Einfacher denken

Laut einer Studie fördert eine unordentliche Umgebung, also zB. ein unaufgeräumter Schreibtisch, die Fähigkeit der Probanden, einfachere Lösungen für ihnen gestellte Aufgaben zu finden.
Offenbar hat das Gehirn die Tendenz, eine unübersichtliche Umgebung mit klarer strukturierten Gedanken zu kompensieren und auf die Komplexität des aussen Wahrgenommenen mit der Reduzierung der Komplexität im Innern zu reagieren.

Persönlich finde ich solche Studien ja immer eine lustige Sache, wobei es meistens weniger die Ergebnisse solcher Arbeiten sind, die mich verblüffen, sondern mehr noch die Tatsache, dass es Leute gibt, die viel Zeit und Geld in die Erforschung von Fragen investieren, die man jetzt nicht unbedingt zu oberst auf der Liste der drängendsten Menscheitsprobleme vermuten würde.
Es gibt ja sogar einen alternativen Nobelpreis für diese Art Forschung, den Ig-Nobel-Preis und auch die Co-Leiterin der oben erwähnten Studie durfte ihn schon einmal entgegen nehmen, damals allerdings zum Thema: „Konzentrieren sich Leute besser oder schlechter, wenn sie eine übervolle Blase haben?“ (Das Ergebnis der Studie lautete etwas verkürzt: „kommt darauf an…“) Bei der Veröffentlichung ihrer jüngsten Forschungsarbeit betonte sie jedoch, dass sie durchaus ernst gemeint sei, vemutlich um eine erneute Nominierung für den Ig-Nobel zu verhindern.

Das Thema Unordnung spricht mich quasi von Natur aus an, tue ich mich doch seit jeher schwer damit, etwas gegen das Chaos zu unternehmen, das sich automatisch um mich herum auszubreiten scheint, wie Fürze nach Bohneneintopf (nur weniger flüchtig), sobald ich mich länger als 10 Minuten am gleichen Ort aufhalte.
Man könnte das Chaos zwar „kreativ“ nennen, aber das wäre eine grobe und unzulässige Beschönigung, da ein grosser Teil allfällig vorhandener Kreativität dafür draufgeht, irgendwelche Dinge zu suchen.

Aber dank der Studie weiss ich jetzt, dass in solchen Situationen wenigstens mein Denken kristallklar und aufgeräumt sein soll. Und tatsächlich dominiert da jeweils ein einfacher Gedanke, der allerdings in Frageform daher kommt: „Wo habe ich das blöde Ding bloss wieder hingekramt?“

Aber halt! Beim Weiterlesen des Studienergebnisses erfahre ich, dass es vor allem die Unordnung auf dem Schreibtisch des Nachbarn sein soll, die mich einfacher denken lässt und nicht das Chaos, das ich selber verursacht habe. Mist. Ich habe ja gar keine Nachbarn in meinem Arbeitsumfeld. Und ich finde es empörend, dass man als alleine arbeitender Mensch sogar vom eigenen Gehirn diskriminiert wird.

Dann jedoch tröste ich mich damit, dass einfaches Denken wohl ohnehin überschätzt wird. Denn ganz ehrlich: Wie könnte durch einfaches Denken die Idee zu solch wichtigen und aufschlussreichen Studien reifen? 😉

4 Gedanken zu „Einfacher denken“

  1. Liebe Esther, so wie du das wieder beschreibst… ich habe mich schon immer gewundert über solche Studien.. es brauch doch Geld, Zeit und Überzeugungskraft an sich selbst…Ein Beispiel aus jüngster Zeit; eine Studie besagt, dass die Jungs die Kältegenen der Mütter erben… ich habe zwar nur einen Sohn, also keinen vergleichbaren zweiten, aber DER hat garantiert NICHT meine kälteresistenze Genen geerbt… und da hat doch der andere jenige gezweifelt, ob ich seine Mutter sei….

  2. Autsch!
    Mein Mann sagte immer: Menschen die unordentlich sind haben ein super Gedächtnis.
    Er suchte selten in seinem Chaos.
    Demnach bin ich nicht die Schlauste – suche andauernd in sämtlichen aufgeräumen Schubladen und Fächern.
    Hast wieder mal den Nagel auf den Kopf getroffen,Esther.
    Gerade heute dachte ich mit einem Lächeln an die Sollbruchstelle.
    Ja, was Du schreibst bleibt hängen !

  3. Ich versuche mir gerade eben vorzustellen, wie geordnet mein Kopfsalat im Kühlschrank vor sich hinvegetiert mit all dem/n chaotisch daneben liegenden Kraut und Rüben 😆

    Habe mich sehr amüsiert über deine denkwürdige Geschichte 😀

  4. Kiiiiiiiicher!
    Aaaber: Du mir das da unten genau erklären können? Na ja, den ersten Satzteil versteht mein einfaches Gemüt gerade noch, aaaber: Was meint der Studiengebärer wohl mit ‚und auf die Komplexität des aussen Wahrgenommenen mit der Reduzierung der Komplexität im Innern zu reagieren.“ ? Zu hoch für mich, aber mir egal 😆

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