„Eine böse Geschichte über zwei Intellektuelle (9+Epilog)

Liebe Förmchen,

nun wird es ernst: Ihr erfahrt jetzt das Ende dieser Fortsetzungsgeschichte – außer dem Äxli, das sich wg. Spannungsaufbau noch 1…2 Tage Zeit lassen will, ehe sie nachliest. 😉

Für die Anderen geht es jetzt los:

Kapitel 9

Was die Dichterin jetzt zu sehen bekam, war für sie so ungeheuer überraschend, wie vielleicht … eine Alpenwiese (einschließlich Murmeltier und Gemse) in der heimischen Badewanne vorzufinden. Auf dem Monitor entwickelten sich herrliche farbige Gebilde, die sich ständig veränderten und in ihrem Aussehen bald an Gebirge oder Packeislandschaften, bald an Mondkrater, bald an verschiedene Pflanzen erinnerten. Dabei muß man sich vorstellen, daß die genannten Gestalttypen ständig irgendwie nahtlos ineinander übergingen. Dies betraf nun nicht nur den geometrischen, sondern auch den farblichen Aspekt der Bilder. Roxana-Sybill war überwältigt von diesem Anblick. Das Programm lief schon einige Stunden, als sie sich zu fragen begann, ob es auch ein Ende hatte. Soweit sie gesehen hatte, war bisher keine Wiederholung irgendeines Bildes aufgetreten. Sollte man sich vorstellen, daß in diesem Rechner alle gesehenen Bilder gespeichert waren? Was tat der Computer eigentlich, wenn er diese Flut herrlicher Bilder schuf? War das etwa ein kreativer Vorgang?

Wenn man das bisher geschilderte Weltbild der Dichterin bedenkt, wird man zugeben, daß sie hier ein regelrecht existentielles Problem vor sich hatte. War ihre zuvor gewonnene Einsicht, daß der Computer nur rechnet, etwa doch ein Irrtum? Konnte man denn durch Abarbeiten von Formeln so herrliche „Schöpfungen“ erzeugen? Diese Fragen mußten unbedingt beantwortet werden!

Roxana-Sybill stoppte daher das Programm und ließ sich einen im Bedienungsmenü angebotenen Erläuterungstext anzeigen. Hier wurde nun erklärt, daß das beschriebene Geschehen auf dem Bildschirm tatsächlich nur auf der grafischen Darstellung von Rechenergebnissen beruht. Die verwendeten Formeln waren sogar von außerordentlicher Einfachheit, und nur ihre wiederholte rekursive Anwendung sollte die herrlichen Bilderwelten hervorrufen. Was war „rekursive Anwendung“? Was waren „Fraktale“, was „Mandelbrodt-Mengen“?? Die Dichterin verstand wieder einmal nichts und sah sich zum wiederholten Male gezwungen, völlig fremde Geistesgebiete zu erkunden. Sie fand bald die in der Literaturliste zu den erwähnten Programmen aufgeführten Bücher und begann sich in die mathematische Welt der sogenannten Chaosforschung zu vertiefen. Hier wurde der Lyrikerin nun wahrhaftig zugemutet zu glauben, daß wichtige Bereiche der umgebenden Welt wie Wolkenbildung, Bachgeplätscher, Meereswellen oder Lebensvorgänge sich mit meist einfachen mathematischen Gesetzen beschreiben lassen. Das Geheimnis der außerordentlichen Strukturvielfalt, die man real beobachtet, sollte wesentlich in sogenannten „Rückkopplungen“ bestehen, d.h. in der Tatsache, daß einmal vorliegende Zustände zur Quelle der nachfolgenden Erzeugungsprozesse neuer Zustände werden. Diese Tatsache wurde mit der „rekursiven“ Anwendung der mathematischen Formeln im Programm dargestellt. Das geschieht, indem irgendeine Größe (sagen wir, eine Temperatur) mit einer Gleichung berechnet wird, die den bis dahin vorliegenden Temperaturwert als Einflußgröße enthält. Auf dieser gedanklichen Grundlage werden Wettervorhersagen, Flugzeugdesign, Gehirnforschung oder Ökonomie betrieben, wie die Dichterin den Büchern entnahm.

