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Falken-Foermchen  |  Treffpunkte  |  Café des Arts  |  Thema: Wer darf wie und wo was in der Kunst? « vorheriges nächstes »
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Autor Thema: Wer darf wie und wo was in der Kunst?  (Gelesen 3387 mal)
Esther
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« am: 15. Juni 2013, 07:15:18 »

Liebe Förmchen,

zur Zeit läuft in Basel ja wiedermal die Art - und wie jedes Jahr treffen sich die Schönen und Reichen und Kunstsammlerinnen und sonstigen Interessierten in den Messehallen.(wobei die "Sonstigen" die heiligen Hallen erst seit Donnerstag betreten dürfen, die ersten 3 Tage blieben die "Wichtigen" unter sich)

Im Umfeld der Art haben sich auch immer mehr alternative, unabhängige Ausstellungen und Aktionen herausgebildet, welche die Stadt Basel beleben und auch für die zugänglich sind, welche vom ganzen Kunstkommerz um die Messe eher abgeschreckt werden.

Das geht von bunt gestalteten Abfalleimern an der Rheinpromenade über allerlei Kunstobjekte im öffentlichen Raum bis zu den eingestricken Fähren.
Ich fand es bisher immer reizvoll, diese Kombination aus dem, was als "Kunst" definiert und offiiziell (durch den Aspekt der Verkäuflichkeit) anerkannt wird und der wuchernden Kreativität, die nichts weiter beabsichtigt, als den öffentlichen Raum zu gestalten und vielleicht auch die Sicht darauf zu verändern, ganz ohne elitären und irgendwie abgehobenen Anspruch.

Dieses Jahr jedoch ist etwas geschehen, was mir doch sehr zu denken gibt und deshalb möchte ich es hier auch erzählen - vielleicht mögt ihr euch ja auch äussern dazu.

Bei der Art haben der Architekt Christophe Scheidegger und der Künstler Tadashi Kawamata ein so genanntes "Favela-Café" aufgebaut - ein schickes Dörfchen, wo sich die müden Kunstmenschen mit Latte und Cüpli erfrischen können - keine Ahnung, weshalb das eine Favela sein soll, aber das ist eben Kunst und muss vermutlich so sein.
Das Spannende kommt aber erst.
Eine Gruppe von etwas 20 Künstlern (ausserhalb der Art) fand dies dekadent und hat gestern neben der Glamour-Favela eine "echte", wilde errichtet. Und begann dort zu feiern. Rasch kamen viele Leute hinzu, die Messe wollte das natürlich nicht, schliesslich hatte sie den Platz gemietet und fürchtete um den Komfort und die Sicherheit der Messebesucher.
Sie setzte ein Ultimatum für die Räumung, dann noch eins und nachdem alle nicht befolgt wurden, fuhr die Polizei auf und räumte.

Polizei räumt Favelabesetzung auf dem Messeplatz

Natürlich kann man sagen, die Messe hatte das Recht dazu.
Die Erweiterung der Favela war illegal, ebenso wie die friedliche Party.
Dennoch unterstreicht es in meinen Augen, wie dekadent und unehrlich dieser ganze Kunstbetrieb doch geworden ist (oder viellleicht auch schon lange ist).
Man kokettiert mit der Armut und provoziert, indem man eine Designfavela errichtet und greift dann mit voller Härte durch, wenn echte Menschen mit echten anarchistischen Ideen davon angezogen werden. Daraus ergeben sich Szenen, wie sie uns aus "echten" Protestaktionen in anderen Ländern vertraut sind.

Ich finde es seltsam.

Hier noch ein Bild der "Kunst-Favela"(noch im Bau) (klick)

Und hier die "Erweiterung" (klick)

Liebe Grüsse
Esther
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Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg,
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Esther
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« Antworten #1 am: 17. Juni 2013, 08:04:53 »


(20min. vom 17.6.13)

Einige Leute scheint es ja doch zu interessieren. 

 
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Zwirbel
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« Antworten #2 am: 19. Juni 2013, 07:42:29 »

....gehöre auch zu denen  Grinsend
zu denen, die sich über den Polizeieinsatz ZÜNFTIG ärgern!

Nun habe ich auch noch das Interview mit Baschi Dürr gelesen
Er meint nun also allen Ernstes, Die Polizei musste sich selber schützen!

Wieviele Menschen hat wohl die Musik gestört?
Und wieviele Menschen haben sich an der dekadenten "Kunst"installation des Pseudobarrackendorfes gestört?

Irgendetwas stimmt da im Verhältnis nicht!
Jawoll! 

Liebs Grüessli
Zwirbel
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Esther
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« Antworten #3 am: 19. Juni 2013, 08:24:17 »

Danke, liebe Zwirbel! 

