Denk ich an Deutschland in der Nacht…

…lautet die Anfangszeile von Heinrich Heines Gedicht „Nachtgedanken“.
In dem Gedicht geht es vor allem um das Denken an seine Mutter im Pariser Exil, aber es enthält auch diese Zeilen:

Deutschland hat ewigen Bestand,
Es ist ein kerngesundes Land,
Mit seinen Eichen, seinen Linden,
Werd‘ ich es immer wiederfinden.

Genau daran sind aber heute Zweifel angebracht (insbesondere seit vergangenem Sonntag – grüner Wahlsieg in BW), und deshalb dient mir der große Deutschlandliebhaber und -Kritiker Heinrich Heine als Aufhänger für diesen recht persönlich gemeinten, aber auch allgemein zu verstehenden Schrieb.
Die aktuellen Entwicklungen in meinem geliebten Heimatland machen mir Angst.
Deutschland erscheint mir heute wie die DDR vor dem Mauerbau:
Ideologen beherrschen die „Szene“, und alle, die nicht-ideologisch denken – sondern unabhängig denken wollen! – müssen sich hier mehr und mehr fremd fühlen und streben folglich nach der Auswanderung.
Um nun zu untersuchen, welche Menschen auswandern könnten, und wie sehr das dem Land evtl. schadet, möchte ich zuerst schauen, welche Menschengruppen ich hier bezüglich ihrer Denkmuster und –bestrebungen unterscheiden würde. Diese Unterteilung gilt meiner Auffassung nach zunächst ganz allgemein, aber die prozentualen Verteilungen in diesen Gruppen „machen den Kohl fett“.
Was also haben wir?

1) Die „Erzieher
Diese Leute wollen allen Anderen ihre Sicht der Dinge eintrichtern. Die betreffenden Methoden nennen sich „aufrütteln, bewusst machen, abholen, an der Hand nehmen, Zeichen setzen, Angst einflößen… – aber auch: zu ihrem Glück zwingen!“
Die Erzieher sehen sich als die absolute Geisteselite der Gesellschaft, und wer ihnen nicht folgt, ist verwerflich. Sie neigen daher zu diktatorischem Gehabe. Argumente, rationale Erwägungen sind nicht so ihr Ding – besser emotionaaal…
Erzieher sind: Politiker, Protestführer aller Art, die schreibende Edelzunft (also Feuilleton etc.), Pädagogen, diverse prominente Künstler, vor allem schreibende… (s. Talkshows!)
Die Erzieher werden selten auswandern, denn sie leben von dem Mist, den sie hier anzetteln, prima.

2) Die „Erziehbaren
Diese sind gewöhnlich politisch-gesellschaftlich interessiert/engagiert, leider aber oft mit geringem Faktenwissen bzw. rationaler Denkbereitschaft gesegnet. Sie „meinen es gut“, wissen aber nicht, wie man es auch „gut machen“ kann. Das lassen sie sich eben von den Erziehern sagen und halten es danach für eigenes Wissen. Entsprechend vehement vertreten sie daher die Ideologie(n) der Erzieher.
Sie sind folglich oft in der „geistig- künstlerischen Sphäre ohne materiellen Wissens-Hintergrund“ beheimatet. (s. Talkshows!)
Erzieher und Erziehbare möchte ich – absichtlich sehr böse – als die „Erbärmlichen“ zusammenfassen.
Auch die Erziehbaren werden selten auswandern, weil sie ja das, was die Erzieher anrichten, toll finden.

3) Die „Einfachen
Diese werden von den Erbärmlichen verachtet. Als „Pöbel, Plebs, Prolls“… Denn ihnen gehen all die hochfliegenden Weltverbesserer-Lehren der Erzieher am After vorbei. Sie wollen lediglich KLARKOMMEN, d.h. ihr Auskommen und ansonsten ihre Ruhe haben.
Über die Einfachen hat Tucholsky einst bewundernd gesagt, dass es diese Leute waren, die nach der Katastrophe des ersten Weltkrieges „den Laden am Laufen gehalten haben“ (sinngemäß).
Die Einfachen sind:
Bauarbeiter,  Hausfrauen*, Dreher, Friseure, Krankenschwestern, Bahnschaffner, Verkäufer, Kraftfahrer…
Eigentlich alle hart in der Praxis arbeitenden, aber oft beschissen bezahlten Leute bei uns hier.
Können wegen der genannten wirtschaftlichen Gründe meist nicht erwägen auszuwandern. Ob sie wollen würden, steht dahin…
* siehe Traudels wunderbaren Text hier!!!