Interessant dabei war für sie, daß, obwohl exakte Formeln zur Naturbeschreibung verwendet werden, Langzeitprognosen des Verhaltens komplexer Phänomene nicht möglich sind. Keine Naturwissenschaft der Welt konnte beispielsweise das Wetter der nächsten drei Tage genau vorhersagen, ja es war sogar prinzipiell unmöglich. Aber die „grauen und trockenen“ Formeln waren offenbar in der Lage zu erklären, auf welche Weise solche Inbegriffe des Romantischen wie Wolken, Blumen oder Berge ihre Gestalt bekommen. Daß die Gleichungen also entscheidende Seiten des Wesens der gestaltenden Naturprozesse richtig wiedergeben, davon hatte das Programm vorher eine außerordentlich überzeugende Probe geliefert. Die Dichterin war von dieser Erkenntnis vollkommen überrascht. Sie las in den nächsten Tagen noch sehr viel über die mathematisch-physikalischen aber auch über die philosophischen Aspekte der neuentdeckten Geistesdisziplinen und untersuchte daneben die übrigen Computerprogramme auf ihre Funktion hin. Eines der Programme sollte ebenfalls Darstellungen zur Chaostheorie liefern, erforderte aber den Anschluß eines speziellen Lasergerätes, dessen Bezeichnung im Begleittext genannt wurde. Roxana-Sybill hatte dieses Gerät im Schrank gesehen und ging voller Neugier daran, es nach der Beschreibung mit dem Computer zu verbinden. Dies funktionierte recht einfach, indem wieder die bereits erwähnten „Schnittstellen“, also spezielle Stecker-Buchsen-Kombinationen, verwendet wurden. Was Roxana-Sybill nun nach dem Start des „Laserprogrammes“ sah, bildete eine ungeahnte Steigerung des zuvor Erlebten. Der Computer errechnete wiederum Bilder aus der Chaos-„Branche“, diese aber dreidimensional. Um sie auch direkt abbilden zu können, wurde nicht der Monitor verwendet, der ja „platt“ ist, also nur zwei Dimensionen darstellen kann, sondern das Lasergerät. Dieses ließ die errechneten Graphiken dreidimensional „in der Luft“ stehen bzw. sich entwickeln. Die Gefangene war zum wiederholten Male fasziniert. Nachdem sie das Licht ausgeschaltet und die Geräteeinstellung so optimiert hatte, daß das Bild etwa metergroß in Augenhöhe vor ihr erschien, gab sie sich ganz dem optischen Genuß hin. Am Beginn sah man – es ließ sich nicht anders ausdrücken – „das Meer“!

Die Illusion war vollkommen und es fiel der Dichterin schwer zu glauben, daß diese Bilder errechnet und nicht gefilmt waren. Sie konnte sich aber sehr leicht davon überzeugen, indem sie die im Programm gegebenen Einflußmöglichkeiten ausprobierte. Änderte man gewisse Parameter, sodaß man kein „Wassermeer“, sondern eines aus Öl oder aus flüssigem Eisen vor sich hatte, dann entstanden völlig surreale, im Prinzip unbeschreibbare, Anblicke. Es wurde tiefe Nacht, aber Roxana-Sybill konnte nicht aufhören, immer neue „Meere“ zu erzeugen. Im Bedienungsmenü waren die verschiedensten „meerbildenden“ Flüssigkeiten aufgeführt. Es gab flüssigen Ammoniak, Quecksilber, Methan, Schwefelsäure und viele andere. Damit nicht genug, konnte man Temperatur, Druck, Beleuchtung auf den jeweiligen „Planeten“ einstellen, d.h die Meere konnten zufrieren, verdampfen und vor allem in allen Farben schillern! Neben den Meeren konnte man in ähnlicher Weise Gebirgsbildungen, Pflanzenwachstum oder die Bildung von Galaxien und Planetensystemen betrachten oder selbst steuern. Viele Stunden und Tage verbrachte die schöngeistige Frau mit den Computerreisen in verschiedene Phantasiewelten, die aber nichtsdestoweniger eigentlich realistisch waren, da sie das physikalisch korrekte Verhalten der beteiligten Substanzen und Objekte als Grundlage enthielten.