Inzwischen ist ja auch noch ein anderes Video aufgetaucht, das diesen "verhältnismässigen" Einsatz aus einer anderen Perspektive zeigt.

Polizeiaktion Messeplatz

Bei mir entsteht immer mehr der Eindruck, als seien die Polizisten einerseits von der ganzen Situation überfordert gewesen, andererseits persönlich auch extrem genervt davon, dass diese Leute auf dem Platz sich nicht an ihre Anweisungen hielten.

Ich weiss ja, dass die nur ihren Job machen - trotzdem - das wirkt auf mich alles andere als professionell.

Und der Waschi-Baschi? Sorry, aber der Typ ist für mich einfach jenseits aller Realitäten.

Was ich nicht verstehe: Warum fährt man bei einer solchen harmlosen Aktion dermassen ein, als sei da ein extrem unberechenbarer und gewaltbereiter Mob zu gange, aber obwohl inzwischen pro Tag in Basel im Schnitt 2 Überfälle auf offener Strasse geschehen, sieht man kaum einmal Ordnungshüter unterwegs - schon gar nicht zu Fuss und in den Quartieren.

Vielleicht sollten die Leute, die sich unsicher fühlen alle einfach laut singen? Dann würde die Polizei vielleicht mindestens wegen Lärmbelästigung anrücken. 

Liebe Grüsse
Esther
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wüscherli
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« Antworten #4 am: 19. Juni 2013, 09:43:00 »

Also ich finde viel mehr sieht man im 2. Video auch nicht.

jedoch ist es sehr schwer eine Partei zu ergreifen.

Man weiss nicht ob die Leute schon vorher aufgefordert worden sind den Platz zu räumen.

im 2. Video sieht es so aus als ob die Polizei zuerst angegriffen worden ist. zumindest der eine im Vordergrund.

Die Polizei hat es ohne hin schwer das richtige zu tun.

z.B. bei einer Bombendrohung geht sie und es ist nichts wird sie ausgelacht. Geht sie nicht und eine Bombe explodiert ist sie der Buhmann

auf jeden Fall finde ich Gewalt ist keine Lösung so oder so aber verteidigen sollte sich die Polizei dürfen. sie hätte ja auch mit einem Wasserwerfer aufrücken können und die ganze Gesellschaft wegspülen können wenn sie gleich auf Angriff gehen wollte.

und die Presse bringt sowieso nur das was da rauskommt und über die Anfänge schweigt sie sich aus.

Eigentlich ist das ein Bild wie man sie bei jeder Demo oder einem Fussballmatch sieht die Polizei muss mit einem Grossaufgebot auffahren ob es Krawall gibt oder nicht. Und sie muss ihren Kopf hin halten wenn es Krawall gibt und ja nicht zurück schlagen sonst ist sie der Neger

Habt ihr euch mal gefragt wie es den einzelnen Polizisten dabei geht? wenn sie mit Musikboxen oder ähnlichem beschossen werden?

das wird auch nicht Lustig sein.
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viele Grüsse s`Wü(n)scherli
Zwirbel
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« Antworten #5 am: 19. Juni 2013, 10:19:03 »

Da stimme ich Dir sehr zu, liebs Wüscherli, dass die Polizei es SCHWER hat.
Und ehrlich gesagt, tut mir die EINZELNEN Polizisten leid, denn sie müssen ja dem Befehl der "Oberen" gehorchen.
Und DAS ist es, was mich nervt. Ich finde den riesigen Aufmarsch wegen zu lauter Musik unverhältnismässig. Dass da die Lage, die vorher (ausser der Musik!) friedlich war, eskaliert, - das war doch irgendwie vorhersehbar, oder nicht? Die Polizei hatte ja auch nicht den Befehl, die Versammlung zu vertreiben, sondern NUR, die Musikanlage zu entfernen. Da frage ich mich schon......

Für mich(!) ist diese Veranstaltung nicht zu vergleichen mit einem Einsatz bei einem Fussballmatch, oder sonst irgendwelcher Demo, wo es leider, leider ein grosses Aufgebot braucht.

Der "Künstler" wollte mit seiner "Kunst" provozieren, - aber die Erwiderung auf die Provokation duldete man nicht. GANZ ANDERS wäre es gewesen, hätten die Leute die bestehenden Hütten zerstört! Da hätte ich die Massnahmen eher verstanden. Aber sie bauten ja "bloss" noch mehr Hütten dazu...... wozu ich mir ein leises Kichern nicht verkneifen kann. 

Was ich damit sagen möchte: es geht mir nicht um Polizeieinsätze IM ALLGEMEINEN, sondern in DIESEM Fall.