4) Die Eigensinnigen/Entsetzten/Empörten/Erbosten/Entgegengesetzten
Diese würde ich zusammengefasst die „Eigenköpfe“ nennen.
Sie leiden unter der (in D gegebenen) Herrschaft der Erbärmlichen viel mehr, als die Einfachen, weil sie – ähnlich einer Kassandra – die ganze Scheiße klar sehen, die da kommt, durch die Erbärmlichen. Denn die Eigenköpfe denken mehr nach, als ihnen gut tut – aber sie können es nicht lassen.
Einen Vorteil haben sie allerdings:
Wenn die erwartete Scheiße dann wirklich kommt, sind sie nicht so überrascht wie die Einfachen.
Während die Erbärmlichen es dann im Fall der EINGETRETENEN großen Scheiße lauthals „schon immer gewusst“ haben und „von Anfang an dagegen“ waren („Wendehals“).
Kein Eigenkopf kann sich aussuchen einer zu sein – er ist dazu von Natur verflucht.
Er ist der absolute Auswanderungskandidat in freie(re) Länder.

Was jetzt entscheidend ist:
Gelingt es den Erziehern, die Einfachen (die sehr große Mehrheit der Bevölkerung)  zu Erziehbaren zu machen?
Das ist in der Vergangenheit Deutschlands schon mehrfach passiert (vor allem unter Hitler). Dazu wird mMn geschickt das ausgenutzt, was den Erziehern sonst den Zugang zu den Einfachen so schwer macht:
Ihre sonst sehr sinnvolle Bevorzugung eigener Lebensinteressen gegenüber hochfliegenden Weltverbesserunsgplänen. Kurz: Ihre Bodenständigkeit.
Wenn es nun gelingt, die den Einfachen naheliegenden Lebensinteressen mit einem großen Erzieher-Thema unlösbar zu koppeln, DANN können aus Einfachen Erziehbare (und letztlich Erzogene) werden.
So hat es Adolf gemacht (Welt-Juden als Schuldige am privaten Unglück der Deutschen) – und so wird es heute gemacht:
Multi-Konzerne, Globalisierung, Klimawandel, Autoverkehr, Gentechnik, Schulmedizin, Handy-Strahlen, industrielle Lebensmittel, Kernkraft… jeweils Schuld an ganz konkreten privaten Übeln bzw. kommenden Übeln der späteren Generationen.

Beide genannten Erzieher-Legenden haben das gemeinsame Merkmal der Nichtbelegbarkeit.

Da jedoch Erziehbare und Einfache sehr oft den Mangel der „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (nach Kant) aufweisen, gelingt es den Erziehern immer wieder, ihre unbeweisbaren bis bewusst verlogenen Legenden als „allgemeines Wissen“ zu etablieren.
Und das hat sich in letzter Zeit in meiner deutschen Heimat zunehmend vollzogen – der letzte Wahlsonntag ist der vorläufige Tiefpunkt.

Was machen nun die Eigenköpfe? Also die, welche das rationale, argumentative Denken schon von Berufs wegen als zentrale geistige Kategorie betrachten?
Sie fühlen sich hier zunehmend als fremde, auch angefeindete (Wissenschaftler!, Schulmediziner! Ingenieure!…) Minderheit. Und wie in der DDR ist es hier auch:
Sie hauen ab, die Leistungsträger in Kerntechnik, Gentechnik, Schulmedizin, Chemie, Fahrzeugbau…
„Na und?“, sagen die Erzieher. „Wir haben ja Solaaaar und Windenergie und Homöopathie und ökologischen Landbau und Bio… Und wenn der Staat das alles schön fördert, weil es im bösen, bösen Markt leider unwirtschaftlich ist, können wir auf all diese EIGENKÖPFE gut verzichten. Und ökonomische Mathematik ist böser Profit-Kapitalistendreck!“

DDR-Honecker 1989: „Wir weinen ihnen keine Träne nach.“

Ohne die Eigenköpfe wird hier endlich alles so schön kuschelig wie im Gartenzwergenland – bis die Ökonomie ihre unbestechliche Rechnung präsentiert.

