Gedanken von Struppy und Willi

Da sitze ich eines Tages im Garten und höre Amsel-Willi jauchzen. Ich jauchze zurück und da kommt Willi in die nähere Umgebung. Nachdem ich mich ein wenig mit ihm unterhalten habe, mache ich mir so meine Gedanken, was Willi wohl denken mag und genau diese Gedanken möchte ich hier gerne hintippen. Erst aber die Geschichte aus meiner Perspektive – habt bitte ein wenig Geduld, dann hört ihr auch, was Willi dazu meint.

 

Also, die heissgeliebte Amsel schwirrt an und setzt sich über mir auf den Kirschbaum und ich beginne die Unterhaltung wie gewohnt mit „Hallo Willi, schön dass du wieder da bist und wunderbar singst du heute wieder“. Der eben gerühmte Vogel scheint sich sehr über das Lob zu freuen und hüpft ins Geäst des Kirschbaumes rein, bis er ausser Sichtweite ist.

Da sage ich zu ihm: „Ah, du willst Verstecken spielen, also suche ich dich“. Nachdem ich mehrmals den Kirschbaum umrundet habe, gebe ich auf und sage: „Du hast gewonnen, ich sehe dich nicht“, worauf er zu meiner Freude ein paar Pfiffe ausstösst, ganz nach dem Motto: „He Struppy, hier bin ich – komm such mich doch“ – und siehe da, ich kann ihn orten und rufe: „Jetzt seh ich dich aber, du musst dir ein neues Versteck aussuchen.“ Nach diesen Worten fliegt Willi davon, kommt aber von der anderen Seite wieder und legt sich in den Garten. Ganz erschrocken frage ich: „Oh Willi, ist dir nicht wohl – wieso streckst du denn alle Fünfe von dir (gemeint sind zwei Flügel, zwei Beine und ein Schwanz)?“

Ich knipse schnell ein Foto von dieser komischen Stellung und kurz darauf erhebt sich Willi wieder und beginnt zu trällern. Dann springt er auf die Vogeltränke, setzt sich hin, kreischt ein bisschen, damit ich ihm auch ja zuschaue, dann setzt er sich rein und fängt an zu plantschen wie wild. Gespannt beobachte ich sein Bad mit den Worten: „Du hast doch ein schönes Leben, Swimming Pool und Abkühlung und alles.“ Danach fliegt er auf’s Dach und singt seinen Abendgesang zu mir runter. Beglückt setze ich mich auf einen Stein, schaue zum Dach hoch und lobe ihn für seinen schönen Gesang. Er hüpft noch etwas durch den Garten, schnappt sich einen Wurm und schaut mich stolz an, worauf ich ihn wieder loben muss.

Nach einer gewissen Zeit fliegt er davon und kommt mit seinem Freund wieder. Zusammen spazieren sie durch das Rosenbeet, über den Rasen, durch den Haselstrauch und auch über die Geranienkistchen. Da ich nun mal ein absoluter Willi-Fan bin (und ein Freak für die Nachbarn und Vorbeiwanderer), fange ich wieder an mit ihm zu reden, so in etwa „super, dass du mir deinen Freund vorstellst und ihr geniesst es beide, gäll“ und so weiter, bis sie sich wieder auf die Flügel schwingen und sich durch die Lüfte tragen lassen.

***

Da ich mich jetzt aber in die Gedankengänge einer Amsel reindenke, möchte ich hier auch noch seine Version zum Besten geben: Willi hört mich jauchzen und fliegt neugierig in meine Nähe und setzt sich auf den Kirschbaum. Dort sieht er, dass alle Kirschen gepflückt sind und für ihn nur noch ein kleines Restchen ganz oben vorhanden ist. Er sucht sich die letzten Kirschenstümmelchen im ganzen Baum zusammen und im dicken Geäst findet er noch ein kleines Etwas, das sich bereit erklärt, den Weg in seinen Schnabel zu suchen. Er pickt also an dieser Kirsche rum und denkt sich: „Die da unten wird mich hier schon nicht beim Essen überraschen, ich bin gut getarnt.“ Nachdem die dort unten immer wieder sagt: „wo bist du denn“, pfeift er ein paar Töne des Dankes und des Abschieds und schwingt sich auf die Flügel.

