Besta

„Besta“ – so heisst bei Ikea ein Regalsystem, das man um einen Fernseher und/oder andere Heim-Unterhaltungs-Elektronik-Sachen herumbauen kann. Und da die Beschäftigung mit solchen Geräten in der Freizeit bei den meisten Leuten einen wichtigen Stellenwert einnimmt, versteht man gut, dass das Drumrum solcher Sächelchen im Wohnbereich eben auch designt und gestylt und ein bisschen schick sein sollte, selbst wenn Besta für Ikea-Verhältnisse eher nicht ganz kostengünstig ist, aber darum geht es nicht.
Und überhaupt geht es gar nicht um dieses Regalsystem oder Heimelektronik. Oder um Beschäftigung damit.
Um Beschäftigung geht es allerdings schon und deshalb auch diese etwas umständliche Einleitung.
Genauer gesagt geht es um Beschäftigungsstatistik. Denn Besta heisst in der Amtssprache der Schweizerischen Eidgenossenschaft nämlich genau dies:
Beschäftigungsstatistik. Aus Gründen der Ökonomie werden ein paar Buchstaben eingespart, man weiss ja schliesslich, was man dem Steuerzahler schuldig ist. 😉

Jetzt mag man sich vielleicht fragen, was eine Glucke mit Besta (also der Statistik, nicht dem Regalsystem) zu tun hat. Und ehrlich gesagt frage ich mich selbst das auch immer. Die Antwort darauf trudelt alle drei Monate bei mir in Form eines dicken Briefes der Schweizerischen Eidgenossenschaft ein. Im Brief steht dann jeweils, es sei wieder Zeit für die vierteljährliche Erhebung und ich solle doch bitte das beigelegte Formular ausfüllen.
Auf dem Formular muss ich dann aufschreiben, wie viele Mitarbeiter ich beschäftige (inkl. mir selbst sind das genau einer), wie viel Prozent welche der Mitarbeiter arbeiten (öhhm, kommt darauf an, aber da diese Antwort in dem kleinen Kästchen keinen Platz hat, schreibe ich einfach 100 % ) und ob und wie viele Ausländer oder Grenzgänger bei mir arbeiten.
Dann muss ich noch aufschreiben, ob und wie viele Mitarbeiter ich zur Zeit suche, oder in nächster Zeit suchen werde, oder in der Vergangenheit gesucht habe und ob ich sie gefunden habe oder nicht und ob das gelernte oder ungelernte Arbeitskräfte sind und ob das Frauen oder Männer, Ausländer oder Schweizer oder Grenzgänger sind (nein, nach Ausserirdischen fragen sie nicht… 😆 ) und dann wieder wieviel Stellenprozente und und und…

Natürlich ist es für mich jedesmal ein erquikendes Erlebnis, dieses Formular auszufüllen, vor allem, weil ich genau zwei Zahlen brauche dafür: 0 und 1. Da fühle ich mich danach immer ganz binär….
Einmal habe ich mir gedacht, was solls, ist ja eh immer das Selbe und es ändert sich ja bei mir auch nichts und eigentlich ist mein „Unternehmen“ ja für Statistiker ein Witz. Und dann habe ich dieses Besta-Formular einfach nicht ausgefüllt. Und bekam promt eine Mahnung, auf der dann stand, ich MÜSSE! Aha, so ist das.

Neulich kam wieder so ein Formular – ja, so rasch vergehen die Vierteljahre – und dann habe ich nachgefragt, ob die meine Zahlen nicht einfach als gegeben und sich nicht verändernd nehmen und selbst ausfüllen könnten, weil es verändere sich bestimmt nichts bei mir und falls doch, könnte ich mich ja einfach melden.
Nein, das gehe nicht. Ich sei eines von 7000 Unternehmen, das für die Besta representativ erhoben werde und da müsse ich jetzt einfach durch. Und ausserdem sei es für mich ja kein grosser Aufwand. Und Statistik sei wichtig.

Das ist wohl so. Zumindest sorgt die Beschäftigung mit der Beschäftigungsstatistik  für Beschäftigung. Und die Leute haben dann weniger überflüssige Zeit die sie totschlagen müssen, indem sie sich mit Unterhaltungselektronik beschäftigen. Und dann brauchen sie auch kein Besta-Ikea-Regal-System. Sorry, Ikea!

6 Gedanken zu „Besta“

  1. Klasse!!!
    Es ist schon beruhigend zu wissen, dass es in unserem „Kanton“ genau so beschi….
    nein – bescheiden zu geht.
    Traudel

  2. Hallo Esther,

    soooo gut deine Geschichte….im ersten Moment habe ich an x fehlende Teile eines Besta Gestells gedacht ;-))…….herrlich deine Einleitung………aber oh weia, da geht es um amtlichen kleinkarrierten Papierkram….wenn ich nicht geschmunzelt hätte über deine Schreiberei, hätte ich wohl den Kopf geschüttelt über DEN Amtsschimmel…
    …oho du bist repräsentativ, hat man dir gesagt…..ist doch auch etwas…….;-)

    Liebs Grüessli,
    pipistrellus

  3. Meine Güte, was habe ich jetzt wieder einmal gelacht, wo es eigentlich nichts zu lachen gibt!!! „Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare – Formulare….“ 😉
    Kürzlich musste ich ein Formular ausfüllen, da war 2x, gleich untereinander MEINE ganz Adresse gefragt, mit dem Hinweis „Gänsefüsschen nicht erlaubt“! *pruuust* 😀
    Aber, liebe Esther, Du müsstest eigentlich auch Verständnis haben: WENN Du jetzt schreiben würdest „siehe letztes Formular“ dann hätte der Herr Beschäftigungsstatistikobersachbearbeiter viel weniger zu tun! Und würdest Du das ein 1/4 Jahr später wiederholen, – noch viiel mehr weniger! 😆
    Und dann müsste man die Beschäftigungsstatistik der schweizerischen Eidgenossenschaft wegen des unterbeschäftigten Beschäftigungsstatistikobersachbearbeiter total um schreiben! Also, DAS kannst Du doch nicht verantworten, oder? 8)

    Danke und liebs Grüessli
    Zwirbel

  4. Liebe Esther

    Wahnsinn, das mit dem Amtsschimmel. Soll ich dir mal ein paar von diesen Formularen kopieren, dann brauchst du nur noch das Datum zu ändern und weg damit…. ? 😉

    Aber super geschrieben hast du diesen Artikel, wie immer! So toll, die Einleitung und Schlusssatz mit dem IKEA Regal 🙂 wo sich das Ganze doch absolut auf einer anderen Ebene abspielt. Vielen Dank!

    Liebe Grüsse
    Struppy

  5. Esther, du kannst’s mir glauben. Es fällt mir gerade sehr schwierig, hier was anständiges zu FORMULArieren 😆

  6. Iggittt liebe Glucke!!
    Gut, dass ich nicht du bin! Schon allein beim lesen klebe ich an der Decke vor, ja vor was denn? Vor Wut? Vor lauter Machtlosigkeitsgefühl? Nein, ich denke, es ist doch eher Wut – ich darf gar nicht daran denken was dieser Arbeitsbeschaffungs-Gugus den Steuerzahler wieder kostet.
    Wie kommt es bloss, dass ich nicht lachen kann? Aber immerhin, schmunzeln konnte ich!

    Danke Esther und liebe Grüsse
    helia

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