Letztere Erkenntnis war es vor allem, worüber die Künstlerin in den nächsten Tagen immer wieder intensiv nachdachte. Stets hatte sie bisher gemeint, zwischen Naturwissenschaften und Kunst bestehe eine grundsätzliche Unvereinbarkeit derart, daß beide völlig verschiedene Sphären betreffen. Nun hatte sie gesehen, wie auf einem allein wissenschaftlich-technischen Wege Werke höchster Ästhetik erzeugt werden konnten. Man konnte auch andersherum sagen, daß die Schönheit der Welt offenbar bereits in den Naturgesetzen enthalten oder angelegt ist. Es sah so aus, als ob Kunst und Wissenschaft eigentlich dasselbe tun, nämlich sich der Erkenntnis der Welt zu nähern, wenn auch von verschiedenen Seiten her. Womöglich hatte Roxana-Sybill gerade eines der ersten Zusammentreffen beider Erkenntniswege erlebt!

In solche Gedanken versunken, schrak sie plötzlich auf, weil ihr bewußt wurde, daß ja Wilfried, ihr Mann, die gerade erlebten Computerprogramme geschrieben hatte. Außerdem hatte er selbst, wie sie sich nun entsann gelesen zu haben, den zugehörigen höchst leistungsfähigen Rechner konstruiert. Wilfried war es also, der die naturgesetzliche Schönheit der Welt so eindrucksvoll demonstriert hatte!
Die Dichterin mußte akzeptieren, daß ihr Mann offenbar bei all seiner Wissenschaftsversessenheit auch eine sehr künstlerische Seite in seinem Wesen hatte. Mit dieser Erkenntnis fertig zu werden, fiel ihr bedeutend schwerer, als das Verstehen und Anerkennen der bereits beschriebenen allgemeinen Gedankengänge. Nun nämlich mußte sie sich selbst eingestehen, ihren Mann über viele Jahre außerordentlich ungerecht behandelt zu haben, indem sie seine Gedanken und Neigungen so ignorant abgetan hatte. Roxana-Sybill begriff nun allmählich, daß sie hier den Grund für den Haß suchen mußte, der ihn veranlaßt hatte, die böse Laborfalle aufzustellen.
Nach wie vor war die Gefangene aber natürlich nicht bereit, die schlimme Strafe zu akzeptieren, die Wilfried ihr zugemessen hatte. Warum hatte er sie denn nicht einfach verlassen und sich statt dessen diese abenteuerliche Konstruktion ausgedacht? Ihr ganzer Geist rebellierte dagegen, so gnadenlos vorgeführt zu bekommen, wie überlegen und wie „unendlich richtig“ die Gedankengänge von Wilfried waren. Der Gefangenen schien, daß genau diese Vorführung in der Absicht ihres Mannes gelegen hatte, als er sie nicht einfach mitsamt ihren Vorurteilen verließ, sondern zu einem „wissenschaftlichen Sonderlehrgang“ verdammte. Sie war vor allem nicht bereit zuzugestehen, daß ihre eigene Sicht auf die Welt weniger wert sein sollte, als die von Wilfried. Nun, nachdem sie so gemaßregelt worden war, einfach mit hängendem Kopf abzuziehen und ihn in Siegerpose zurückzulassen, kam also überhaupt nicht in Frage! Er hatte schließlich die mehr gefühlsmäßig und romantisch gefärbten Denkweisen seiner Frau ebenso ignorant und selbstgerecht abgetan.

Roxana-Sybill kam damit wieder auf den eigentlichen Grund ihrer Computerstudien zurück, nämlich sich zu befreien, indem sie die Programmierung der Türautomatik erlernte.  Da sie vom Computer inzwischen schon einiges verstanden hatte, fiel ihr das nicht zu schwer. Die Beschreibung der Türautomatik gab an, daß die Programmierung in „BASIC“ (einer Art „Sprache“ für die Kommunikation mit dem Rechner) zu erfolgen hatte. Die Gefangene nahm sich also ein Buch zur Einführung in BASIC vor und eignete sich innerhalb von zwei Wochen die wichtigsten Kenntnisse zum Aufstellen von Computerprogrammen an. Sie schrieb selbst einige kleinere Routinen, die sie zum Teil mit einiger Freude ausprobierte. Insgesamt merkte Roxana-Sybill aber, daß der Weg bis zu Wilfriedscher Perfektion unendlich lang war. Es genügte der Gefangenen daher, daß sie die paar Zeilen, die im Buch exakt aufgeschrieben standen, richtig in den Computer bekam und nun darangehen konnte, ihre Befreiung ins Werk zu setzen. Das passende Datenkabel war anhand der Steckerstruktur bald gefunden und angeschlossen. Aufgeregt setzte sich die Gefangene nun an die Tastatur und startete das Programm, das sie „freiheit.bas“ genannt hatte. Auf dem Rechnerbildschirm erschien zunächst die Mitteilung: „aktueller Code: 1346-23“ und die Frage „Code ändern? (j/n)“. Sie gab ein „n“ ein, worauf der Computer mitteilte: „Türstatus: geschlossen“ und fragte: „Tür öffnen? (j/n)“. Auf die Eingabe des „j“ verlangte der „dumme“ Rechner etwas sinnlos: „Bitte den Code eingeben“. Dies tat Roxana-Sybill und wartete mit bis zum Hals klopfendem Herzen auf die Reaktion. Prompt ertönte von der Tür her zunächst ein Brummen, dem mehrfach das nie vergessene metallische Schnappen folgte, mit dem sich vor nun zehn Monaten die Gefängnistür geschlossen hatte. Als die Dichterin sich wie elektrisiert umwandte, konnte sie wirklich und wahrhaftig sehen, wie sich die Tür ihrer Zelle langsam und gleichmäßig öffnete…