Die Kirschenresten haben ihm aber geschmeckt und so kommt er bald wieder, legt sich in den Garten, in der Hoffnung, dass noch einige Kirschen runterfallen mögen. Da kommt schon wieder diese Menschin mit ihrem schwarzen Kasten angerückt, stösst irgendwelche ängstliche Töne aus und stört ihn bei seiner wohlverdienten Ruhepause. Nix mit Kirschen, nix mit Ausstrecken oder gar Schlafen, so erhebt er sich halt wieder und macht sich etwas mürrisch auf die Suche nach einem ruhigen Plätzchen.

Im Garten wird er ständig von dieser Paparazza verfolgt, die ihn sogar vom Essen eines schönen dicken Wurmes abhält und die er nun mal vorwurfsvoll anschauen muss. Wenn schon nicht essen, dann eine Abkühlung. Also hüpft Willi auf die Vogeltränke und jauchzt vor Freude über das kühle Nass. Dass diese Menschin schon wieder vor ihm steht nervt ihn schon etwas, denn ein säuberndes Bad ist auch für eine Amsel eine eher intime Angelegenheit. Deshalb beendet er das Baden, rettet sich aufs Dach und fängt an mit seinen Kumpels den Abendgesang zu frohlocken. Aber er hält es im Kopf nicht aus, diese Anwohnerin in seinem Quartier muss schon wieder reinreden und er kann sich kaum auf die Töne seiner Freunde konzentrieren! Zudem hat sie schon wieder das schwarze Teil vor dem Gesicht, ob dort wohl Futter drin ist? Nach langem überlegt er sich, seinen Freund direkt ins Quartier zu holen, damit sie sich besser verständigen können und dies tut er auch.

Die beiden erkunden zusammen den Garten, suchen nach Würmchen und anderen leckeren Speisen und ignorieren bewusst die Frau mit dem schwarzen Kasten, welche schon wieder redet wie ein Wasserfall! Als es ihnen gar zu bunt wird, lassen sie sich vom Wind davon tragen und geniessen das Segeln durch die Lüfte.

11 Gedanken zu „Gedanken von Struppy und Willi“

  1. Herrlich, liebe Struppy, diese Willy-Geschichte aus zwei Perspektiven! 😀
    Obwohl ich ja denke, in Wahrheit liebt dich Willy genauso wie du ihn. 😉
    Und ich bin auch ein grosser Fan von ihm – und von deiner Schreibe sowieso.
    Vielen Dank für den gelungenen Text und die schönen Bilder!
    Liebe Grüsse
    Esther

  2. Soooo schön Struppy ….endlich mal wieder eine Willy Geschichte……und dann auch noch aus Deiner und aus seiner Perspektive….. 😉

    Ich liebe diesen kleinen Kerl….und ich will noch viel viel mehr von ihm hören…..sofort….. 😆

  3. Liebe Struppy, vielen Dank für Deine schöne Willy-Geschichte … soooo herrlich !
    ich bin ja dieser Zeit von Amseln umgeben, und ich spreche auch mit Ihnen … und ich beschütze sie vor dem “ killer “ Mowgli !!

    liebe Grüsse
    mimi

    PS : Liebe anderen Schreiberinnen, ich fange erst an zu lesen im Blog, ich habe ja sooooooooo wenig Zeit ! aber ich werde jeden Tag eine Geschichte lesen … weil ich bin sicher es sind alle ganz tolle Geschichten …

  4. Struppy ! Was für spannende Interpretationen sind das denn!
    Da werde ich tatsächlich über Jahre von meinen Rotschwänzchen, Grünspechtchen, Blaumeischchen an der Nase rumgeführt – quaaasi.
    Ab morgen werde ich mich zwischen meine Nacktschnecken in den Garten hocken … im Yogasitz … und versuchen, die gesamte Zwitscherunterhaltung in einem anderen Sinn zu begreifen. OOMMH ooomh ooomh 😀

  5. Danke Struppy für Deine Willy Geschichte, sie gefällt mir sehr! Ich bin sicher, Du hast ihn missverstanden, er „duldet“ Dich doch schon aus lauter Daankbarkeit für die Winterverpflegung!!