Tja, wie Ihr wisst, bin ich zu meinem Bedauern ein ausgesprochener Eigenkopf.
Was also bleibt mir?
Euer Ratloser…

PS: Es gibt zu meiner unbändigen Freude allerdings auch sehr viele Eigenköpfe (vor allem unter den Einfachen), die das nur nicht klar genug wissen. Einige Förmchen fallen mir da ein… 🙂

PPS: Und hier das vollständige – wunderbare –  Gedicht von Heinrich Heine:
Nachtgedanken
Hach…

16 Gedanken zu „Denk ich an Deutschland in der Nacht…“

  1. Obwohl ich es grundsätzlich schwierig finde, Leute in irgendwelche Kategorien einzuteilen (meiner Ansicht nach sind die Meisten ausgesprochene „Mischformen“) hast du einen sehr guten und bedenkenswerten Text geschrieben.
    Die Ideologie der „Erzieher“ ist im höchsten Masse intolerant, was einen sehr seltsamen Gegensatz zum Selbstbild dieser Leute darstellt.
    Die Tragik liegt ja tatsächlich in der mangelnden Selbstreflexion und dem gleichzeitigen Sendungsbewusstsein.
    Ob die „Einfachen“ zu „Erziehbaren“ werden?
    Ich hoffe es nicht! Aber ich fürchte, je mehr es den „Erziehern“ gelingt, den „Einfachen“ Angst zu machen, desto grösser ist diese Gefahr.
    Danke, lieber Pi, für deine Gedanken!

    1. Danke, liebe Esther, für Deinen aufstellenden Kommentar!

      Ja, dass die Meisten Mischformen sind bzw. auch von der einen zur anderen Variante „wandern“ können, ist unbestreitbar.
      Es ging mir bei dieser Einteilung aber darum, prinzipielle Erscheinungen bei der Meinungsbildung in unserer Gesellschaft
      (und deren Folgen) darzustellen. Und da habe ich versucht, sozusagen „typische Rollen- oder Funktionsbilder“ zu finden,
      die mir bedeutsam scheinen.
      Es geht da dann weniger um Individuen, als um statistische Erscheinungen, die eben die Entstehung unserer Meinungen beeinflussen.

      Dein Pi…

      1. Ja, lieber Pi, das hatte ich auch in dieser Richtung verstanden – und deshalb fand ich deinen Text auch gut! Und du hast recht, es braucht diese „Einteilung“ manchmal, um die Hintergründe zu analysieren! 🙂

  2. weisch, lieber Pi, das Lesen deines Textes veranlasst mich zu ‚konzentrierterem‘ Nachdenken. Du weisst, das tue ich eigentlich meistens 😀
    Dennoch verfällt man zuweilen dazu, den „Erziehern“ breit zu vertrauen. Es ist so bequem und … man kann den eigenen Grips ruhen lassen. So viel anderes – Privates oder Geschäftliches – wandert im Kopf rum.
    Da braucht’s gelegentlich einen Pi, der meinen Kopf zusätzlich ein bisschen aktiviert.

    1. Tja, liebs Äxli, da will ich Dir mal mit einem Auszug aus dem Kantschen Essay „Was ist Aufklärung?“ antworten:


      BEANTWORTUNG DER FRAGE: WAS IST AUFKLÄRUNG?
      Berlinische Monatsschrift. Dezember-Heft 1784. S. 481-494
      Königsberg in Preußen, den 30. September 1784.
      ————————————————————————————————————————————————————-
      AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das
      Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese
      Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des
      Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen
      Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.
      Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von
      fremder Leitung freigesprochen [A482] (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und
      warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe
      ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät
      beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen
      kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Teil der
      Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist,
      auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich
      genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese
      ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften, so zeigen sie
      ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben
      so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht
      doch schüchtern und schreckt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab.

      Ja ich weiß, in der heutigen komplexen Welt kann man nicht mehr alles durch eigenes Denken klären. Aber man sollte doch ein paar Regeln beherzigen:

      1) Deckt sich das, was mir die Erzieher weismachen, mit meinen Erfahrungen (ist es plausibel)? Habe also ich persönlich (oder haben persönliche vertrauenswürdige Bekannte) jemals bemerkt, dass mir (oder Anderen) das Handy-phonieren nicht bekommt, dass mir die Wurst aus dem Supermarkt nicht bekommt, dass mir die Klimaentwicklung der letzten 50 Jahre irgendwie schadet…?

      2) Leuchten meinem eigenen Verstand die Dinge ein, die mir erzählt werden? Das meint den gesunden Menschenverstand, der natürlich nicht immer ein guter Ratgeber ist. Aber man sollte auf Zweifel von seiner Seite reagieren, indem man sich gründlich informiert – oder das Thema ganz bewusst (also mit klarem innerem Entschluss) zu den Akten legt. Das hilft gegen Paranoia/Hypochondrie/Hysterie…