Epilog

Nach genau einem Jahr kam der Wissenschaftler Wilfried Kutscher von seinem Forschungsaufenthalt in den USA nach Hause. Als er die Tür zu seinem Haus aufschloß, sah er sofort, daß seine Frau es wie erwartet geschafft hatte, sich aus dem Labor zu befreien. Etwas aufgeregt ging er ins Wohnzimmer, wo Roxana-Sybill in einem Sessel saß und las. Sie begrüßte ihn völlig ruhig und ausgeglichen, bot ihm einen Kaffee an und bat ihn, sich ihr gegenüber zu setzen. Wilfried Kutscher war über diesen Empfang sehr verwirrt. Neugierig sah er seine Frau an, die zu sprechen begann: „Du hast mir eine tückische Falle gestellt und mich seelisch in gemeiner Weise gequält. du weißt, daß du damit ein Verbrechen begangen hast. Wir beide wissen aber auch, daß ich es nie beweisen könnte. So wie ich es verstanden habe, hast du dein Ziel erreicht: Ich habe deine Wissenschaft studiert und auch eingesehen, daß meine Ignoranz und mein Abscheu ihr gegenüber ungerecht waren. Ich habe nur eine Frage: Warum hast mich dazu unbedingt zwingen müssen?“

Wilfried erholte sich nach und nach von seiner Überraschung über die ruhige und gefaßte Art, in der seine Frau gesprochen hatte und sagte: „Ich habe mich viele Jahre damit gequält, ansehen zu müssen, wie du mich verachtet und nur als Geldbeschaffer gesehen hast, der zu anderen, vor allem intellektuellen Zwecken nicht zu gebrauchen ist. Das war besonders unerträglich, weil ich wußte, daß das alles anders hätte sein können, wenn du nur einmal bereit gewesen wärest, auf mich einzugehen. In mir hat sich so ein immer größerer Haß und der Wunsch, dich zu strafen entwickelt. Mein Hauptbestreben, war aber, dich zu zwingen, dir meine Gedankenwelt wenigstens anzusehen und in Ruhe zu durchdenken. Ich wollte das unbedingt erreichen, weil dein Urteil mir, trotz allem, was war, sehr viel bedeutet. Ich weiß schließlich, daß du eine sehr kluge Frau bist. Das einzige, was ich erreichen mußte, war, deine gepanzerten Vorurteile zu durchbrechen. Nach dem, was du vorhin gesagt hast, ist mir das offenbar auch gelungen. Daß ich Dich dazu mit Hilfe der Laborfalle ein Jahr lang einsperren mußte, hast du dir selber zuzuschreiben. Nun, nachdem mein Ziel erreicht ist, möchte ich mit dir nichts mehr zu tun haben, was dir vermutlich ebenso ergeht – ich werde die Scheidung einreichen.“

Zwei Tage nach diesem Gespräch trat Roxana-Sybill vor ihren Mann hin und sagte: „Komm, ich werde dir etwas zeigen!“ Sie führte ihn vor den Videorecorder und ließ eine Aufnahme laufen, die das gesamte Gespräch von vor zwei Tagen in Bild und Ton dokumentierte. Wilfried Kutscher war völlig verblüfft und stand wie erstarrt. Seine Frau sagte: „Eine Kopie dieses Bandes ist bei meinem Anwalt und so weiter… Du kennst das vom Film.“