Liebs Grüessli 
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winke-winke   
Esther
Förmchen-Glucke
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« Antworten #6 am: 19. Juni 2013, 11:30:40 »

Vielen Dank für deine Gedanken zum Thema, Wüscherli!

Wie Zwirbel bin ich einverstanden mit dir und wie Zwirbel beziehe ich meine Kritik vor allem auf diesen speziellen Einsatz hier - auch wenn ich grundsätzlich schon eher der Meinung bin, dass die Polizei vor allem Menschen und Sachen schützen soll und nicht unbedingt als erste Priorität die Nachtruhe durchsetzen soll - aber ich bin mir im Klaren, dass dies jeder anders sieht und die Polizeiarbeit eine der Schwersten ist - deshalb habe ich mich auch für einen anderen Beruf entschieden. 

Kleine Ergänzung noch: Ja, es gab zuvor Gespräche und Ultimaten, die nicht befolgt wurden.

Und heute noch ein Interview in der Tageswoche mit Baschi Dürr. (Ich weiss, die Tageswoche steht etwa so links wie die Baz rechts steht - liest man beide, kann man sich aber durchaus ein stimmiges Bild machen.)

daraus nur ein Zitat:

TW:Eine Frau läuft weg. Obwohl sie der Polizei nichts tut, wird sie mit Reizstoff besprüht.

BD: Sie lief zu langsam weg.

Den Rest kann man hier nachlesen.

Liebe Grüsse
Esther

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Martina
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« Antworten #7 am: 19. Juni 2013, 11:55:03 »

Zitat
Bei der Art haben der Architekt Christophe Scheidegger und der Künstler Tadashi Kawamata ein so genanntes "Favela-Café" aufgebaut - ein schickes Dörfchen, wo sich die müden Kunstmenschen mit Latte und Cüpli erfrischen können

  Favela....werden so nicht die Elendsviertel in Brasilien bezeichnet? Oder liege ich da falsch? Wenn nicht finde ich diese "Kunst-Favela" für die "noblen Kunstgucker" mehr als dekandent. Mir ist auch klar das die Polizei es oft nicht einfach hat und auch das diese Räumung auf Befehl "von oben" kam aber ich finde die Aktion erschreckend. Ich muss zugeben das ich total "von den Socken" bin  Schockiert Schockiert....den Schweizern traue ich sowas einfach nicht zu weil ich immer von euch Förmchen ausgehe.  Grinsend Rosarote Brille in Reinkultur! Tja....anerkannte Kunst hat offensichtlich nix mit Spontanität zu tun sondern folgt zemetierten Regeln. Danke für den Bericht Esther  

Übrigens haben mir die eingestrickte Fähre (hab mir Leu angeguckt) und die kreativen Abfalleimer sehr gut gefallen.
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Ein Messer kann stumpf sein und trifft oft am Herzen vorbei. Nicht das Wort. Hilde Domin
Esther
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« Antworten #8 am: 20. Juni 2013, 20:40:55 »

Danke auch dir, liebe Martina!

Werde hoffentlich morgen Zeit haben um hier noch etwas zu schreiben.
Jetzt muss ich zuerst hinter das Blogtagebuch. 

Liebs Grüessli in die Runde
Esther
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« Antworten #9 am: 22. Juni 2013, 07:15:21 »

So, nun hat es doch was länger gedauert. 

Aber inzwischen ist ein Interview mit dem Künstler erschienen.
Nachzulesen HIER

Offenbar geht es dem Mann rein um die ästhetische Seite und er will keinerlei politische Aussage machen.
Seine Aussagen im Interview sind für mich klassisches Kunstsprech, der Mensch scheint mir ziemlich abgehoben und somit passt das dann irgendwie schon auch zum Ganzen.

Er kritisiert, dass die Favela-Besetzer schlechtes Material verwendet hätten.
Und er fragt allen ernstes: "hatten sie denn eine politische Botschaft?"

Kann man sich für Favelas (klick) aus rein gestalterischen Gründen Interessieren, ohne das Thema Armut ebenfalls im Auge zu haben?
Offensichtllich!

Aber wenn man Mühe hat, dies zu verstehen, dann muss man das auch gar nicht.
Denn der Künstler sagt ja selber:

"Für mich lässt sich das nicht so einfach herunterbrechen. Kunst ist nicht so simpel wie Propaganda. Und der Stil von Ai Weiwei ist nicht mein Stil. Die Welt hat sich verändert, sie ist komplex geworden. Botschaften sind einfach, so wie auch dieses Image von reichen Leuten, die in der Favela Cham­pagner trinken. Ein Klischee. Denn wie die Welt ist auch die Kunst komplexer geworden."

Alles klar? 

Liebe Grüsse und danke Zwirbel, Wüscherli und Martina für eure Beteiligung am Thema!
Esther
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