      3) Wenn man mir sagt, dass sich die bösen Effekte schleichend einstellen würden, bzw. dass meine Risiken bzgl. Schaden XYZ steigen – in die Tonne damit! Mir doch egal, ob mein Sterberisiko an Krebs steigt (ob es überhaupt steigt, ist meistens nur Vermutung). Mein Sterberisiko beträgt sowieso genau 100% und ein Viertel davon ist Krebs – so oder so.
      Hier bitte beachten: Im Gegensatz zu obigem sind Gifte wirklich gefährlich, und zwar nicht „vermutlich“ oder „risikoerhöhend“, sondern tatsächlich mit klar bekannten Dosis-Wirkungsbeziehungen. Also Quecksilber, Blei, Fliegenpilze, Eisenhut, Schierling, Arsenoxid, Kohlenmonoxid… meiden! Keinen WC-Reiniger trinken 😀 und keine Chlorbleiche zusammen mit Säure verwenden! Diese Dinge sind gefährlich, z.T. auch schleichend wirksam (Schwermetalle).
      Und es gibt auch Stoffe, die sehr zuverlässig Krebs auslösen (Benzol, Schimmelgifte…), da natürlich Fingaaa von! Im Zweifel nachlesen!

      4) Und völlig in die Tonne mit jenen Leuten, die behaupten, sie würden sich um die Zukunft in 50 Jahren sorgen (s. Klima, Artensterben…) – sowas ist immer Unsinn! Denn Prognosen sind gewöhnlich schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen. 😉
      Wer da was anderes glaubt, denke/lese einmal 50 Jahre zurück, was es in der Welt damals alles nicht gab und wie grotesk falsch viele der damaligen Prognosen waren.
      Besonderes Misstrauen ist angebracht, wenn sehr weitreichende Aussagen mit Forderungen nach sehr weitreichenden Konsequenzen für uns gekoppelt werden – und wenn diese sich dann auch noch ausschließlich auf Computermodelle komplexer Systeme stützen: Tonne!

      5) Wenn man schon große Angst vor Thema XYZ hat: Dann sollte es uns auch die Zeit wert sein, dass wir uns gründlich, d.h. nach vielen Seiten hin umsehen, dass wir also möglichst viele verschiedene Meinungen anhören/anschauen. Widersprechen sich diese, lege ich das Thema unter „nicht bedeutsam“ ab.
      Kommt in entsprechenden Texten öfter sowas wie „könnte“, „geschätzt“, „vermutet“ etc. vor: dito!
      Die abschreibende Zunft macht dann aber bald aus geäußerten Vermutungen Fakten, deshalb: Vielfach lesen, abweichende Meinungen anschauen!

      Das sind so einige Ableitungen aus der von mir beruflich verwendeten wissenschaftlichen Methode fürs Privatleben.
      Sapere Aude! – „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“(Kant)

      Dein Pi…

  3. Hier habe ich mal ein Beispiel zu dieser „hätte-wenn-könnte-falls-eventuell“-Panik, die gerne auch aus medizinischen Studien destilliert wird:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Bisphenol_A

    Dieses Bisphenol_A (ich kam darauf, weil eben ein TV-Beitrag über dieses „Teufelszeug“ in Autolenkrädern kam) soll im Verdacht stehen, die männliche Sexualität zu schwächen.
    Also muss es nun weg! Und zwar vollständig!*
    Genauso geht es eigentlich mittlerweile fast allen Substanzen der modernen organischen Chemieindustrie. Und warum?
    Weil Studien KORRELATIONEN finden zwischen Substanz A und Gesundheitsproblem B.

    Nur: Eine Korrelation ist keine Kausalität!
    Beispiel: In Gebieten mit wenigen Störchen gibt es wenig menschlichen Nachwuchs (erwiesen!). Pseudo-wissenschaftliche Schlussfolgerung: Der Storch bringt die Kinder. 🙁
    Korrekte Erklärung:
    Beide Dinge (wenige Störche und wenige Kinder) sind Folge ein und derselben Sache: Urbane menschliche Gesellschaft.

    Und genau so ist es mit vielen Fällen, die ähnlich wie Bisphenol A gelagert sind:
    Jemand hat Bisphenol A im Blut und ist außerdem mit schwachen Spermien gestraft – beides trifft nun mit 10…20%iger „Signifikanz“ (Überdurchschnittlichkeit) zu. Schon heißt es: „Bisphenol A macht impotent“
    Dabei ist die gefundene KORRELATION eben noch lange kein KAUSALBEWEIS für obige Aussage!
    Sondern es könnte sein wie beim Storch: Erhöhtes Bisphenol A im Blut und schwache Fortpflanzung sind evtl. parallele Folgen eines anderen, bisher unentdeckten, Gesamtphänomens.
    Wie man das rausfinden könnte? Durch direkte Versuche an Männern, denen man entweder das Zeug füttert, oder nicht. Und hinterher zählt man, wie oft die Kerle „können“. So ein Quark!
    Dies, (liebs Äxli) ist eins von den könnte-hätte-wenn-eventuell-Schauerthemen aus den Miedien, die ich mit Spaß und Schwung in die geistige Tonne trete!

