgefühlen, dass das Futter doch noch an die Möwe kam, war die Geflügelhalterin nicht mehr GANZ Frau ihrer Bewegungen! Und so kam es, dass sie eine Handvoll Brotkrumen in den Gegenwind warf und damit die Nagerhalterin voll einpanierte. Da stand diese, wie ein querschlankes Cordon bleu, blind wie ein Maulwurf und nahm erst mal die Brille von der Nase, um die Augen freischaufeln zu können.

Sonst gelang das ganze Unterfangen aber einwandfrei und ohne weitere Pannen! Möwen satt, die Beiden glücklich wieder auf dem Rückweg und nach einer Weile war das Auto wieder erreicht! DA allerdings kräuselte sich die Haut auf der Stirne langsam zu einem Faltenjura: DA steckte doch tatsächlich Post von der Polizei am Scheibenwischer! Die Nagerhalterin dachte nur einen ganz kleinen Moment, dass sich die Polizei vielleicht für den aufopferungsvollen Einsatz zum Wohle der gefiederten Freunde BEDANKEN wollte! Nein, das war doch vielleicht etwas zu viel verlangt! Und dies in jeder Beziehung! Die Polizei lud die Halterin des Autos mehr oder weniger freundlich ein, 40 Schweizerfranken in der staatliche Kaffeekasse einzulegen. Und dies aus dem einleuchtenden Grund, weil das Auto auf dem Trottoir stand und MEHR als 1,5 Meter für das wandernde Volk frei liess. Jaa, das leuchtet ein: käme jetzt ein alkoholisierter Mensch von 1,7 Meter Länge vorbei, der sich mangels Beherrschung seiner Beine vorbeirollen möchte, dannn, ja dann wäre das Auto doch tatsächlich voll im Weg! Und deshalb war es für die Beiden eigentlich einleuchtend, dass eine Busse für den Fall der Fälle gerechtfertigt war. Einseitig wurde beschlossen, die Opfergabe an den Staat durch zwei zu teilen, was den Alkoholisierten wahrscheinlich wenig kümmerte, – Hauptsache, er konnte ohne Motorenöl am Kittel glücklich vorbeirollen! 

Ja, das ist die Geschichte von einer ganz gewöhnlichen Möwenfütterung mit ungewöhnlichen und originellen Spezialeinlagen!

8 Gedanken zu „Wir füttern Möwen“

  1. Wenn ihr zwei zusammen unterwegs seid…dann gibt das immer die herrlichsten Geschichten…… 😆 ich habe alles genau so vor meinem Auge gesehen….vom Hammer der das Brot traf …über die flüchtenden Möwen nach Frankreich…..bis zum Cordon bleu….ganz grosses Kino !!!!

  2. Super, Zwirbel! So gut geschrieben! Ich sehe das alles vor mir, als ob ich selber dabei gewesen wäre! :mrgreen:

  3. So, jetzt bin ich spezielle aufgeblieben und es hat sich gelohnt. Werde morgen bzw. in Jerusealem ist es schin Sonntag, also heute etwas spaeter noch kommentieren.

  4. Hiiiilfeeee! Ich roll auch gerade und meine Beherrschung hat sich ins Nirgendwo verabschiedet. Und dabei bin ich weder 1,7 Meter lang, noch alkoholisiert….ich hab nur gelesen!! 😀 Martina

  5. Also ganz herzlichen Dank an die Geflügel- und Nagerhalterinnen! Habe mich nun ganz köstlich amüsiert . . . ha, ha, ha, ha! Nicht wegen der Busse, aber Ihr Zwei seid so begabt, Geschichten – auch mit nur einem halben Happy-End – so humorvoll zu erzählen!

    Mich würgt und ärgert es auch, wenn ich (kommt zum Glück nur selten vor) solch unbestellte Zettel unter dem Scheibenwischer finde!

    Ein kleiner Wink: Hammerwerfen ist nicht so meine Sache. Ich schneide das Brot in kleine Stückchen bevor es definitiv hart ist.

    Liebs Grüessli
    Ambre

  6. Jetzt bin ich auch endlich dieser herrlichen Geschichte begegnet. So gut erzählt, liebe Nagerhalterin! Ich konnte mich fast nicht mehr erholen. Könntest du nich ab und zu mal hier schreiben??? Mich würde es jedenfalls freuen – und wie! 🙂

    Liebe Grüsse, Struppy

  7. Hallo alle
    auch nach langer Abwesenheit darf ich sehen, immer noch der gleiche VERRÜCKTE Hühnerstall. Habe mich gekugelt ab all den herrlichen Geschichten. Stelle mir Bildlich vor wie das zu ging bei dieser manierphel Geschichte. Weiter so bitte. Habe noch soviel zum lesen was ich sicher nicht an einem Abend schaffen werde, aber macht Spass. Bis blad Ihr lieben……… Gruss marianne

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