Archiv der Kategorie: Kram und Glitzerstaub

Zuhause

Wiedermal Nationalfeiertag und wie jedes Jahr am 1. August werden Reden gehalten und Artikel geschrieben, in denen definiert wird, was die Schweiz ist oder sein sollte. Vergangenheit und Zukunft werden gleichermassen beschworen und Selbstdefinitionen gesucht – und je nach persönlicher Vorliebe wird Abgrenzung oder Öffnung gefordert, werden Lösungen vorgestellt für die Probleme, die man zuvor als die drängendsten definiert hat und vor allem wird betont, dass alle, die diese Dinge anders sehen, tragisch irren und dieses Land letztendlich zerstören, wenn man sie lässt. Zuhause weiterlesen

Alle Vögel…

Mein lieber Schwan, war das wieder ein komischer Kauz, den ich da neulich getroffen habe! Er kam zwar daher wie frisch aus dem Ei gepellt, schon fast ein eitler Gockel, hätte man denken können, aber je länger der Abend dauerte, desto mehr erwies er sich als veritabler Schluckspecht und mehr als einmal dachte ich, der Kerl habe echt eine Meise!

Rein äusserlich hätte man wirklich nichts geahnt – er hatte ziemlich dünne Storchenbeine, aber auch eine Habichtsnase, die auf einen festen Charakter schliessen lies. Und die Krähenfüsse im Gesicht waren ja nichts besonderes in dem Alter. Also, alles in allem wirkte er nicht wie ein besonders schräger Vogel. Alle Vögel… weiterlesen

Träum weiter….

Bestimmt kennt Ihr alle die eine oder andere Version der Geschichte vom reichen Erbonkel in Amerika, den niemand mehr kennt, der aber trotzdem die Freundlichkeit besitzt, sich nach seinem Ableben in Form eines Testamentes zu zeigen, in dem ein hübsches Sümmchen darauf wartet, von kalten und natürlich zutiefst betrauerten, in warme Hände zu wechseln.

In Wirklichkeit passiert so etwas natürlich eher selten.
Bei mir jedenfalls war der einzige tatsächlich um ein paar Ecken Verwandte und scheinbar verschollene Erblasser so verschuldet, dass der Erbschaftsbeamte, der die Sache regelte, bereits die Formulare für die Ablehnung des Erbes ausgefüllt hatte und so konnte ich mich freuen, mit einer einzigen Unterschrift eine recht grosse Summe gespart zu haben. Aber irgendwie war diese Erbonkelvariante doch nicht ganz so prickelnd. Ganz zu schweigen, dass der Typ nicht in Amerika, sondern in Gipf-Oberfrick gewohnt hatte. Träum weiter…. weiterlesen

Glück gehabt…

Im Neubau mir gegenüber gibts zwei Läden. Einen, der E-Bikes verkauft und einen, der Reisen verkauft, die fürs E-Bike zu weit sind.
Seit einiger Zeit hat nun dieses Reisebüro ein Plakat im Schaufenster.
Nun finde ich solche Reisebüroplakate im Winter ja immer ein bisschen fies. Wenn man da in Berge von Textilien gehüllt und trotzdem frierend in der kalten Bise davor steht und sich Bilder von Stränden und  so ansehen muss und genau weiss, dass die nächsten Ferien in weiterer Ferne liegen als Australien. Mindestens. Glück gehabt… weiterlesen

Zeit

Neulich habe ich mir in meinem Lieblingsteeladen etwas gekauft, das ich eigentlich überhaupt nicht brauche, das mir aber so gut gefallen hat, dass ich es trotzdem haben wollte. Weil es mir eine Geschichte erzählte.