    * Der weise Cem Özdemir hat auf dem Grünen-Parteitag kürzlich die diesbezügliche Endlösung auf den Tisch gepackt: „Die Petrochemie muss weg!“ Damit meint er (falls er weiß wovon er redet) nahezu die gesamte Chemieindustrie, denn die beruht nun einmal fast vollständig auf fossilen Kohlenstoffquellen (vornehmlich Erdöl, das man früher Petroleum – „Steinöl“ – nannte, daher der Name Petrochemie).
    Und warum hat er das gefordert? Weil kurz zuvor im Mittelmeer einige Wale (Delphine? – weiß ich nicht so genau) Probleme mit treibenden Plastiktüten hatten.
    Dieser absolute Idiotentext vom Özdemir ist ein schlagendes Beispiel für die Gartenzwergmentalität, die unsere deutschen Erzieher haben, und die sie auch unter ihrem Volk zu verbreiten suchen.

  4. Gibts eigentlich auch Gartenzwerge aus Epoxidharz ? Vielleicht ist ja Özdemir so einer?!
    Danke für all deine Ausführungen, lieber Pi.
    Mit diesem Harz hab ich in meinem ’neuen‘ Berufsleben täglich zu tun … und ich lebe immer noch, bin gesund und gefrässig 🙂

  5. Hab`s ausgedruckt und in Ruhe gelesen.
    Werde es noch ein paar mal lesen, da meine Gedanken sich bei manchen Zeilen selbstständig machen. Das heisst ich fange dann an zu grübeln… grübeln kommt von Grube …. und ich grabe manchmal ziemlich tief…
    So hätte ich das nie hingekriegt.
    Deine Traudel

    1. Ach, wie ich mich freue, dass so nach und nach meine Eigenkopfverdächtigen in den Kommentaren hier auftauchen! Willkommen, liebs Traudel!
      Dein Pi…

      1. „….nach und nach meine Eigenkopfverdächtigen in den Kommentaren hier auftauchen!“

        Nennt man sowas nicht Nötigung? 😉

        LG, Clara

        1. Liebe Clara,
          Deine Frage scheint mir unüberlegt:
          Wenn ich mich darüber freue, dass einige Förmchen hier in meinem Sinne mitschreiben, dann kannst Du das nicht als Nötigung interpretieren.

          Wies scheint, gewinnt nun auch im Förmchen die Gartenzwergfraktion die Oberhand.
          Viele Grüße an die anderen Zwerge.

          Der Pi…

          1. Na, lieber Pi, warum so ärgerlich? Du kannst davon ausgehen, dass ich mir Fragen (und Antworten) i m m e r überlege.

            Jeder hat die Freiheit, zu interpretieren. Dich bitte ich, in diesem Kontext nicht zu viel in das Wort „Nötigung“ zu interpretieren (vor allem auch das Smiley nicht zu übersehen!).

            Zu Deiner „Gartenzwergfraktion“ nur so viel:
            Wenn Alle, die Deine Meinung nicht teilen, für Dich „Gartenzwerge“ sind, finde ich dies bedauerlich, fühle mich aber selbst nicht betroffen!

            Clara

  6. Lieber Pi,
    ich war zunächt mal mit deinem ursprünglichen Text überfordet. Auch ich habe ihn mir ausgedruckt und darüber nachgedacht. Bin ich darum in deinen Augen nun einer der Gartenzwerge, die dir so zuwider sind? Oder bin ich ein Gartenzwerg, wenn ich mir meine Gedanken mache, aber auf dieser Ebene nicht mitdiskutiern möchte?
    Wenn dem so ist, kann ich es nicht ändern. Dein „liebe Grüsse an die anderen Zwerge“ klingt schon sehr pauschal und abwertent und das macht mich traurig, mal so als „Zwerg“ geschrieben. Liebe Grüsse von Martina

    1. Liebe Martina,

      wenn ich von der „Gartenzwergfraktion“ schrieb, war das doch nicht auf Dich gemünzt! Nicht im geringsten. Ich habe Deine Beiträger immer sehr gerne gelesen, das kannst Du glauben.
      Hast also keinen Grund Dich zu jener „Fraktion“ zu rechnen.
      Aber ich sehe eben einige andere in dieser Richtung, das ist leider so.

      Dein Pi…

Kommentare sind geschlossen.