„Was willst du?“, stammelte er, „Geh doch gleich zur Polizei!“ „Nein, du bist doch mein Geldbeschaffer!“ antwortete Roxana-Sybill und fuhr fort: „Du wirst die Scheidung nicht einreichen und vor allem wirst du dasselbe tun müssen, was du mir aufgezwungen hast: Du wirst deine Vorurteile gegen meine Sicht der Welt und gegen meine Art Literatur ablegen und dich unter meiner Anleitung mit den Romantikern beschäftigen! Ich will, daß wir quitt sind! In einem Jahr, wenn du dann noch willst, kannst du dich scheiden lassen, weil ich glaube, daß auch ich dann mein Geld mit Elektronik verdienen kann.“

THIS IS THE END (The Doors) 😉

14 Gedanken zu „„Eine böse Geschichte über zwei Intellektuelle (9+Epilog)“

  1. Schön, Pi, gerade, als ich auf den Freiheitsberauber böse werden wollte, hatte die Geschichte eine versöhnliche Wendung genommen. Aber ganz so abwegig war meine Version nicht, wer weiß, was Wilfried (nomen est omen? ) in den USA so getrieben hatte mit hübschen…egal, ich glaube, die Beiden werden sich zusammen raufen, und wenn Wilfried erst mal die Romantiker kennt (Roxana -Sybill meint sicher die literarischen), bekommt diese Ehe neuen Pep! 😉
    Außerdem war die Lektüre sehr lehrreich! 😉
    Liebe Grüße, Clara

  2. Obwohl ich die Letzte sein (w/s)ollte, THE END zu erfahren, bin ich die Erste, die kommentiert.
    So bricht man selbstgesetzte Regeln 😕 .
    Ich bin am sacken lassen dieser deiner ‚bösen Geschichte‘.
    Die Vorstellung, sich innerhalb eines läppisch kurzen Jahres eine neue Materie anzueignen, ist phänomenal!
    Äxli, die dich ausserordentlich gerne las.

  3. Danke für den Schluss, lieber Pi!

    „Du wirst deine Vorurteile gegen meine Sicht der Welt und gegen meine Art Literatur ablegen und dich unter meiner Anleitung mit den Romantikern beschäftigen! “

    Ob dies gelingen kann, was meinst du?

    1. Na ja, liebe Esther, er muss ja. Genau wie sie musste.
      Insgesamt finde ich interessant, dass die meisten Komentatorinnen hier ziemlich auf Seiten von R.-S. stehen. Ich finde diese Person nicht gerade sympathisch – zumindest wie sie vor der Gefangenschaft war.
      Dass sich also später alles richten wird (totale Symmetrie: Er wird zum Lyrik-Leser und hat seine Frau wieder lieb…), kommt mir nach der gegenseitigen Aufmerksamkeitserzwingung eher unwahrscheinlich vor.
      Die beiden haben einander massive Verletzungen zugefügt, die sich in einer fortbestehenden Ehe sicher nicht heilen ließen.
      Ich meine, dass das Ende dieser Geschichte und die Perspektiven danach ebenso böse sind, wie die ganze Story.

      Dein Pi…

      PS: Interessant finde ich auch, dass solche Figuren, die ich mir ja mal ausgedacht habe, mir vor dem geistigen Auge erscheinen, als wären es real „da draußen“ existierende Menschen. Sehr seltsame Empfindung, das…

  4. Lieber Pi,
    mir hat deine Geschichte ausnehmend gut gefallen, ich habe sie mit Spannung gelesen.
    Über Wilfried denke ich, dass er seine Frau in Wahrheit lieben muss, warum sonst dieser letzte Versuch ihr seine Gedankenwelt näherzubringen?
    Um ehrlich zu sein war mir das Ende der Geschichte zu „zahm“. Roxana-Sybill hat sich ja eigentlich immer ihrem Mann überlegen gefühlt. Ich kann mir nicht vorstellen. dass sich das nun geändert hat. Im Gegenteil, ich denke das ist jetzt erst recht der Fall. Und auch ich kann nicht an einen harmonischen Fortbestand dieser Ehe glauben. Vielen Dank für die Geschichte, Martina

    1. Liebe Martina, erstmal danke schön fürs Lob!

      Das „zahme“ Ende war eigentlich so gemeint:
      Was hätte R.-S. von einer fulminanten Rache? Nichts.
      Stattdessen fädelt sie ganz kalt eine satte Erpressung ein, wegen der ihr Mann sich absolut nichts erlauben kann…
      Rache, kalt genossen (zwei Monate Planungszeit…).
      Außerdem schaut sie vor allem auf ihren Geld-Vorteil, dieser unsympathische Zug einer Schmarotzerin war ihr ja von Anfang eigen.
      Und da ist es doch für sie viel besser, sie hat ihren Wilfried fest in der Hand und lässt ihn zudem unter den Romantikern leiden.