Es handelte sich um einen kleinen Metallrahmen mit drei Sandührchen  und der Bezeichnung „PERFECT TEA TIMER“ – jede der Sanduhren enthält unterschiedlich farbigen Sand in unterschiedlicher Menge um eine unterschiedliche Zeitdauer zu messen, damit man seinen Tee leicht, mittel, oder stark ziehen lassen kann. Wie gesagt, man braucht dieses Ding nicht dringend um überleben zu können. Zeit weiterlesen

Wartezimmererkenntnis

Neulich sass ich in einem Wartezimmer.
Während ich so vor mich hin wartete, gingen mir allerlei Fragen und Gedanken durch den Kopf, zB., weshalb man eigentlich nie einen Termin bekommt auf die Zeit, zu welcher der Termingeber tatsächlich Zeit für einen hat, sondern immer mindestens eine Viertelstunde früher. Aber vermutlich liegt das daran, dass die Einrichtung eines Wartezimmers dann eine sinnlose Investition wäre. Wartezimmererkenntnis weiterlesen

Einfacher denken

Laut einer Studie fördert eine unordentliche Umgebung, also zB. ein unaufgeräumter Schreibtisch, die Fähigkeit der Probanden, einfachere Lösungen für ihnen gestellte Aufgaben zu finden.
Offenbar hat das Gehirn die Tendenz, eine unübersichtliche Umgebung mit klarer strukturierten Gedanken zu kompensieren und auf die Komplexität des aussen Wahrgenommenen mit der Reduzierung der Komplexität im Innern zu reagieren. Einfacher denken weiterlesen

Fernweh (ein Traum….)

Er fand es nicht schlimm, die Welt durch Gitterstäbe zu sehen. Er kannte es gar nicht anders, schon immer – oder seit er sich erinnern konnte – war es so gewesen. Ausserdem stand sein Käfig am Fenster, so dass er beobachten konnte, was sich draussen tat. Das war fast so gut, wie selber dort zu sein, vielleicht sogar ein bisschen besser, denn die alte Frau, bei der er wohnte, war sehr nett und gab ihm jeden Tag frische Körner und redete mit ihm und sang ihm manchmal eine kleine Melodie vor. Er hätte auch gerne gesungen, er wusste, dass er singen sollte, dass dies der eigentliche Zweck seines Hierseins war, aber er konnte nicht, so sehr er sich auch bemühte. Die alte Frau nahm es ihm aber nicht übel, davon war er überzeugt, denn sie lächelte und nannte ihn zärtlich „mein Hübscher“ und er fand das sehr angenehm und richtig, denn tatsächlich schillerten seine Schuppen ansprechend im sanften Licht, das durchs Fenster fiel. Fernweh (ein Traum….) weiterlesen

Sollbruchstelle

Es kommt manchmal vor, dass man am Morgen erwacht und eine Melodie im Ohr hat, oder ein Bild ist vom letzten Traum hinter den Augen hängen geblieben, oder ein Geschmack liegt noch schwer vom Schlaf auf der Zunge – na gut, das ist dann nicht so angenehm, aber der Vollständigkeit halber musste ich es trotzdem erwähnen.
In etwas selteneren Fällen wache ich mit einem Wort auf. Es steht in dicken Lettern an der Grenze zwischen Traum und Tag, ein einziges Wort. Ich öffne die Augen und da ploppt es auf, wie diese lästigen Pop-ups im Internet und unwillkürlich tastet die Hand im Bett nach der Maus und der Blick gleitet nach rechts oben um dieses Kreuzchen zu finden, mit dem ich das Ding wieder los werde.  Geht nicht. Keine Maus, kein Kreuzchen, das Wort bleibt. Bleibt, bis ich es lese, auch wenn es kein Wort ist, mit dem ich mich um diese Zeit befassen möchte. Sollbruchstelle. Sollbruchstelle weiterlesen

Besta

„Besta“ – so heisst bei Ikea ein Regalsystem, das man um einen Fernseher und/oder andere Heim-Unterhaltungs-Elektronik-Sachen herumbauen kann. Und da die Beschäftigung mit solchen Geräten in der Freizeit bei den meisten Leuten einen wichtigen Stellenwert einnimmt, versteht man gut, dass das Drumrum solcher Sächelchen im Wohnbereich eben auch designt und gestylt und ein bisschen schick sein sollte, selbst wenn Besta für Ikea-Verhältnisse eher nicht ganz kostengünstig ist, aber darum geht es nicht.
Und überhaupt geht es gar nicht um dieses Regalsystem oder Heimelektronik. Oder um Beschäftigung damit. Besta weiterlesen