  6. Sooooo ein toller, origineller und alles Text! 😆
    Habe mich köstlich amüsiert…. ausser…..DAS glaubst Du ja selber nicht, dass Willy SO über dich denkt! Ich habe doch schon oft genug die Herzchen in seinen Augen gesehen, wenn er sich vor Dich setzt! 😉 Der Schnüggel!
    Und – gaaanz tolle Bilder hast Du geschossen… ich will MEHR davon sehen! Sofort! 😉
    Vielen Dank für den spannenden Bericht!
    Deine Schwirbel

  7. Liebe Struppy, schön, dass auch jemand anders mit den Vögeln redet! Ich rede jeweils mit den beiden Kohlmeisen, die zum Fenster kommen, um zu betteln. Wenn ich auf dem Balkon nebenan bin und die Meise kommt, sage ich zu ihr, ich komme gleich rüber zum Fenster im andern Zimmer. Sie versteht, und sobald ich beim Fenster ankomme, ist sie auch schon da!
    Mich würde aber auch interessieren, was das für eine „Amsel“ ist. Noch nie im Leben habe ich eine weisse Amsel gesehen mit schwarzen Flecken. Gibts noch mehr solche? Es dünkt mich fast, als wäre sie eine Mischung aus Amsel und Möve!
    Uebrigens wollte ich noch darauf hinweisen, dass in Zürich im Nistkasten am Hochkamin an der Josefstrasse wieder ein Paar Wanderfalken eingezogen sind! Während wir noch warten müssen, bis in Muttenz die Kamera wieder läuft, lohnt es sich doch, ab und zu in Zürich rein zu schauen! Man findet die Kamera unter Stadt-Zürich, dann weiter „Natürliche Vielfalt“, dann Tiere.
    Liebe Grüsse
    Roslarissa

    1. Liebe Roslarissa
      Vielen Dank für deine Worte. Es freut mich sehr, dass du auch mit den Kohlmeisen redest und dass sie auf dich hören und dich immer wieder besuchen kommen. Was den Willi betrifft, er war eine Halbalbino-Amsel und zwar kam er während 6 Jahren und wurde nach jeder Mauser ein bisschen weisser. Im ersten Jahr hatte er nur einen weissen Streifen am Flügel und etwas weiss am Hals. Im Frühling 2012 war er fast ganz weiss – aber leider ist er im April gestorben. Er war sehr schwach, kam nur noch zu Fuss und eines Tages war er weg. Aber er hat mir über 6 Jahre sehr viel Freude gemacht!
      Liebe Grüsse und weiterhin viel Spass mit den Vögelchen
      Struppy

  8. Jaaa, ich mache mir in diesem Jahr so meine Sorgen um meine liebe Falkenfamilie.
    Es ist alles anders als in den vorhergehenden Jahren. Wenn schonmal die Kamera
    ein wenig funktioniert, dann aber ganz ohne Bewegung und ohne Ton. Ein einziges Mal sah ich den Wind im Gefieder von der Madame. Dann nie mehr. Früher hörte man auch die Züge im nahen Bahnhof, hörte Kinder im Schulhof, jetzt NICHTS.

    Kann uns denn niemand aufklären über diese neuen Begebenheiten ? Ich wünsche doch so sehr, daß sich dieses nette Pärchen wieder eine tolle Familie fertigbringt!!!!
    Liebe Grüße an alle ….und großen Dank

    1. Hallo Gretel,

      schon einmal habe ich eine Antwort gegeben und auf das Forum verwiesen.
      http://falken-foermchen.com/smf
      Dort gibts ganz zuoberst das Forum zu den Muttenzer Turmfalken und wenn ihr dort ein wenig nachlest, findet ihr alle Informationen.
      Es gab technische Probleme mit dem Server, welcher die Bilder überträgt und es ist sogar möglich, dass er irgendwann ganz den Geist aufgibt.
      Niemand wünscht sich das, aber wenn es so kommt, dann gibts eben in diesem Jahr keine Übertragung. das ist sehr teure und Komplizierte Technik, die nicht einfach so rasch ausgewechselt werden kann.
      Zu den Falken: Auch dort wissen wir nicht, was kommen wird. Es ist bisher ein ausserordentlich kalter Frühling und die Natur richtet sich nicht nach unseren Wünschen. Meine Empfehlung deshalb: Enspannen und Daumen drücken.
      Mit freundlichen Grüssen
      Esther

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