      Also wenn ICH mir vorstelle, völlig in der Hand einer solchen Frau zu sein, ich glaube, ich würde mich lieber der Polizei stellen, als die Regelung nach dem Geschmack der Dame hinzunehmen. Freiheitsberaubung – na gut, aber vielleicht kriegt man da sogar Bewährung… 😉
      Ich finde, je mehr man sich in das Ergebnis dieses „zahmen“ Endes hineinversetzt, desto böser wird es.

      Ach ja, und das Motiv von Wilfrieds Erzwingung eines Wissenschaftsstudiums für R.-S.?
      Wenn man von jemandem über viele Jahre üble Demütigungen und Verletzungen hinnehmen muss, dann ist es mMn nicht unplausibel, wenn unter dem angestauten Frust solche wüsten Pläne entstehen, es der Dame mal so richtig hinzureiben – aber mit eigentlich noch vorhandener Liebe hat das sicher nichts zu tun,

      meint Dein Pi…

  5. Lieber Pi,
    okay, die Annahme Wilfried würde seine Frau noch lieben mag falsch sein.
    Trotzdem scheint mir der unbedingte Wunsch ihr endlich Respekt und Annerkennung für seine Welt der Wissenschaft abzuringen größer, als die Absicht sie zu quälen.
    Würde er sie hassen, hätte es keinen Ausweg gegeben. Oder einen scheinbaren Ausweg, der in einer Sackgasse endet. Was das Ende angeht, vielleicht ärgert es mich nur, dass er ihr doch wieder unterlegen ist.
    Liebe Grüsse, Martina

    1. Na ja, es musste nunmal eine konsequent böse Geschichte sein, mit einem bösen Ende, das natürlich die Leser ärgert…
      Aber ein bischen Hoffnung scheint ja zu bestehen:
      Nämlich dass R.-S. am Ende WIRKLICH den kreativen Wert der Wissenschaft begriffen hat. Das wäre ja auch schon was und könnte Wilfrieds weiteres Los evtl. mildern… Hachch 😉

      Dein Pi…

      1. Hier meine ernsthafteren Betrachtungen:
        Hoffentlich hält Wilfried das eine Jahr mit dieser arroganten und ignoranten Person noch durch!
        Mich wundert, dass es die Beiden überhaupt schon ein Weile miteinander ausgehalten hatten! Dachten sie, einer könnte den anderen noch ändern? Dies ist meistens ein Trugschluss. Wenn bei zwei so verschiedenen Interessengebieten nicht große gegenseitige Toleranz herrscht und/oder wenigstens der Versuch unternommen wird, sich für das jeweilige Gebiet des Partners zu interessieren, dann ist Hopfen und Malz verloren. Der Kunstgriff mit der Zwangsbekehrung steht ja nur dem Dichter zur Verfügung!
        Dass Liebe bei Beiden nicht mehr vorhanden war und ist, zeigt zum einen der kriminelle Tatbestand der Freiheitsberaubung sowie die berechnende Härte der Frau.
        Eigentlich hätten beide psychologische Begleitung nötig !

        Ein Teil 2 könnte ja folgen, z.B. die Ereignisse nach Ablauf des besagten Jahres schildernd. Er fände bestimmt auch interessierte Leser!

        1. Ja liebe Clara, daran habe ich auch schon kurz gedacht, aber ich denke, das würde dann so werden, wie bei solchen Filmreihen, wie „Otto – der Film“ oder „Werner“:
          Der zweite Teil würde deutlich schwächer ausfallen – außer mir fiele wieder so eine extravagante, geschlossene Erzählidee ein. Aber das ist bisher nicht in Sicht, und da lasse ich es lieber.

          Dein Pi…

  6. Lieber Pi

    Ich werden jetzt nicht die ganze Geschichte wiederholen oder Vermutungen anstellen, da gibt es schon genug davon. Aber ich möchte dir sagen, dass ich riesigen Spass hatte, deine Geschichte zu lesen und auch den Schluss fand ich grandios gewählt!

    Vielen Dank dafür, auch wenn ich etwas arg hintendrein humple…. 😉

    Liebe Grüsse
    Struppy

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